Noch mehr Dinge, die Ihr über Bauernstrukturen wissen müsst
It's time to take another pawn structure lesson from the master.

Noch mehr Dinge, die Ihr über Bauernstrukturen wissen müsst‎

Silman
IM Silman
|
22 | Strategie

Was ist eine Bauernstruktur?

In meinem Online-Glossar definiere ich Bauernstrukturen als "die Positionierung der gesamten Bauernmasse. Man kann sie auch als Skelett einer Stellung bezeichnen. Diese Stellung der Bauern bestimmt normalerweise die Pläne, die sich in einer bestimmten Stellung aufgrund von offenen Linien, des verfügbaren Raumes oder Bauernschwächen ergeben."

Ich setze meine Artikel über Bauernstrukturen fort, da Ihr sie zu mögen scheint und einiges von diesen Artikeln lernen könnt. Also ist hier der nächste!

Oh, und noch etwas in eigener Sache: Wenn Ihr eine Bauernstruktur entdeckt, die Euch verwirrt (sie kann aus einer Großmeisterpartie oder einer von Euren eigenen Partien stammen), könnt Ihr mir die Stellung gerne zusenden. Es könnte gut sein, dass ich sie in einem meiner nächsten Artikel verwenden werde.

1:

Hier ist eine kleine Übersicht, die Euch zeigt, wie einfach es sein kann, die richtigen Züge zu finden (was bedeutet, dass Ihr auch die richtigen Ideen erkennt).

Das Wesentliche für Weiß:

  • Weiß hat 2 Läufer, während Schwarz nur einen hat. Das allein gibt Weiß schon einen kleinen Vorteil, denn normalerweise ist das Läuferpaar einem Läufer und einem Springer überlegen.
  • Wenn es Schwarz gelingt, die weißfeldrigen Läufer zu tauschen, bleibt Weiß der schwarzfeldriger Läufer und ein Springer übrig, während Schwarz mit zwei Springern spielt. Auch das ist normalerweise etwas besser für Weiß.
  • b2-b4 ist ein Pflichtzug. Entweder sofort oder etwas später. Dadurch gewinnt Weiß Raum und kann jederzeit die b-Linie öffnen, auf der dann die Türme in die schwarze Stellung eindringen können.
  • Der Zug Tf1-e1 kündigt an, dass Weiß mit e2-e3 und exd4 das Zentrum öffnen will und, da Schwarz ja gezwungen ist, entweder mit dem c5- oder dem e5-Bauern zurückzuschlagen, dem schwarzfeldrigen Läufer eine saftige Diagonale öffnet.
  • In den meisten Partien mit dieser Stellung wendet Weiß sowohl die b2-b4 Idee, als auch die Te1 und e3 Idee an.

Das Wesentliche für Schwarz:

  • Schwarz hinkt mit der Entwicklung hinterher, also muss er so schnell wie möglich seine Figuren auf gute Felder entwickeln.
  • Schwarz kann …Te8 spielen, was dem e5-Bauern mehr Stabilität verleiht und ihm die Möglichkeit gibt, später …e5-e4 zu spielen.
  • Schwarz kann …Ta8-b8, gefolgt von …b7-b6 und …Lc8-Bb7 spielen, um einerseits seinen Turm aus der Schusslinie des g2-Läufers zu bringen und andererseits seinen eigenen weißfeldrigen Läufer in eine dynamische Figur zu verwandeln.
  • Manchmal kann Schwarz nach …Ta8-b8 und …a6 und …b7-b5 (manchmal auch ohne ...a6) spielen, um den weißen Damenflügel zu befragen.
  • Schwarz träumt natürlich davon, dass Weiß b2-b4 spielt und dann auf c5 schlägt. Wenn das passiert, kann Schwarz seinen Springer von d7 nach c5 bringen, aber weder Weiß noch Schwarz sollten Ihren Gegnern einen Gefallen tun!

Wenn Ihr die Grundlagen Eurer Bauernstruktur kennt, wisst Ihr immer, was zu tun ist und was Euer Gegner machen sollte.

2:

In den Augen vieler Spieler ist diese Stellung für beide Seiten komplex. Die Bauernstruktur schreit jedoch, dass Schwarz verloren ist. Du bist hier Weiß und musst zeigen, warum Schwarz in so großen Schwierigkeiten steckt.

3:

Weiß steht zwar besser, aber offensichtlich ist Schwarz immer noch in der Partie. In einer solchen Stellung müsst Ihr so viele kleine Pluspunkte wie möglich sammeln. Hier muss das Ziel lauten: Das Läuferpaar zu erhalten und Schwarz dafür zu bestrafen, dass er noch nicht rochiert hat.

Beachtet, dass Schwarz auf c5 und e5 eine starke „Mauer“ aus Bauern hat. Und wie man so schön sagt: "Die Mauer muss weg"!

4:

Manchmal ist eine gute Verteidigung der Schlüssel zum Sieg.

5:

Die meisten Spieler würden diese Stellung lieber mit Schwarz spielen, da 11.d5 mit 11...f5 beantwortet werden kann und Schwarz danach eine bessere Bauernstruktur hat. Beachtet aber, dass Weiß auch andere Möglichkeiten hat: 11.Ld3, 11.Sb3 und 11.Le2 sind nur einige davon. Botvinnik fand jedoch den seltsamen Zug 11.dxe5.

Sind Ihr jetzt noch im Schockzustand oder könnt Ihr schon herausfinden, welchen Plan Botvinnik ausgeklügelt hat?

 

 

6:

Diese Stellung sieht für Weiß ganz gut aus, da Petrosian Lf3 (um e4 zu decken) und dann Sd5 spielen möchte, wonach der weiße Springer besser ist, als der schwarze Läufer (…Lxd5 würde mit Txd5 beantwortet werden). Smyslov verstand dies jedoch und verhinderte, dass sich die Bauernstruktur zu seinen Ungunsten verändert.

7:

Es scheint, als ob Schwarz einen starken Angriff hätte. Das stimmt aber nicht, denn Weiß wird diesen Angriff nach wenigen Zügen abgewehrt haben und ist dann seinerseits am Zug.

Mehr von IM Silman
Pal Benko: Endlich frei!

Pal Benko: Endlich frei!

Pal Benko: Die Anfänge seiner Karriere

Pal Benko: Die Anfänge seiner Karriere