Partien gegen Goliath: Was läuft schief?

Partien gegen Goliath: Was läuft schief?

IM Silman
28.07.2017, 00:00 |
26 | Andere

Das Chess.com Mitglied Souvik hatte einige Fragen. Die erste bezog sich auf seine Simultanpartie gegen einen Internationalen Meister. Nachdem Souvic in der Eröffnung absolut überspielt wurde (was ja keine Überraschung ist, wenn ein Spieler mit 1500 gegen einen IM spielt), brachte sich der IM selbst in Schwierigkeiten.

Anstatt mich jetzt aber auf Souvik’s Züge zu konzentrieren, will ich etwas anderes tun. Ich will erklären, welchen Problemen der Titelträger (in diesem Fall IM Andras Toth) ausgesetzt war, und warum Fehler in Simulatanpartien nichts außergewöhnliches sind.

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Aber was ist mit Souvik’s Partie? Wenn er an einem Punkt auf Gewinn stand, heißt das dann nicht, dass er ziemlich gut gespielt hatte? Die Antwort ist Nein, denn es lag einzig und allein an Toth: Souvik stand ziemlich schnell auf Verlust und Toth verpfuschte die Stellung (auf ziemlich typische Simulatanpartien-Weise). Souvik fraß gierig Material und verlor es dann wieder und wurde schließlich Matt gesetzt.

Ich will jetzt Souvik nicht niedermachen, aber wenn sich ein Spieler verbessern will (und ich denke, Souvik will sich verbessern) muss man ehrlich zu sich selbst sein, oder man wird seine Fehler nie sehen und kann deshalb nie an ihnen arbeiten.

HIER IST DIE PARTIE GOLIATH gegen SOUVIC

Beide Spieler sollten immer Wissen, was der beste Zug für ihren Gegner ist. Wenn Du einen Zug machst, der nur auf deinen eigenen Vorstellungen basiert, ohne dass Du die Antworten deines Gegners beachtest, wirst Du viele gewonnene Stellungen verlieren. Du musst immer wissen, welche Figuren (und Bauern) angreifbar sind (auf beiden Seiten). Wann immer eine Figur (deine Eigenen und die deines Gegners) ungedeckt ist, musst Du sie 100%ig im Auge behalten.

Diese beiden Regeln klingen sehr einfach, aber sie sind der Hauptgrund warum Spieler ihre Partien verlieren.

Ich habe mir dann noch mehr Partien von Souvik angesehen und einige Schwächen erkannt. Das erste, was ich gesehen habe, war, dass er die Spannung zwischen Bauern viel zu früh auflöst (was sehr viele Amateure machen).

Hier ist ein weiteres Beispiel, das seine Angst vor Spannungen aufzeigt:

Hier sehen wir:

  • Schwarz lies seine Bauern und Figuren auf ungedecken (oder nicht genügend gesicherten) Feldern.
  • Der schwarze Zug …b7-b5 lies nicht nur den Springer auf c6 ohne Deckung, sondern er öffnete auch ein riesiges Loch auf c5 (ein Loch in den eigenen Reihen zu schaffen ist keine sehr weise Idee).
  • Wenn dein König sicher steht, und der andere König noch in der Mitte ist, solltest Du das Zentrum öffnen und den unrochierten König anknabbern
  • Wenn dein König in der Mitte steht darfst Du KEINESFALLS die Stellung öffnen, denn das macht es deinem Gegner leichter, deinen König anzugreifen.

Französische Verteidigung — ist …f7-f6 gut?

Souvik schrieb

"Ich spiele gegen den weißen Eröffnungszug 1.e4 die französische Verteidiung und habe schon viele Bücher darüber gelesen. Darin stand, dass der Zug ...f6 zum richtigen Zeitpunkt sehr stark für Schwarz wäre. Ich habe aber aus den folgenden Gründen immer Angst, diesen Zug auszuführen:

1. Als erstes wird nach ...f6, der Bauer auf e6 schwach.

2. Ich glaube nicht, dass ...f6 für die Entwicklung meines weißfeldrigen Läufers hilfreich ist..

3. In den meisten Partien, die ich nach ...f6 verloren habe, hat mein Gegner exf6 gespielt und danach seinen Springer auf e5 platziert und ich weiß nicht, wie ich mich dagegen verteidigen soll.

Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mit den Zug ...f6 in der französischen Verteidigung erklären könntest”

Silman: Mr. Souvik, die französische Verteidigung ist eine sehr beliebte Eröffnung. Obwohl sie zu sehr scharfen Stellungen fürhrt und voller Taktiken steckt, ist sie leicht zu erlernen, und die meisten Amateure haben mit Weiß große Schwierigkeiten in dieser Eröffnung (einer meiner Schüler, der eine ELO von etwa 1500 hat, spielt seit Jahren die französische Verteidigung, und er steht in 90% aller Partien nach der Eröffnung besser!). Wenn Du aber denkst, dass Du in Taktiken nicht besonders gut bist, oder wenn Du dich in den typischen Stellungen, die aus dieser Eröffnung entstehen, nicht wohl fühlst, dann solltet Du eine andere Eröffnung spielen.

BEGINNEN WIR DAMIT, WAS SCHWARZ NICHT WILL:

Absolut Bescheiden 1

Schwarz will diese Stellung vermeiden, denn der e6 Bauer ist ein Angriffsziel und das Feld e5 ist in weißer Hand. Selbst wenn alle Springer abgetauscht werden, bleibt das Feld e5 unter der Kontrolle von Weiß.

Absolut Bescheiden 2

Wenn Du französisch spielst, darfst Du auf keinen Fall die Schlüsselfelder d4 und e5 aufgeben!

JETZT KOMMEN WIR ZU STELLUNGEN, DIE NACH DEM GESCHMACK VON SCHWARZ SIND: 

Sehen wir uns Stellungen an, in denen ...f7-f6 mit GEWALT gespielt wurde:

BRUTAL EINS

BRUTAL ZWEI

SCHWARZ OPFERT EINE QUALITÄT

Qualiopfer 1

Qualiopfer 2



Qualiopfer 3

Qualiopfer 4

Qualiopfer 5



ANDERE IDEEN FÜR SCHWARZ

ÜBER DEN WEIßFELDRIGEN LÄUFER VON SCHWARZ

Souvik fragte noch nach dem schwarzen, weißfeldrigen Läufer, und wie schlecht dieser doch wäre. Aber stimmt das? Der Läufer bewacht den e6-Bauern, und das ist ja mal garnicht schlecht. In manchen Varianten kann er nach ...Ld7-b5 ins Spiel eingreifen. In anderen Varianten taucht er nach ...Ld7-e8-h5/g6 am Königsflügel auf.

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