Sogar Weltmeister fallen auf diese Falle herein

Sogar Weltmeister fallen auf diese Falle herein

Gserper
GM Gserper
26.02.2018, 00:00 |
51 | Taktiken

Heute werden wir uns eine sehr einfache Falle ansehen, die jeder erfahrene Schachspieler auswendig kann. Mindestens zwei legendäre Weltmeister sind aber schon zum unglücklichsten Zeitpunkt in diese Falle gegangen: Bei WM-Kämpfen!

Zuerst will ich diesen Trick aber vorstellen. Seht euch diese Partie an:

Habt ihr bemerkt, wie der sehr starker Großmeister und große Experte der Drachen-Variante, Kiril Georgiev, 11...Dc7 spielte, nur um zwei Züge später 13...Da5 zu ziehen? Warum hat er in einer Eröffnung, in der jedes einzelne Tempo so extrem wichtig ist und den Unterschied zwischen Sieg und Verlust ausmachen kann, ein Tempo verschwendet?
Weil auch das passieren hätte können:

Darum zog Georgiev Da5 erst nachdem Tfc8 auf dem Brett war, denn jetzt ist diese miese Falle verhindert:

Meistens, wenn die Sd5! Falle funktioniert, gewinnt man den e7 Bauern. Manchmal kann es aber auch bedeutend mehr werden!

Wie der sehr starke sowjetische Großmeister Ragozin in diese Falle tappen konnte, ist mir jedoch unerklärlich.

setting a trap

Dass der brillante Taktiker Boris Spassky in seinem WM-Match gegen Bobby Fischer in die gleiche Falle tappen konnte, ist noch erstaunlicher:

Vielleicht ist es eine Art WM-Fluch, denn Garry Kasparov geriet in seinem Match gegen Karpov in genau die gleiche Falle. In seinem Buch nennt Kasparov dies den schlimmsten Fehler seiner Schachkarriere und fügt hinzu, dass "ein Großmeister, selbst in einer Blitzpartie, keine solchen Züge machen dürfte!"

Die letzte Partie des WM Kampfes gegen Magnus Carlsen musste der Titelverteidiger Vishy Anand unbedingt gewinnen.

carlsen vs anand world championship

Also versuchte er sein Glück mit dieser alten, zuverlässigen Falle. Sein Unglück umschreibt das berühmte Sprichwort von Tal: "Eine Falle ist eine Falle, aber Carlsen ist Carlsen!

Der neue Weltmeister hat den Fluch gebrochen!

Übrigens: Als Kasparov seinen schrecklichen Fehler machte, dachte Karpov 25 Minuten über den offensichtlichen Zug 28.Sd5! nach.

Warum? Hier ist Kasparows Erklärung: "Wahrscheinlich wollte er Anfangs seinen Augen nicht trauen und hat eine teuflische Falle vermutet!"

Karpov hatte immer ein einzigartiges Gespür für Gefahr und manchmal können ja sogar die sichersten Fallen fehlschlagen. Seht euch die nächste Partie an, in der der bulgarische Großmeister Milko Bobotsov versuchte, "den Magier" auszutricksen:

Ich hoffe, dass euch die heutige Studie helfen wird und ihr damit viele ahnungslose Gegner in die Falle locken könnt, selbst wenn es nicht im WM Finale sein wird!

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