Wenn Schachlegenden gegen ihre eigenen Eröffnungen spielen

Wenn Schachlegenden gegen ihre eigenen Eröffnungen spielen

Gserper
GM Gserper
02.07.2017, 00:01 |
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Viele Eröffnungen sind nach Spielern benannt, die diese erfunden oder bekannt gemacht haben.

Aber was passiert, wenn ein solcher Spieler mit seiner eigenen Eröffnung konfrontiert wird? Wie fühlt es sich an, gegen seine eigene Erfindung spielen zu müssen?

Diese Frage kann ich nur schwer beurteilen, denn nach mir ist keine Eröffnung benannt worden. Trotzdem denke ich bei solche Partien irgendwie an ein Ehepaar, dass sich einst "bis dass der Tod uns scheidet" geschworen hat und kurz vor der Scheidung alles tun, um sich gegenseitig zu schaden. 

Wenn Ihr auf klassische Literatur steht, findet Ihr vielleicht auch den Vergleich zu Taras Bulba´s Ausspruch treffend: "Ich habe Dir das Leben geschenkt. Ich werde Dir das Leben nehmen!"

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Wenn wir uns solche Partien ansehen, erwarten wir doch eigentlich interessante Neuerungen, denn wer kann denn eine Eröffnung besser widerlegen, als der Erfinder dieser Eröffnung selbst? Und wirklich: In der WM Partie zwischen dem Herausforderer GM Boris Spassky und Tigran Petrosian war es ein schwerer Fehler von Spasski, Petrosian "seine" weiße Eröffnung mit Schwarz spielen zu lassen.

GM Bronstein beschrieb die Idee folgendermaßen: "Boris lud Tigran ein, auf genau dem Spielplatz zu spielen, auf dem er aufgewachsen war!" Das Ergebnis war ein überzeugender Sieg des Weltmeisters:

Sehen wir uns also mehr Partien an, in denen Schachspieler gegen ihre eigenen Eröffnungen antreten mussten:

Najdorf gegen Najdorf:

Die Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung ist eine der beliebtesten Eröffnungen im Schach. Wie versuchte also Najdorf selbst gegen diese aggressive Verteidigung zu spielen?

Die 6.f4 Variante ist heute nicht mehr so beliebt wie sie es vor 30 Jahren war, aber sie ist immernoch genauso gefährlich wie gut.

Alekhine gegen Alekhine:

In der ersten Partie übernahm Weiß von ersten Zug an die Initiative und Schwarz kam überhaupt nie aus der Eröffnung:

In der nächsten Partie schlug Alekhine seinen gefürchteten Gegner mit einer Kombi die sogar ebenfalls nach ihm benannt ist. Findet Ihr sie?

Petrov gegen Petrov:

Die folgenden 2 Partien zeigen die frühesten Fälle von fehlerhafter Eröffnungsvorbereitung. In dieser Partie wurde Schwarz komplett überrollt:

Sieben Jahre später entschied sich Carl Jaenisch (der einer der stärksten Spieler seiner Zeit war und eine Variante in der spanischen Eröffnung nach ihm benannt hat) die schwarze Stellung im 20(!!!). Zug zu verbessern. Unglücklicherweise erwies sich seine Verbesserung als Rohrkrepierer...

Taimanov gegen Taimanov:

Das 6.g3 System, das GM Taimanov gegen seine eigene Eröffnung wählte, gilt als sehr solide für Weiß. Ich habe es schon selbst viele Male gespielt. Die Kombination, die diese Partie entschied, ist dann genauso sehenswert wie effektiv!

Nimzowitsch gegen Nimzowitsch:

Überraschenderweise hat Aron Nimzowitsch eine schreckliche Quote gegen seine eigene Eröffnung. Diese Partie können wir aber nicht zwingend dazuzählen, denn sie wurde durch einen von Marshalls berühmten Bluffs entschieden, der nichts mit der Eröffnung zu tun hatte:

Für diese Niederlage gibt es aber überhaupt keine Entschuldigung:

Die Idee der Blockade ist typische für diese Eröffnung und es folgt ein wunderschöner Angriff, den auch Nimzowitsch selbst nicht besser hätte ausführen können!

Diese Partie ist für mich die Schachversion des Films Kramer vs. Kramer.

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Die ganze Partie kämpft Aron Nimzowitsch einen tödlichen Kampf gegen seine eigene Eröffnung.

Am Ende gewinnt die Eröffnung und frägt seinen eigenen Erfinder: "Und wie war ich?" Der Großmeister antwortete: "Super!"

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