Kramnik gewinnt mit einem Wahnsinns-Turmopfer in Shamkir

Kramnik gewinnt mit einem Wahnsinns-Turmopfer in Shamkir

Vor 2 Tagen brachte Veselin Topalov ein wunderschönes Turmopfer in Shamkir, das laut der Meinung einiger Experten die Wahl zum "Zug des Jahres" gewinnen könnte. Heute toppte ihn sein langjähriger Kontrahent Vladimir Kramnik mit einem noch spektakuläreren Turmopfer. Kramnik opferte seinen Turm im Mittelspiel für 3 nicht besonders wichtige Bauern: Ein pures Positionsopfer! Sofern wir wissen, ist dieses Opfer absolut einmalig in der Schachgeschichte aber wenn irgendjemand ein ähnliches Opfer kennt, kann er uns gerne im Kommentarfeld eines besseren belehren.

Alle Fotos sind von der offiziellen Turnierseite.

Laut seiner eigenen Aussage war Kramnik mit seiner Stellung vor dem Opfer nicht besonders glücklich. Alles sah nach einem Sieg für Pentala Harikrishna aus, und der Zug 24...f5 schien schon der Gewinnzug zu sein, aber Kramniks Antwort 25.Txe5!! war einfach pure Genialität. Beide Spieler waren sich nach der Partie einig, dass Schwarz nach dem Opfer einfach besser stehen musste, aber keiner der Anwesenden hatte eine klare Antwort auf das "warum".

Dazu kam noch, dass Kramnik vor dem Opfer nur auf ein Remis gespielt hatte, und auf einmal waren alle 3 Ausgänge möglich. In Zeitnot fand Harikrishna einfach keinen Plan. Beide Spieler hatten Angst vor 30...Lg8, 32...Te8 und 34...Tbd8, aber alle diese Züge sahen nur schön aus, und waren mehr oder weniger harmlos.

Eigentlich waren die schwarzen Figuren dem weißen Bauernsturm überlegen aber nach 37.c6 waren die weißen Bauern dann zu weit vorgerückt, und Kramnik gewann die Partie nur 5 Züge später.

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Harikrishna war heute einfach Überfordert

Seht euch unbedingt IM Danny Rensch's Videoanalyse von dieser Partie an!

Michael Adams präsentiert sich in einer tollen Form in Shamkir, und hat schon gegen Karjakin mit den schwarzen Figuren gewonnen. Heute hätte er nur 35.Te6! ziehen müssen um Pavel Eljanov zu schlagen und mit Tabellenführer Shakhriyar Mamedyarov gleichzuziehen. Die Fesselung ist extrem schwierig zu entwirren. Stockfish zeigt nach einiger Bedenkzeit +5! in einer Rechentiefe von 40+ ply. Adams konnte bei der Pressekonferenz für das Auslassen dieser Chance keine Erklärung finden. Er schien von sich selbst am meisten überrascht zu sein, dass er diesen Zug nicht gemacht hat.

Adams fügte noch hinzu, dass er alleine schon aus dem Grund, dass er Eljanov kurz vor dem 40. Zug natürlich gerne zu schwierigen Berechnungen gezwungen hätte, diesen Zug ziehen hätte sollen.

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Adams war nahe dran, Eljanov zu besiegen.

Die 3 restlichen Partien endeten alle Remis. Radek Wojtaszek und Sergey Karjakin erreichten nach dem 25. Zug eine komplett ausgeglichene Stellung und die aserbaitschanischen Spieler scheinen eine Vorliebe für Remis zu haben, wenn sie wie heute Mamedyarov und Teimour Radjabov, gegeneinander antreten müssen,

Schließlich zogen noch Wesley So und Topalov 64 Züge, aber keiner der beiden Kontrahenten konnte sich je einen Vorteil erspielen. Topalov opferte dann am Ende einen Bauern, was die Computer verrückt spielen ließ, aber geübte Schachspieler erkannten, dass er sich damit nur ein sicheres Königsschloss gebaut hatte und damit ein Remis sicherte.

Tabelle nach der 4. Runde

Platz Land Spieler ELO Punkte 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
1 Mamedyarov, Shakhriyar 2772 3 1 1 ½ ½
2 Topalov, Veselin 2741 2.5 ½ ½ ½ 1
3 Adams, Michael 2761 2.5 ½ ½ ½ 1
4 Kramnik, Vladimir 2811 2.5 ½ ½ ½ 1
5 Eljanov, Pavel 2751 2.5 0 ½ 1 1
6 So, Wesley 2822 1.5 0 ½ ½ ½
7 Radjabov, Teimour 2710 1.5 ½ ½ 0 ½
8 Wojtaszek, Radoslaw 2745 1.5 0 ½ ½ ½
9 Karjakin, Sergey 2783 1.5 ½ 0 ½ ½
10 Harikrishna, Pentala 2755 1 0 0 ½ ½

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