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Sinquefield Cup, Runde 8: 5 Spieler können noch gewinnen

Sinquefield Cup, Runde 8: 5 Spieler können noch gewinnen

Am Donnerstag musste Wesley So seine vierte Niederlage beim Sinquefield Cup hinnehmen. Diesesmal musste er sich Sergey Karjakin beugen. Das bedeutet aber auch, dass jetzt 5 der 10 Teilnehmer noch Chancen auf den Turniersieg haben. Karjakin liegt nun gemeinsam Magnus Carlsen auf dem geteilten vierten Platz, einen halben Punkt hinter den Führungstrio Vishy Anand, Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave.

Wesley So muss sich zum vierten Mal geschlagen geben. | Foto: Maria Emelianova.

Die Situation vor der letzten Runde des Sinquefiled Cups ist extem angespannt. Es ist noch nie dagewesen, dass eine Runde vor Schluß noch die hälfte des Teilnehmerfeldes das Turnier gewinnen kann.

Sogar Karjakin kann es noch gewinnen. Dafür muss der Russe seine letzte Partie und danach die Playoffs am Samstag gewinnen. (Wie das genau funktioniert ist am Ende dieses Artikels beschreiben).

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Um beim Thema Sergey Karjakin zu bleiben: Sein heutiger Sieg gegen Wesley So war nicht nur der einzige Sieg der heutigen Runde, sondern gleichzeitig auch die längste Partie des Tages. Als So den Kampf gegen den Russen aufgab und ihm zum Sieg gratulierte, waren nur noch wenige Zuschauer vor Ort. Unter den dagebliebenen waren aber Wesleys Pflegeeltern, Lotis Key und Renato Kabigting. Und der Amerikaner braucht die Unterstützung der beiden wohl mehr als sonst.

Karjakin sagte, dass er eine Stellung erreichen wollte, in der es einfach möglich war Schach zu spielen, und plante von Anfang an eine lange Partie in der er auf Fehler seines Gegners hoffen konnte. Dieser Plan ist perfekt aufgegangen.

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Karjakin's zweiter Sieg ermöglicht ihm sogar Chancen auf den Turniersieg. | Foto: Maria Emelianova.

"Ich behaupte nicht, dass ich nach der Eröffnung besser stand, aber die Stellung war absolut spielbar," sagte Karjakin. "Ich glaube, er hat ein paar ungenaue Züge gemacht."

Besonders So's 39. Zug war ein klarer Fehler, und Karjakin lieferte danach mit den starken Manöver 45.Sc5! Sa6 46.Tc8!

Robert Hess's Game of the Day analysis

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Seine Sonnenbrille half Wesley So heute auch nicht. | Foto: Maria Emelianova.

Die anderen 4 Partien, inclusive des direkten Vergleichs zwischen 2 der 3 erstplatzierten, Viswanathan Anand und Maxime Vachier-Lagrave endeten alle Remis. Es war nicht die erwartete Najdorf Eröffnung, die die meisten erwartet hatten, denn Anand eröffnete mit 1.Sf3 und nachdem er nach 1...c5 nochmals die Chance auf einen Sizilianer bekam, schloß er die sizilianische Tür mit 2.c4 endgültig.

Nach 2...Sf6 3.d4 cxd4 und 4.Sxd4 überraschte MVL seinen Gegner mit dem Zug4...d5!? — ein Zug der bis vor kurzem (oder immer noch) als zweifelhaft angesehen wurde!

Das einfache 5.cxd5 Sxd5 6.e4 gewinnt ein Tempo, aber das ist weniger drastisch, als frühere Theoretiker dachten. Peter Svidler versuchte diese Variante vor kurzem gegen Anish Giri: Eine Partie die Anand kannte. MVL: "Ich dachte, was kann an 4...d5 schon so schlecht sein? Ich meine, ich stehe danach vielleicht etwas schlechter aber ich sollte keine Schwierigkeiten haben, Ausgleich zu erlangen."

Später dachte Vachier-Lagrave, dass Weiß nicht so früh die Damen hätte tauschen sollen, aber auch nach dem Tausch hatte Anand noch einen kleinen Vorteil.

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Anand hätte aus dieser Partie vielleicht mehr herausholen können, aber es war gewiss nicht einfach. | Foto: Maria Emelianova.

Der dritte Führende, Levon Aronian, remisierte sogar noch schneller. Das war eigentlich schade, nicht nur wegen dem Kampf um den Turniersieg, sondern auch, weil seine Partie gegen Peter Svidler gerade richtig spannend wurde, als sich die Spieler für eine Zugwiederholung entschieden.

Die frühen Komplikationen veranlassten Svidler zu einem Live Interview: "Ich habe gerade alle meine bisherigen Partien in diesem Turnier vor meinem geistigen Auge Revue passieren lassen und ich glaube dies ist die erste Stellung nach dem 14. Zug, die ich wirklich gerne spiele."

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Aronian und Svidler geben sich vor der Partie die Hand. | Foto: Maria Emelianova.

Aronian hatte auch Spass, zumindest solange die Partie dauerte. "Natürlich hätte ich in dieser Turniersituation eine solidere Eröffnung spielen sollen, aber ich wollte in dieser Partie von Anfang an Gewinnchancen haben," sagte er. "Ich mochte meine Stellung nicht wirklich. Sie erschien mir zu wackelig. Ich wusste, dass ich in Schwierigkeiten kommen würde, wenn ich nicht extrem genau spiele, und dann sah ich keinen guten Zug für mich."

Auch wenn die Partie nur 19. Züge dauerte, hatte es den Anschein, als hätten beide Spieler ihr Ziel erreicht. Aronian hatte nach dem 12. Zug eine vielversprechende Stellung erreicht, und kurz darauf hätte Svidler auf g2 nehmen, und dadurch einen klaren Vorteil erlangen können. Dieser Zug beinhaltete eine wunderschöne Idee, die jedoch beide Spieler nicht gesehen hatten.

Svidler: "Wenn man diese Idee nicht sieht, ist die Zugwiederholung absolut logisch."

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Aronian überlegt ob er einen Zug ausführen soll, oder nicht. | Foto: Maria Emelianova.

Magnus Carlsen hätte in seiner langen Partie mit vielen Manövern nur zu gerne, wie Karjakin, auf Sieg gespielt, aber es hat nicht sollen sein. Eigentlich war er gegen Ian Nepomniachtchi sogar in kleinen Schwierigkeiten.

Der russische Großmeister bekam eine vorbereitete Stellung auf das Brett und erreichte danach ein etwas vorteilhaftes Endspiel. Dieser Vorteil bestand darin, dass Carlsens Türme zwischenzeitlich total deplaziert waren.

"Wenn mein Turm auf einem halbwegs normalem Feld gestanden hätte, wäre dieses Endspiel ein Traum gewesen. Dann stehe ich klar besser," sagte Carlsen. "Aber so habe ich nie einen vernünftigen Plan gefunden."

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Carlsen fand heute keinen guten Plan. | Foto: Maria Emelianova.

Der Weltmeister spielte anfangs durchaus auf Gewinn: "Ich wollte nicht auf Remis spielen. Dann hatte ich meine gesamte Bedenkzeit aufgebraucht und festgestellt, dass ich schlechter stehe."

Carlsen panikte etwas, aber konnte alles unter Kontrolle halten. "Ich hatte Glück, dass ich so einfach ausgleichen konnte. Ich glaube, das hätte heute auch richtig schlecht ausgehen können."

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Nepomniachtchi spielte gegen den Weltmeister eine starke Partie. | Foto: Maria Emelianova.

Hikaru Nakamura hatte gegen Fabiano Caruana auch etwas Glück. Die Probleme entstanden allerdings nicht nach seiner kreativen, königsindischen Eröffnung (er zog ...d6 und dann ...c6 und ...d5) sondern in einer schlechten Phase kurz vor der Zeitkontrolle.

Nakamura hatte sich verrechnet und hätte sich daraufhin in einem Damenendspiel mit Minusbauern wiederfinden können. Caruana dachte dann, er würde die Partie mit dem Angriff 42.Th8 gewinnen, aber übersah völlig eine einfach Kombination, die zu einem Dauerschach führt.

Is war einer dieser Momente, in denen ein Spieler einen Fehler genau in dem Moment erkennt, indem er seine Figur loslässt. "Ich hab sofort gesehen, dass jetzt 43...Th1+ möglich ist," sagte Caruana.

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Bei der Partie zwischen den beiden Amerikanern gab es viele Wendungen. | Foto: Maria Emelianova.

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Sinquefield Cup 2017 | Tabelle nach der 8. Runde

# Land Name ELO Lstg. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Anand,V 2783 2874 ½ ½ ½ ½ 1 ½ ½ 1 5.0/8 19.75
2 Vachier-Lagrave,M 2791 2880 ½ ½ ½ 1 ½ ½ ½ 1 5.0/8 19.50
3 Aronian,L 2799 2870 ½ ½ ½ 0 ½ 1 1 1 5.0/8 17.50
4 Karjakin,S 2773 2832 ½ ½ ½ 0 ½ 1 ½ 1 4.5/8 17.00
5 Carlsen,M 2822 2825 ½ 0 1 ½ ½ ½ ½ 1 4.5/8 16.25
6 Caruana,F 2807 2791 0 ½ 1 ½ ½ ½ ½ ½ 4.0/8
7 Svidler,P 2749 2747 ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ 3.5/8
8 Nakamura,H 2792 2701 ½ ½ 0 ½ ½ ½ 0 ½ 3.0/8 12.25
9 Nepomniachtchi,I 2751 2704 0 0 ½ ½ ½ ½ 1 0 3.0/8 11.25
10 So,W 2810 2649 0 0 0 0 ½ ½ ½ 1 2.5/8
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Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich zwei oder sogar mehrere Spieler nach der letzten Runde den ersten Platz teilen. Die Regeln (hier als PDF) sagen das folgende über Playoffs aus:

Liegen mehrere Spieler auf einem geteilten ersten Platz, soll ein Playoff zwischen den beiden bestplatzierten Spielern über den Turniersieg entscheiden. Diese werden folgendermaßen ermittelt:

4.1. Die größere Anzahl der Siege.
4.2. Der direkte Vergleich untereinander.
4.3. Sollten nach der Auswertung der Punkte 4.1 und 4.2 immer noch mehrere Spieler gleichauf liegen, wird kein Playoff stattfinden, und der erste Platz wird stattdessen zwischen allen Spielern, die auf dem geteilten ersten Platz liegen, aufgeteilt.
4.4. Sollten zwei oder mehr Spieler nach der Auswertung der Punkte 4.1 und 4.2 auf einem geteilten zweiten Platz liegen, wird kein Playoff stattfinden. Der Spieler, der nach der Auswertung der Punkte 4.1 auf dem ersten Platz liegt, wird zum Turniersieger erklärt, und die nachstehende Regel 5 findet Anwendung.

Hier sind einige Szenarios:

  1. Enden alle Partien der letzten Runde Remis, oder gewinnen die ersten 3 allesamt ihre Partien, gibt es kein Playoff. Der Grund dafür ist, dass Anand, Aronian und MVL auf dem geteilten ersten Platz liegen würden, Aronian einen Sieg mehr hat, und die anderen beiden auch nach der Regel 4.2 gleichauf liegen. (Dieses Szenario wurde Chess.com von einem der Schiedsrichter bestätigt)
  2. Sollte Karjakin gewinnen und alle anderen Partien mit einem Remis enden, liegen 4 Spieler gleichauf, aber Aronian und Karjakin haben 3 Siege, und deshalb spielen diese beiden ein Playoff.
  3. Sollte Karjakin gewinnen und Carlsen gegen Aronian ebenfalls und die anderen Partien Remis enden, spielen Carlsen und Karjakin das Playoff, weil die beiden die meisten Siege errungen haben.

Offensichtlich gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, aber diese Szenarien geben Euch eine Idee, wie die Playoff Regeln funktionieren.

Die Entscheidung der Grand Chess Tour, dass bei Punktegleichstand nur maximal 2 Spieler an einem Playoff teilnehmen dürfen, ist natürlich alles andere als Ideal, aber sie wurde wohl eingeführt um zu verhindern, dass sich die Playoffs zu lange ziehen würden.

Ein Zitat von Vachier-Lagrave eignet sich wohl bestens, um den heutigen Artikel abzuschließen: "Die Tiebreak-Regeln sollten wirklich überarbeitet werden, denn momentan ergeben sie nicht viel Sinn."

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Zum Weitersurfen:

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