GM Viswanathan Anand

Vollständiger Name
Viswanathan Anand
Geboren
Dec 11, 1969 (Alter 50)‎
Geburtsort
Mayiladuthurai, Tamil Nadu, Indien
Föderation
Indien
Profile

Rating

Bio

Viswanathan Anand ist der 15. Schachweltmeister und sicherlich der größte indische Schachspieler aller Zeiten. Er wurde am 11. Dezember 1969 in Mayiladuthurai in Tamil Nadu, dem südöstlichsten Bundesstaat Indiens, geboren. Anand, der am Anfang seiner Karriere für sein schnelles Spiel bekannt war, spielte bereits 1995 um die Weltmeisterschaft. Von 2000 bis 2002 war er FIDE-Weltmeister und 2007, nach der Wiedervereinigung der Schachverbände, gewann er den Titel des Schachweltmeisters und konnte ihn sechs Jahre lang halten. Auch nach dem Verlust des Titels im Jahre 2013 blieb "Vishy" aktiv und spielt bis heute auf höchstem Niveau. Und das in einem Alter, in dem viele andere Topspieler ihre Karrieren bereits beendet haben.

Die Anfänge seiner Karriere bis in die 1980er Jahre

Anand lernte im Alter von sechs Jahren von seiner Mutter Schach. Mit 15 Jahren, nachdem er die asiatische U20-Meisterschaft gewonnen hatte, war er bereits Internationaler Meister. Danach gewann er von 1986 bis 1988 dreimal in Serie die indische Meisterschaft und 1987 die Juniorenweltmeisterschaft. Auch Boris Spassky (1955), Anatoly Karpov (1969) und Garry Kasparov (1980) hatten zu den Anfängen ihrer Karrieren die Juniorenweltmeisterschaft gewonnen und vielleicht war der Gewinn dieses Titels schon ein Indiz auf Anands bevorstehende Karriere.

1988 erhielt Anand seinen GM-Titel. 1989 nahm er erstmals am Hoogovens-Turnier in Wijk aan Zee (Niederlande) teil (mit Predag Nikolic, Zoltan Ribli und Gyula Sax). Es war seine erste von insgesamt fünf Top 5 Platzierungen in diesem Turnier.

1990er Jahre

1990 war Anand bereits stark genug, um am Interzonenturnier teilzunehmen. Mit 8½ von 13 möglichen Punkten belegte Anand einen Platz in den Top 11 und sicherte sich damit, zusammen mit den vier Halbfinalisten des letzten Kandidatenturniers, einen Platz im Kandidatenturnier 1991. In der ersten Runde konnte Anand Alexei Dreev mit 4½-1½ besiegen, aber in der zweiten Runde wartete kein geringerer, als der ehemalige Weltmeister Karpov auf ihn.

Viswanathan Anand
Anand 1992. Foto: Gerhard Hund, CC BY 3.0.

Anand schaffte es, Karpov einen soliden Kampf zu liefern und nachdem er die sechste Partie mit den schwarzen Figuren gewonnen hatte (siehe unten) stand es 3:3 Unentschieden. Die siebte Partie endete dann Remis, aber in der achten Partie konnte Karpov den jungen Inder eliminieren.

Dies war der Weltmeisterschaftszyklus, der letztendlich zur Aufteilung des Titels zwischen Garry Kasparov und Karpov führen würde. Anand spielte von 1993 bis 1995 in beiden Meisterschaftszyklen. Im FIDE-Zyklus verlor er in der zweiten Runde des Kandidatenturniers gegen den späteren Herausforderer Gata Kamsky. In Zyklus des PCA Verbands erspielte sich Anand jedoch durch Siege über Oleg Romanishin, Michael Adams und Gata Kamsky das Recht, gegen Kasparov um die Weltmeisterschaft zu spielen.

Wie schon 1991 gegen Karpov lieferte Anand Kasparov einen großen Kampf. Er konnte die ersten 8 Partien remisieren und gewann die neunte (siehe unten). In der 10. Partie wurde er aber dann ein Opfer von Kasparovs legendärer Eröffnungsvorbereitung und das Duell war wieder ausgeglichen. Danach spielte sich Kasparov in einen Rausch und konnte die 11., 13. und 14. Partie gewinnen. Anand gelang kein einziger Sieg mehr und somit endete die Weltmeisterschaft mit 10½:7½ für Kasparov.

1998 sagte die FIDE sowohl das Interzonenturnier als auch das Kandidatenturnier ab und richtete stattdessen ein großes KO-Turnier aus, um den Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Karpov zu ermitteln. In der ersten Runde hatte Anand ein Freilos und danach qualifizierte er sich mit Siegen über Predrag Nikolic, Alexander Khalifman, Zoltán Almasi, Alexei Shirov, Boris Gelfand und Michael Adams für das Duell um die FIDE-Weltmeisterschaft.

Karpov konnte die erste Partie gleich gewinnen, aber schon in der zweiten Partie konnte Anand Ausgleichen. Nachdem Karvop auch die vierte Partie gewonnen hatte, musste Anand die sechste Partie unbedingt gewinnen, um einen Schnellschach-Tiebreak zu erzwingen, Anand versuchte sein Glück mit dem selten gespielten Trompowsky Angriff (1. d4 Sf6 2. Lg5) und gewann die Partie in 42 Zügen. Danach verlor er aber beide Schnellschachpartien und Karpov blieb FIDE-Weltmeister.

Anand unternahm keinen Versuch die Weltmeisterschaft 1990 zu gewinnen, spielte aber regelmäßig bei Superturnieren. Das beste Jahr dieses Jahrzehnts sollte das Jahr 1998 werden, als er die Turniere in Linares und in Wijk aan Zee gewinnen konnte.

Obwohl er bis zum Ende der 90er Jahre noch keinen Weltmeistertitel erlangt hatte, war es offensichtlich, dass Anand eine sehr gute Chance hatte, Weltmeister zu werden.

2000er Jahre

In der Tat begann Anand das nächste Jahrzehnt mit dem Gewinn der FIDE-Weltmeisterschaft im Jahr 2000. Da Kasparov, Karpov und der neue PCA Weltmeister Vladimir Kramnik zu diesem Wettbewerb nicht angetreten waren, war Anand der topgesetzte Spieler in diesem KO-Turnier gewesen. In der ersten Runde hatte er ein Freilos und danach besiegte er  Viktor Bologan, Smbat Lputian und Bartłomiej Macieja mit jeweils 1½:½, um das Viertelfinale erreichen. Dort schlug er Khalifman mit 3½:2½. Nachdem er Adams im Halbfinale mit 2½:1½ besiegt hatte, stand er im Finale gegen Shirov. Die erste Partie endete noch Remis, aber danach konnte die nächsten 3 Partien alle gewinnen und sicherte sich damit den Titel.

2002 spielte er erneut um den Titel, aber scheiterte im Halbfinale an Vassily Ivanchuk. 2004 traten nur 3 Spieler der Top 10 der Welt zur FIDE-Weltmeisterschaft an. Auch Anand war unter den abwesenden Spielern und der Russe Rustan Kasimdzhanov gewann das Turnier.

Im Jahr 2005 entschied sich die FIDE dazu, den KO-Modus abzuschaffen und stattdessen ein Round Robin Turnier mit Hin- und Rückrunde für 8 Spieler auszuloben. Anand gewann 5 seiner 14 Partien und spielte dabei gegen Veselin Topalov zweimal Remis. Topalov verlor aber keine einzige Partie und konnte jeden Spieler außer Anand einmal besiegen, während sich Anand gegen Alexander Morozevich und Kasimdzhanov geschlagen geben musste. Das reichte Anand für den geteilten zweiten Platz mit Peter Svidler, während Topalov das Turnier mit einem komfortablen Vorsprung von 1½ Punkten gewann.

Das Jahr 2006 war für den Schachsport monumental, denn nach 13 Jahren vereinigten sich die Schachverbände und der amtierende PCA Weltmeister Kramnik gewann die jetzt einzige Weltmeisterschaft gegen den FIDE Weltmeister Topalov. Anand musste bei diesem WM-Kampf tatenlos zusehen, aber seine Zeit sollte bald kommen.

Viswanathan Anand
Anand 2007. Wikipedia.

Im April 2007 wurde Anand mit einer Elo von 2786 zum ersten Mal die Nummer 1 der offiziellen FIDE Rangliste (die es seit dem Jahr 2000 gibt). Er lag damit 14 Punkte vor seinen Rivalen Topalov und Kramnik. Im selben Jahr gewann Anand die Weltmeisterschaft in einem Round Robin Turnier mit Hin- und Rückrunde mit einem ganzen Punt Vorsprung.

In der ersten Hälfte des Turniers gewann Anand seine Partien gegen Levon Aronian, Peter Svidler und Alexander Grischuk und blieb in den weiteren Partien ungeschlagen. Nach einigen weiteren Remis konnte er gegen Morozevich gewinnen und lag damit 3 Runden vor Schluss mit 1½ Punkten in Führung. Nach 3 weiteren Remis hatte er sich den Weltmeistertitel vor Kramnik und Gelfand gesichert.

Ein Jahr später musste er seinen Titel gegen Kramnik, der bis dahin noch nie eine Partie in einer Weltmeisterschaft verloren hatte, verteidigen. Nach 2 Remis zum Auftakt konnte Anand 3 der nächsten 4 Partien und damit die Weltmeisterschaft mit einem Ergebnis von 6½:4½ gewinnen. Damit hatte Anand die Schachweltmeisterschaft innerhalb eines Jahrzehnts, sowohl im Turnierformat als auch im Duell- und im KO-Format gewonnen.

2010er Jahre

Ab jetzt wurde die Weltmeisterschaft regelmäßiger und in einem gleichbleibenden Format gespielt und Anand konnte seinen Titel 2010 und 2012 erfolgreich verteidigen. 2010 besiegte er Topalov mit 6½:5½ und 2012 den Überraschungsfinalisten Gelfand, nachdem das Duell der Partien mit klassischer Bedenkzeit 6:6 Unentschieden geendet war, im Schnellschachtiebreak.

Zu Beginn dieses Jahrzehnts ging jedoch ein neuer Stern namens Magnus Carlsen am Schachhimmel auf. Er hatte zwar am Zyklus der Weltmeisterschaft 2012 noch nicht teilgenommen, war aber bereits zur Nummer 1 der Welt aufgestiegen. 2013 nahm er dann aber am Kandidatenturnier teil und konnte es im Tiebreak gegen Kramnik gewinnen.

Anand konnte die ersten 4 Partien gegen Carlsen remisieren aber verlor danach 2 Partien in Folge und diesmal schaffte er kein sensationelles Comeback. Nach zwei weiteren Remis gewann Carlsen auch die neunte Partie und hatte Anand damit entthront.

Einen Monat später feierte Anand seinen 44. Geburtstag, aber seine Schachkarriere war noch lange nicht vorbei. Nur 4 Monate nach der Weltmeisterschaft stand schon das nächste Kandidatenturnier auf dem Programm. Jeder der teilnehmenden Spieler konnte entweder 2 oder 3 Partien gewinnen, aber Anand war der einzige, der das gesamte Turnier ohne Niederlage blieb und somit das Feld um einen ganzen Punkt distanzierte.

Obwohl die Weltmeisterschaft 2014 eine engere Angelegenheit als die von 2013 war, präsentierte sich Carlsen wieder als zu stark für den ehemaligen Champion. Der Norweger gewann Partie 2, aber diesmal konnte Anand gleich in der nächsten Partie zurückschlagen und das Duell wieder ausgleichen. Dies sollte aber bis heute der letzte Sieg von Anand gegen Carlsen in einer Weltmeisterschaft bleiben. Carlsen gewann die Partien 6 und 11 und hatte damit seinen Titel zum ersten Mal verteidigt.

2016 war Anand, aufgrund seiner Leistung von 2014 erneut für das Kandidatenturnier qualifiziert. Diesmal reichte es für den Inder aber nur zu einem geteilten zweiten Platz und für das Kandidatenturnier 2018 konnte er sich nicht qualifizieren.

Trotzdem spielte Anand in diesem Jahrzehnt sein wohl bestes Schach, wie dieser Sieg über Levon Aronian aus dem Jahr 2013 eindrucksvoll zeigt. Wie oft schafft man es schon mit Schwarz, Bauern auf den Feldern c5 und e5 zu platzieren, wenn Weiß einen Bauern auf d4 hat? In dieser Partie, die 2013 beim Turnier in Wijk aan Zee gespielt wurde, ist es Anand gelungen und er konnte sie noch dazu mit einem spektakulären Zug beenden.

Vermächtnis

Der bemerkenswerteste Aspekt in Anands Karriere ist seine Langlebigkeit, denn auch in seinen Fünfzigern ist er ein ernstzunehmender Spieler und scheint nicht gewillt, seinen Platz in den Top 10 der Welt aufgeben zu wollen. Im Oktober 2019 belegte er immer noch den 9. Platz der Weltrangliste. In den 23 Jahren von 1993 bis 2006 war er Kandidat für die Weltmeisterschaft und nur wenige Spieler können auf eine so lange und gleichermaßen erfolgreiche Karriere zurückblicken.

Anands Erfolg hat auch dazu beigetragen, die Popularität des Schachs an seinem Geburtsort, Indien, wiederzubeleben. Er war der erste Großmeister in der Geschichte der Nation, aber sicherlich nicht der letzte. Ihm folgten Talente wie Krishnan Sasikiran, Pendyala Harikrishna und Humpy Koneru.

In Bezug auf sein Spiel machte sich Anand früh einen Namen als einer der schnellsten Spieler. Dies zeigte sich auch dadurch, dass er 2003 und 2017 zweimal die Weltmeisterschaft im Schnellschach gewinnen konnte.

Jeder kann schnell spielen, aber es benötigt ein besonderes Talent, um jahrzehntelang schnell und präzise und auf höchstem Niveau zu spielen. Anand ist ohne Zweifel einer der größten Spieler der Schachgeschichte.

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