Endspiel

Endspiel

Normalerweise besteht eine Schachpartie aus drei Phasen: Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel. Der durchschnittliche Schachspieler verbringt normalerweise viel Zeit mit seinen Eröffnungen und Mittelspielen, aber widmet der ebenso wichtigen Endspielphase viel zu wenig Aufmerksamkeit!

Deshalb lernst Du in diesem Artikel nicht nur, was ein Endspiel ist, sondern auch, warum es so wichtig ist.


Was ist ein Endspiel?

Das Endspiel ist die letzte Phase einer Schachpartie, bei der die meisten Figuren bereits abgetauscht sind. Nicht jede Schachpartie erreicht ein Endspiel, da viele Partien bereits im Mittelspiel (oder sogar schon mit einem frühen Schachmatt in der Eröffnung) entschieden werden. Die meisten Partien werden aber erst im Endspiel entschieden.

Endspiele haben im allgemeinen andere strategische Ziele als die beiden anderen Phasen. Ein Hauptziel in der Eröffnung ist es, die Figuren zu entwickeln, während man im Mittelspiel in der Regel versucht, den feindlichen König anzugreifen oder den eigenen König zu beschützen. Im Endspiel ist es jedoch das Ziel, einen eigenen Bauern auf die gegnerische Grundlinie zu bringen, um ihn in eine Dame umwandeln zu können.

Werfen wir zunächst einen Blick auf ein ganz einfaches Beispiel, bei dem nur noch 2 Bauern und 2 Könige auf dem Brett verblieben sind:

Chess endgame
Bauernendspiele kommen sehr häufig vor.

Wie Du sehen kannst, deckt der weiße König den Bauern auf der b-Linie und der schwarze König muss sich entscheiden, welchen der weißen Bauern er aufhalten will. Es ist aber völlig egal, für welchen der beiden Bauern sich der schwarze König entscheidet. Er kann nur einen davon aufhalten und der andere wird die Grundlinie erreichen.

Im Endspiel wird der König zu einer sehr starken Angriffsfigur. Je weniger Figuren auf dem Brett sind, desto niedriger wird die Chance, dass der König Schachmatt gesetzt wird und somit kann und muss sich der König am Ende einer Partie ins offene Feld wagen und seine Bauern unterstützen. Aber auch der Wert eines jeden Bauern steigt im Endspiel ins unermessliche, denn beide Spieler haben nur noch das Ziel, zu jedem Preis einen der eigenen Bauern auf die gegnerische Grundlinie zu bringen. Wie schon der frühere Weltmeister Jose Raul Capablanca sagte: "Je weniger Figuren auf dem Brett sind - desto stärker wird ein Freibauer."

Je weniger Figuren auf dem Brett sind - desto stärker wird ein Freibauer.
— Jose Raul Capablanca

Eine weitere wichtige Regel in Endspielen ist, dass der Spieler mit einem materiellen Vorteil im allgemeinen Figuren abtauschen möchte, da das materielle Übergewicht mit jedem Abtausch prozentual zunimmt. Der andere Spieler sollte hingegen versuchen, möglichst viele Figuren auf dem Brett zu behalten.

Warum sind Endspiele so wichtig?

Das Erlernen von Endspielen ist wichtig, da es Deine Gewinnchancen drastisch verbessert. Im Gegensatz zur Eröffnungstheorie, die sich häufig ändert, gibt es bei der Endspieltheorie keine großen Änderungen. Viele Endspielprinzipien und -techniken, wie das berühmte Turmendspiel von Philidor haben den Test der Zeit bestanden und werden dies auch weiterhin tun. Indem Du Dir ein solides Endspiel-Wissen aufbaust, bereitest Du Dich auf einen langfristigen Erfolg vor!

Gute Endspiel-Spieler können die kleinsten Vorteile in einen Sieg umwandeln und schlechte Stellungen, die andere Spieler verlieren, noch retten. Dieses Wissen zu erlangen ist nicht einfach, aber sobald man es einmal gelernt hat, summieren sich die Belohnungen in der Form von zusätzlichen halben Punkten, wenn man eine theoretische Remisstellung noch gewinnt oder in einer Stellung, die man eigentlich verlieren sollte, ein Remis rettet.. Wie GM Edmar Mednis schon sagte: "Die Anzahl der Punkte, die durch eine gute Endspieltechnik gewonnen werden können, ist enorm und wird von Jugendlichen und Amateuren oft unterschätzt."

Die Anzahl der Punkte, die durch eine gute Endspieltechnik gewonnen werden können, ist enorm und wird von Jugendlichen und Amateuren oft unterschätzt.
— GM Edmar Mednis

Sehen wir uns an, wie ein fortgeschrittener Endspiel-Spieler ein verlorenes Endspiel retten kann. In dieser Stellung hat Schwarz zwei Bauern und man könnte denken, er würde klar gewinnen. Es gibt aber immer noch Chancen und wenn Weiß ein fortgeschrittenes und schwer zu findendes Konzept kennt, kann er ein Remis erreichen.

Chess Endgames
Schwarz hat zwei Bauern mehr und sollte gewinnen.

Leider hat Schwarz hier den Zug h5-h4 gespielt und jetzt hat Weiß die Chance auf ein Remis! 

chess endgame
Weiß am Zug hält Remis!

Eigentlich hat Weiß jetzt sogar mehrere Züge zur Auswahl um ein Remis zu erzielen, aber der schönste Zug ist Lxg4. Nach diesem Abtausch kann Schwarz den h-Bauern nicht mehr umwandeln, weil der weiße König das Umwandlunsfeld h1 kontrolliert.

chess endgames
Mit dem Zug Lxg4 erreicht Weiß ein Remis.

Dies ist natürlich ein fortgeschrittenes Beispiel, aber es zeigt, dass Endspielwissen eine verlorene Partie retten kann. Wenn Schwarz diese Idee gekannt hätte, hätte er wohl nicht h4 gespielt und würde sich jetzt nicht fragen: "Wie wird man ein starker Endspiel-Spieler?"

Wie lernt man Endspiele?

Es gibt viele, viele verschiedene Arten von Endspielen. Dies können ganz einfache wie Dame und König gegen König, oder auch komplizierte Bauern- oder Turmendspiele sein. Einige Endspiele für Fortgeschrittene kannst Du bei den Lektionen  trainieren. Eigentlich sind ja alle Lektionen von Chess.com sehr gut, aber die Endspiel-Lektionen sind besonders hilfreich.

Neben den Lektionen sind  Endspiel-Taktikaufgaben eine weitere fantastische Möglichkeit, um Endspiele zu trainieren. Auf Chess.com musst Du dafür nur zu den Taktikaufgaben gehen, den Trainingsmodus auswählen und bei den Themen "Endspieltaktik" anklicken.

Taktikaufgaben sind eine sehr gute Möglichkeit, um Endspiele zu trainieren.

Test 

Nachdem Du nun weißt, was Endspiele sind, warum sie wichtig sind und wie Du Deine Endspieltechnik verbessern kannst, ist es Zeit für einen kleinen Test.

In dieser Stellung kann Weiß mit dem richtigen Zug den schwarzen König Schachmatt setzen. Siehst Du den Zug?

Chess endgame
Weiß am Zug gewinnt.

Richtig! Nach 1.Th3# ist Schwarz Schachmatt.

Versuchen wir gleich eine etwas schwierigere Aufgabe. Hier ist das Material ausgeglichen und Schwarz ist am Zug. Wie kann es Schwarz schaffen, einen unaufhaltbaren Freibauern bilden?

Chess endgame
Schwarz am Zug gewinnt.

Wenn Du dieses Konzept noch nie zuvor gesehen hast, war diese Aufgabe bestimmt ziemlich schwierig. Die richtige Antwort ist: Zug 1...b3 gewinnt. Nach diesem Zug kann Weiß nicht verhindern, dass einer Deiner Bauern zur Grundlinie durchläuft. Hier sind die verschiedenen Varianten:

Diesen Zug auf dem Brett zu finden, ohne das Konzept zu kennen, ist wirklich schwierig. Wenn man es aber einmal gesehen hat, findet man den Zug im Schlaf. Diesen Trick kannst Du bestimmt einmal in einer Deiner Partien anwenden, aber es gibt aber hunderte solcher Tricks und Konzepte und je mehr dieser Endspielthemen zu beherrscht, desto mehr Endspiele wirst Du auch gewinnen!

Fazit

Du weißt jetzt was Endspiele sind, warum sie wichtig sind und wie Du zu einem echten Endspiel-Experten werden kannst. Versuche doch gleich Dein Wissen über Endspiele mit unseren Endspiel-Lektionen oder den Taktikaufgaben mit dem Thema Endspiel zu vergrößern, damit Du in Deinen Partien viele Endspiele gewinnst!

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