Magnus Carlsen kennt dieses Endspiel. Du auch?

Magnus Carlsen kennt dieses Endspiel. Du auch?‎

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52 | Endspiele

Praktisch alle starken Spieler aus der ehemaligen Sowjetunion machten ihre ersten Schachzüge in ihrem örtlichen Pionierpalast. Dort wurden alle Kinder aufgenommen. Sogar diejenigen, die die Spielregeln nicht kannten. Um die Spieler einer Gruppe zuzuordnen, die ihrem Level am besten entsprach, mussten alle Neuankömmlinge einen sehr kurzen Test absolvieren.

Der berühmte sowjetische Trainer Vladimir Zak beschrieb einen dieser Tests in seinem Buch "The Ways of Chess Improvement" (Die Wege der Schachverbesserung), das ich bereits vor einiger Zeit erwähnt habe. Er erinnerte sich, dass er 1958  einem Jungen eine Partie angeboten hatte und nach den Zügen 1.e4 a5 2.d4 h5 hörte Zak auf zu spielen und schlug den Eltern des Jungen eine Anfängergruppe vor. Die Eltern waren erbost und schrieben eine Beschwerde an den Direktor eines Pionierpalastes. Ich denke, gewisse norwegische Eltern würden sich ebenfalls beschweren, wenn ihr Sohn nach den Zügen 1.f3 e5 2.Kf2 in eine Anfängergruppe gesteckt werden würde...

Paul Keres, Pioneer Palace
Paul Keres gibt in einem Pionierplast eine Simulatanveranstaltung. Foto: muis.ee, shared by @dgriffinchess.

Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Test in meinem Pionierpalast. Der Trainer hatte diese Stellung aufgebaut:

Ich sollte eine Farbe wählen und einen Zug spielen. Ich entschied mich für Weiß und zog ohne zu zögern den Bauern von e2 nach e4. Danach zeigte mir der Trainer wie man dieses Endspiel richtig spielt und ich wurde zu einer Anfängergruppe geschickt. War es zu hart, das Schachniveau eines Kindes anhand nur einer Stellung zu beurteilen? Das glaube ich nicht. Ich erinnere mich an einen Witz eines ausländischen Großmeisters, der zum ersten Mal die Sowjetunion besuchte. Er sagte, dass in seinem Land der Ausdruck "Ich spiele ein wenig Schach" bedeutete, dass eine Person einen Springer kaum von einem Läufer unterscheiden konnte. In der Sowjetunion implizierte der gleiche Satz die Kenntnis der ersten 10 Züge des Najdorf Sizilianers. Meiner Meinung nach war es also vernünftig davon auszugehen, dass nur ein Anfänger ein so grundlegendes Endspiel nicht kennen würde.

Falls Ihr Euch jetzt übrigens nicht sicher seit, warum e2-e4 ein Fehler ist und wenn Ihr nicht gesehen habt, dass Ke3 der einzige Gewinnzug ist, dann empfehle ich Euch diesen Artikel, in dem wir dieses Endspiel schon analysiert haben.

Wie Ihr sicher wisst, dreht sich bei Bauernendspielen alles um Opposition. Aber manchmal vergessen das sogar Großmeister und begehen merkwürdige Fehler:

Schauen wir uns zum Schluss noch eine aktuelle Partie an. Hier ist es einem der vielversprechendsten Talente der Welt gelungen ist, ein einfaches Endspiel zu verlieren. Die Schlüsselidee des Verteidigers ist es, die gewöhnliche oder die entfernte Opposition zu halten.

Wie konnte ein Super-Großmeister ein so einfaches Endspiel verlieren? In diesem Video wird es ganz genau erklärt:

Als das Bauernendspiel auf dem Brett erschien, hatte Firouzja noch ungefähr 30 Sekunden auf seiner Uhr und das sollte für einen so starken Spieler in einem solch einfachen Endspiel mehr als genug sein. Er wurde jedoch nervös und machte den entscheidenden Fehler, als er nur noch zwei Sekunden auf der Uhr hatte.

Was solltet Ihr jetzt machen, um solche Debakel zu vermeiden? Macht Euch zunächst mit dem Konzept der Opposition vertraut und übt, übt, übt, bis Ihr es im Schlaf beherrscht. Ein bisschen wie: "Auftragen... Polieren... Auftragen... Polieren...".

Glücklicherweise könnt Ihr bei den Trainings von Chess.com genau dieses Endspiel üben.

Wenn Ihr Eure Übungen gemacht habt und Euch sicher seid, dass Ihr dieses Endspiel besser als GM Firouzja verteidigen könnt, dann versucht doch, in der folgenden Stellung ein Remis zu erreichen:

Anmerkung von Chess.com: Carlsen hat gestern Abend (2. November) in der Speed Chess Championship erneut sein enzyklopädisches Wissen über dieses Endspiel humorvoll demonstriert.

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