Muss man die Namen von Mattbildern und Taktikmotiven kennen?

Muss man die Namen von Mattbildern und Taktikmotiven kennen?

Silman
IM Silman
17.11.2017, 00:00 |
35 | Taktiken

Chess.com member grepschrop stellte mir folgende Frage: “Einige Spieler haben mir gesagt, dass es nicht wichtig wäre die Namen der Mattbilder zu kennen. Ich stimme dem eigentlich nicht zu. Was denkst Du darüber?”

SILMAN: Auch wenn jetzt viele denken, dass diese Frage leicht zu beantworten ist, muss ich sagen, dass wir hier über zwei verschiedene Paar Schuhe sprechen: Die wichtigsten Taktikmotive und Mattbilder für Anfänger sind Fesselungen, Grundlinienmatts, Gabeln, Abzüge, Räumungsopfer, Röntgenangriffe, Zwickmühlen, Spieße und Doppelangriffe. Das ist das "erste Paar Schuhe." Jeder sollte diese Motive kennen.

Warum ist es jetzt wichtig diese Namen zu kennen? Wenn man sie nicht kennt, dann weiß man nicht worüber Leute sprechen, wenn sie sich über Taktiken unterhalten (von den abfälligen Blicken genau dieser Menschen garnicht zu sprechen). Die Namen zu kennen wird auch helfen, diese Motive besser im Gedächtnis zu behalten und zu unterscheiden, denn die Namen geben den Motiven so etwas wie eine Persönlichkeit.

Kommen wir also zum zweiten Paar, den Mattbildern: 

Schäfermatt, Narrenmatt, Bodens Matt, Anastasias Matt, Anderssens Matt, Blackburnes Matt, Cozios Matt, Damianos Matt, Grecos Matt, Seekadettenmatt, Morphys Matt, Pillsburys Matt, Retis Matt, ersticktes Matt, klassisches Läuferopfer, usw.

Sollte man all diese Bilder kennen?

null

Ja, das sollte man. Muss man aber auch die Namen dazu wissen? Ja und Nein.

Einige Namen wie ersticktes Matt oder klassisches Läuferopfer hört man so oft, dass man sich die Namen merkt, ob man es will oder nicht. Andere Mattbilder wie z.B. das Anastasia Matt kommt trotz dieses wunderschönen Namens so selten vor, dass es schon mal passieren kann, dass man den Namen vergisst.   

Vergleicht einfach das klassische Läuferopfer, das man ja immer wieder sieht und dessen Namen jeder kennt mit dem Boden´s Matt. Es ist zwar wunderschön aber es kommt einfach so selten vor, dass die meisten Spieler wichtigere Informationen in ihren grauen Zellen speichern.


Hier ist eine beliebte und sehr alte Falle, die wirklich jeder kennen sollte: 

Das man den Namen dieser Falle kennt ist weniger wichtig, als sie zu verstehen und sie sich einzuprägen. Dies gilt auch für die nachstehenden Muster.

Den Namen "Narrenmatt"  sollte man sich allerdings schon merken, denn dieses Matt kann wirklich nur Narren unterlaufen. Den Namen "Pillsbury Matt" werden allerdings die meisten noch nie gehört haben, und das macht sie garantiert nicht zu schlechteren Schachspielern.

DIE DREI SCHLÜSSELMOTIVE

Anfänger sollten sich drei Motive einprägen: Fesselungen, Gabeln und das Grundlinienmatt. Danach würde ich das Erstickungsmatt empfehlen.

FESSELUNG

Das ist ein sehr beliebtes Motiv, das leicht zu verstehen ist und fast in jeder Partie angewendet wird.

GABEL

Gabeln sind wirklich beliebt. Egal ob sie jemanden an PacMan erinnern oder ob man sie einen an die Stärken der Springer erinnern. Wer einmal auf eine Gabel hereingefallen ist, wird diese nie mehr vergessen.

Wie ihr sehen könnt, ist der Springer eine gefährliche Figur, da er in alle Richtungen und sogar über andere Figuren springen kann. Er ist die ultimative Gabelfigur. Andere Figuren können zwar auch "gabeln", aber es ist einfach die spezialität des Springers.

GRUNDLINIENMATT

Alle Anfänger fallen immer wieder darauf herein. Aber es gibt auch genügend Beispiele, in den Großmeister auf das Grundlinienmatt hereinfielen. Da das Grundlinienmatt so viele Partien entscheidet ist es wichtig, sich dieses Motiv schnellstmöglich zu verinnerlichen.

 

ALLE TAKTISCHEN MOTIVE SIND WICHTIG

Alle Kinder oder Anfänger sollte diese drei Motive so schnell wie möglich lernen. Nicht nur, weil sie sonst selbst in diese Fallen laufen werden, sondern auch weil sie etwas Geheimnisvolles an sich haben, das teilweise aus den Namen dieser Motive entspringt.

Im laufe der Zeit kann man sich dann mit mehr und mehr taktischen Motiven beschäftigen: Doppelangriff, Röntgenangriff, Abzug, der Zwickmühle, usw. Die Motive zu erlernen macht nicht nur Spass, sondern es ist auch die Grundlage für taktisches Verständnis.

Vergesst auch nicht, dass man mit diesen taktischen Motiven (in diesem Fall die "Gabel") viele Partien auf einfache Art gewinnen werdet, aber man kann sie auch auf etwas kompliziertere Art und Weise einsetzen.

Hier ist eine berühmte Partie, in der Schwarz gleich mehrere Gabeln einsetzt. Wer kann alle Gabeln finden?

Komischerweise war es ein Jahr später dann Alekhine selbst, der gegabelt wurde:

Jeder Spieler hat schon einmal eine Partie wegen Gabeln (oder anderen taktischen Motiven) verloren und wenn man sie nicht kennt, hat man einen großen Teil des Schachspiels verpasst. Wenn man die einfachen Gabeln nicht kennt, kann man die Schönheit in Alakhines Partie nie erkennen. Das gleiche gilt für alle anderen taktischen Motive. In anderen Worten: Man beginnt mit kleinen Schritten - und nähert sich somit einem Meistertitel!

Also Mr. Grepschrop. Wenn Du Kinder unterrichtest und diese all diese exotischen Namen lernen wollten, dann ist das GROSSARTIG. Ich persönlich finde die Namen toll. Die Namen des ersten Paar Schuhe sollte jeder kennen. Ob man die Namen des zweiten Paars erlernen will, obliegt jedem selbst.

Mehr von IM Silman
Frank Marshall, Teil 4: St. Petersburg 1914 und die Schachgötter

Frank Marshall, Teil 4: St. Petersburg 1914 und die Schachgötter

Frank Marshall, Teil 3: Capablanca betritt die Bühne

Frank Marshall, Teil 3: Capablanca betritt die Bühne