Von Igors Rausis zu Isa Kasimi: Interview mit einem Betrüger
Bildrechte: I. Leitis/Valka.lv.

Von Igors Rausis zu Isa Kasimi: Interview mit einem Betrüger‎

PeterDoggers
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151 | Schachspieler

Die Nachricht, dass der früher als Igors Rausis bekannte Spieler unter einem neuen Namen in die Schachwelt zurückgekehrt ist, hat die Schachwelt schockiert. Chess.com sprach mit dem ehemaligen Großmeister, der jetzt den Namen Isa Kasimi verwendet, um mehr über den Charakter eines Schachbetrügers zu erfahren.

Rausis wurde 1961 in Komunarsk, einer kleinen Stadt in der Provinz Lugansk in der Ostukraine, geboren. Er interessierte sich erst ziemlich spät für Schach; Er war 14, als er anfing, Fernschach zu spielen und wandte sich erst später dem normalen Schach zu. Während seines Studiums in Sewastopol (Halbinsel Krim) begann er ernsthafter zu spielen und trat dem Schachclub im Pionierpalast von Simferopol bei.

Rausis absolvierte eine medizinische Ausbildung und wurde Neurologe. Er arbeitete in der Notaufnahme in Sewastopol und war Rettungssanitäter. "Eigentlich war es keine schwierige Arbeit. Wir hatten zwei, drei Anrufe pro Tag", sagt er. "Also spielte ich die meiste Zeit des Tages mit dem Fahrer Schach."

Obwohl er zu diesem Zeitpunkt ein ernsthafterer Schachspieler geworden war, wechselte sein Interesse bald zum Coaching. 1984 zog er nach Lettland, wo er begann, die Jugendnationalmannschaft in Riga zu trainieren. Unter seinen damaligen Schülern befand sich unter anderem der spätere Großmeister Alexei Shirov.

1988 absolvierte er eine Ausbildung als Trainer in Moskau. Ungefähr zu dieser Zeit, im Alter von 27 Jahren, erhielt er auch seine erste FIDE-Bewertung und 1991 wurde Rausis Großmeister. Er würde Lettland bei drei Olympiaden (1996, 1998 und 2002) vertreten.

Rausis hat in vielen verschiedenen Ländern als Trainer gearbeitet. Er verbrachte die Jahre 2003-2007 in Bangladesch und vertrat dieses Land in diesen Jahren auch als Spieler. Seit 2007 spielt er für die Tschechische Republik. 2018 erhielt er den Titel FIDE Trainer.

So weit, so gut. Oder etwa nicht?

Nun, da war noch etwas anderes. Zwischen 2013 und 2019 hatte der mittlerweile über 50 Jahre alte lettisch-tschechische Großmeister seine Elo von 2500 auf fast 2700 gesteigert und damit einen Verdacht erregt. Wie war so etwas möglich?

Igors Rausis rating
Die Elo-Entwicklung von Igors Rausis seit 2003. | Quelle: FIDE.

Im Juli 2019 eskalierte die Situation. Nachdem er während einer Partie bei den Straßburg Open, die vom 10. bis zum 14. September 2019 stattfanden, mit einem Handy auf der Toilette erwischt wurde, stand Rausis unter Betrugsverdacht. Rausis unterschrieb eine Erklärung, dass das Telefon, das auf der Toilette gefunden worden war, seines war. Das berüchtigte Foto, das bald darauf im Internet erschien, war der endgültige Beweis.

Im Dezember 2019, the FIDE Ethics Commission wurde Rausis von der Ethikkommission der FIDE für 6 Jahre gesperrt und sein Titel als Großmeister wurde ihm aberkannt.

Danach war von Rausis eigentlich nichts mehr zu hören, bis er letzten Samstag plötzlich bei einem Turnier im lettischen Valka auftauchte. Obwohl er unter einem anderen Namen spielte, entdeckte ihn GM Arturs Neiksans nach der zweiten Runde und begann zu protestieren, woraufhin Rausis das Turnier verließ.

Diese Geschichte schlug in den sozialen Medien hohe Wellen und es scheint zwei Lager zu geben: Das eine Lager besteht aus Schachfans, die das Gefühl haben, dass Rausis nicht genug bestraft worden sei und das andere besteht aus Fans, die darauf hinweisen, dass er am Samstag doch legal an dem Turnier teilgenommen und nichts falsch gemacht hat.

Igors Rausis
Igors Rausis in Rouen, einem Turnier, das er im Jänner 2019 gewonnen hat. Foto: Orcherlatour.fr

Chess.com sprach am Sonntagnachmittag über Skype mit Kasimi, wie wir ihn von nun an nennen werden.

Die erste Frage: Was genau ist am Samstag passiert?

"Kurz vor der dritten Runde kamen Arturs zu meinem Brett und sprach ein paar Worte mit meinem Gegner. Mein Gegner stand auf und beide gingen zum Schiedsrichter. Dann gab Neiksans laut bekannt, dass ich einen falschen Namen verwenden würde und ein Betrüger bin und es mir verboten ist, an Schachturnieren teilzunehmen. Alle drei Punkte waren falsch. Zunächst einmal kannte mich ja die Hälfte aller Teilnehmer. Man kann zwar seinen Namen ändern, aber nicht sein Gesicht und ich lebe hier seit den 1980er Jahren."

Die Hälfte aller Teilnehmer kannten mich. Man kann zwar seinen Namen ändern, aber nicht sein Gesicht.

Laut Neiksans haben Sie eine Gesichtsmaske verwendet, um Ihre Identität zu verbergen?

"Dann muss er auf dem Mond leben. Lettland ist ein kleines Land und ich habe bereits vorher als Isa Kasimi gespielt. Außerdem habe ich eine medizinische Ausbildung und weiß, wie wichtig eine Gesichtsmaske ist. Ich habe sie nicht getragen, um mich zu verstecken."

Kasimi zeigte Chess.com seinen neuen Pass bereits bei einem früheren Interview, das Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde. Die beiden Turniere, die er zuvor unter dem neuen Namen gespielt hatte, waren ein Schach960 und ein "Würfelschachturnier". Das Turnier in Valka an diesem Wochenende war sein erstes richtiges Turnier seit er gesperrt wrude.

Kasimi denkt, dass Neiksans Protest persönlicher Natur sei: "Jeder kennt mein Gesicht und jeder hat mich begrüßt. Außer natürlich Arturs. Aber ich verstehe ihn. Als Großmeister könnte es ihm unangenehm sein, mich als Betrüger zu begrüßen. Viele Spieler haben ja gesagt, sie werden mir nie mehr die Hand geben.

"Die Hälfte der Teilnehmer wusste, dass ich spielte, aber ich bin mir nicht sicher, ob Neiksans es auch wusste. Sonst würde er jetzt nicht so hart sprechen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass er Angst vor mir hat. Meine Spielstärke liegt weit unter dem Niveau, auf dem ich früher gespielt habe."

Das Turnier war ein Schnellschach-Turnier und da es der Veranstalter zu spät bei der FIDE registriert hatte, wurde es nicht Elo gewertet. Laut Neiksans war dies die "Lücke", die Kasimi benutzte, um erneut zu spielen. Aber Kasimi ist anderer Meinung:

"Ich war mir ziemlich sicher, dass es nicht Elo gewertet wurde. Es ist ziemlich weit von Riga entfernt... Ich habe den Verband, den Elo-Beauftragten unseres Verbandes und den Organisator angerufen. Ich habe mich also dreimal vergewissert."

Wenn er also seine Identität nicht verbergen wollte, warum hat er dann nicht unter dem Namen Rausis gespielt?

"Weil der Name Rausis völlig zerstört ist. Zuallererst tut mir meine Familie leid. Sogar meine Tochter schämt sich für diese Geschichte. Dieses Toilettenfoto wurde, das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, überall in allen Medien und besonders hier in Lettland veröffentlicht."

Kasimi spricht ruhig und ist irgendwie ziemlich gut gelaunt. Er macht einen freundlichen Eindruck und scheint nicht von dem neuen Sturm der Vorwürfe gequält zu werden. "Nach dem, was gestern passiert ist, bin ich eigentlich nicht sehr verärgert", sagt er. "Weil ich jetzt verstanden habe, dass ich nach Straßburg überhaupt nicht mehr zum Schach zurückkommen wollte. Und gestern habe ich es bereut, dass ich zum Schach zurückgekehrt bin."

Gestern habe ich es bereut, dass ich zum Schach zurückgekehrt bin.

Kasimi wollte auch unbedingt darauf hinweisen, dass er das Turnier am vergangenen Samstag in Valka freiwillig verlassen hat. "Ich wurde nicht rausgeschmissen. Das waren Neiksans Worte. Es war ganz meine bewusste Entscheidung. Es war eine spontane Entscheidung. Das einzig Sympathische am Veranstalter war, dass er mir das Startgeld zurückgegeben hat."

Isa Kasimi
Kasimi während des Skype-Anrufs.

Nachdem wir besprochen haben, was an diesem Wochenende passiert ist, ist es Zeit, zu der einen Frage überzugehen, die gestellt werden muss. Warum? Warum hat er betrogen? Warum nahm er als Großmeister dieses Telefon und überprüfte seine Stellung mit einer Engine - der größten Sünde im Schach?

Etwas widerstrebend erzählt Kasimi von der Tatsache, dass er Krebs hat, "in einem für Männer sensiblen Bereich", wie er es ausdrückte. Er wurde 2003 diagnostiziert und er nimmt seitdem Medikamente ein. Seit 2018 unterzieht er sich auch einer Chemotherapie.

Deshalb musste er auch während seiner Partien ziemlich oft auf die Toilette. "Meine größte Angst ist, dass sich die Toilette irgendwo in einem anderen Gebäude befindet."

Zwei Tage vor Beginn des Straßburger Turniers hatte er seine sechste Chemotherapie hinter sich gebracht. "Ich war total verrückt, ich war besessen. Ich hätte nicht dorthin gehen sollen, aber ich war drauf und dran die 2700 Schallmauer zu durchbrechen."

Kasimi betont aber, dass er seine körperliche Situation nicht als Ausrede benutzen möchte: "Ich übernehme die volle Verantwortung für mich selbst. Ich kann die Schuld nicht meiner Schwäche oder meiner Krankheit oder was auch immer geben. Ich habe sehr gefährliche Dinge getan, die der gesamten Schachwelt schaden könnten. Ich glaube, ich habe das Schädlichste getan, was ich dem Schach antun konnte."

Ich übernehme die volle Verantwortung für mich selbst. Ich kann die Schuld nicht meiner Schwäche oder meiner Krankheit oder was auch immer geben. Ich habe sehr gefährliche Dinge getan, die der gesamten Schachwelt schaden könnten.

Er ist der Meinung, dass Betrug bei Schachturnieren weit verbreitet ist und sagt: "Wollen Sie wissen, wie oft ich gegen einen Betrüger gespielt habe? Unzählige Male!"

Als Kasimi zur weiteren Erklärung gedrängt wird, lässt er den Namen Sigmund Freud fallen. "Man denken ständig daran, als Spieler, als Betreuer und als Trainer. Ich habe so viele schlaflose Nächte damit verbracht, über dieses Zeug nachzudenken. In dieser Nacht, als der Vorfall in Straßburg geschah, habe ich sofort alle Konsequenzen verstanden."

Was ist also mit all den Turnieren, bei denen er gegen sehr schwache Gegner gespielt hat? Was das eine Strategie, um sein Rating künstlich weiter zu erhöhen?

"Als die Chemotherapie begann, verstand ich, dass ich mein Niveau nicht mehr halten konnte", sagt Kasimi. "Zwei meiner Schüler kamen aus Italien, also habe ich dutzende Turniere in Italien gespielt und auch angefangen, Seniorenturniere zu spielen. Die meisten Gegner lagen um 300, 350 Punkte unter meiner Bewertung und daher ist es keine Überraschung, wenn ich 8,5/9 oder 9/9 erziele.

"Aber das sind sehr fragile Dinge. Wenn man anfängt, diese Behandlung zu erwähnen... Der FIDE-Ethikkommission war bewusst, dass ich Schwerbehindert bin. Ich bin zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Haben Sie gesehen, dass das Foto auf eine Behindertentoilette aufgenommen wurde?"

Kasimi sagt, er habe schon in Straßburg nur auf Krücken gehen können - wie auch in Valka an diesem Wochenende. "Ich brauche mehr Zeit, um zur Toilette zu gelangen als eine durchschnittliche Person und sie befand sich auf der gegenüberliegenden Seite des Turniersaals."

Diese Worte erweisen sich lediglich als Einführung in eine Art Entschuldigung. Er fährt fort: "Ich hätte nicht dorthin gehen sollen. Ich hätte das Turnier abbrechen sollen, als ich mich sehr schlecht fühlte. Stattdessen ging ich zur Toilette."

Ich hätte nicht dorthin gehen sollen. Ich hätte das Turnier abbrechen sollen, als ich mich sehr schlecht fühlte. Stattdessen ging ich zur Toilette.

Als das Urteil der FIDE-Ethikkommission im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, wurde bekannt, dass Kasimi auch zwei frühere Fälle gestanden hat, in denen er sein Telefon während einer Partie benutzt hatte (und einen Fall, in dem das Ergebnis einer Partie vorab arrangiert wurde).

"Ja, das waren zwei Partien gegen denselben Spieler, einen sehr starken Großmeister", sagt Kasimi. "Ihn öffentlich zu nennen wäre von meiner Seite unfair, selbst in meinem jetzigen Zustand."

Wieder lautet die Frage aber: Warum? Kasimi sagt, es habe mit etwas zu tun, das ein Jahr zuvor passiert sei.

"Da gab es diesen tschechischen Spieler, der mich in den Medien angegriffen hat. Eigentlich hat alles online angefangen. Er hat angefangen zu schreiben, dass Rausis etwas Verdächtiges hat. Aber er hat mich für einen sehr harmlosen Fall verdächtigt. Das war, als es verboten wurde, ein Handy mit sich zu führen. Es musste ausgeschaltet und in der Jacke oder woanders verstaut werden."

"Ich benutzte immer noch ein altes Handy und während unserer Partie wurde mir plötzlich klar, dass sich mein Handy in meiner Hosentasche befand. Um ehrlich zu sein, zog ich das Telefon aus meiner Hosentasche und legte es auf den Tisch. Nur um zu zeigen, dass ich sauber bin. Mein Gegner hat die Partie gewonnen und sie dann analysiert und darüber geschrieben. Und dabei hat er auch diesen Vorfall mit dem Handy erwähnt."

Dann sprachen die Leute in Online-Foren über Rausis und verdächtigten ihn, auch wegen seiner Elo. Er war 55 Jahre alt und hatte gerade die Elo-Marke von 2600 überschritten.

Zum zweiten Mal in seiner Karriere schaffte er es in die Top 100 der Weltrangliste. Zum ersten Mal hat er das in den frühen 1990er Jahren geschafft, als er einige Monate lang auf einem Platz um die 80 lag. "In Anbetracht der Elo-Inflation denke ich, dass 2575 in den neunziger Jahren wie heutzutage 2675 ist", sagt er.

"Dann traf ich wieder auf den Mann, der mich beschuldigt hat. Ich fand ihn noch nie sympathisch. Aber jetzt... sprechen wir über die negative Seite der menschlichen Seele. Müssen wir jetzt wirklich über meine Seele sprechen?

Aber jetzt... sprechen wir über die negative Seite der menschlichen Seele. Müssen wir jetzt wirklich über meine Seele sprechen?

"OK, ich erzähle die ganze Geschichte. Dieser Spieler ist immer gut vorbereitet und ich hatte nach der Eröffnung schon fast eine Verluststellung. Aber ich wollte diese Partie nicht verlieren. Meine Bilanz gegen diesen Spieler war eh schon katastrophal. Ich habe gegen ihn nur einmal Remis gespielt und sonst immer nur verloren. Und dann nahm ich mein Handy, es war ein iPhone 4 mit einem Schachprogramm, und ging auf die Toilette."

Igors Rausis
Igors Rausis, früher in seiner Karriere. Foto: Creative Commons/Wikipedia.

Kasimi lebt in der Tschechischen Republik, aber als der Vorfall in Straßburg passierte, flog er nach Riga. Der größte Teil seiner Familie lebt in Lettland. Er hat dort zwei Töchter und zwei Enkel. Von seiner ersten Frau WGM Olita Rause ist er geschieden, aber sie pflegen eine gute Beziehung.

"Sie hat mir geholfen. Sie hat für mich eingekauft und hat mir geholfen, mobil zu sein, weil sie ein Auto hat." Von der lettischen Regierung erhält er jetzt eine kleine Rente und kann im ganzen Land kostenlos öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Der Betrug, die Sperre, das Foto. Das alles hat sein Leben dramatisch verändert, aber es war seine eigene Schuld. "Das größte Problem war meine Familie", sagt Kasimi. "Alle waren verärgert, aber sie haben auch alle zu mir gehalten. Das ist die Hauptsache."

Und so entschied er sich, zum zweiten Mal in seinem Leben seinen Namen zu ändern. Er wurde als Igor Kondylev geboren, nahm aber dann den Namen seiner Frau an. Dieser Name ist jetzt für immer mit dem Toilettenfoto verbunden.

Also nahm er jetzt den Namen seiner zweiten Frau Ajgul Kasimova an, die sich momentan in der Tschechischen Republik aufhält und aufgrund der Coronasituation derzeit nicht nach Lettland reisen kann.

"Die Wahl für Kasimi war einfach. Ich dachte, es wäre doch schön, den Namen meiner Frau, die ich sehr liebe, anzunehmen. Und dann habe ich beschlossen, auch Igors zu ändern, weil Igors in Lettland nie richtig ausgesprochen wird."

Kasimi, der ein besonderes Interesse an Sprachen hat, erklärt, dass er sich für einen Namen entschieden hat, der mit einem 'i' endet und daher nicht wie die meisten lettischen Namen am Ende das obligatorische 's' benötigt. (Einige von Euch wissen vielleicht, dass Mikhail Tal in seiner lettischen Heimat eigentlich Mikhails Tals hieß.)

"Ich habe entschieden dass Igors eh nicht mein richtiger Name ist und Igors falsche Dinge in seinem Leben gemacht hat. Also habe ich den Namen sterben lassen."

Ich habe entschieden dass Igors eh nicht mein richtiger Name ist und Igors falsche Dinge in seinem Leben gemacht hat. Also habe ich den Namen sterben lassen.

Und was ist mit seiner Familie, haben sie die gleiche Frage gestellt? Warum? "Meine Frau konnte mir nicht verzeihen, dass ich nie darüber gesprochen habe. 'Warum hast Du so oft betrogen und hast es mir nie erzählt?' hat sie mich gefragt. Aber Sie wissen, das ist menschlich. Es war aber wirklich sehr grausam."

Und nun? Nach der Zukunft gefragt, sagt Kasimi, er habe Zweifel, ob er versuchen sollte, während oder nach seiner Sperre mehr Schach zu spielen. "Wenn dieses Verbot endet, können Sie sich die Katastrophe vorstellen? Wenn ich zum Schach zurückkehren würde? Zunächst die Bewertung, weil die FIDE-Ethikkommission entschieden hat, dass die Bewertung unverändert bleibt - übrigens eine sehr unlogische Entscheidung. Und sie haben mir den Großmeister Titel, den ich mir 1991 erspielt habe, als es noch gar keine Computer gab, genommen. Nun. Computer gab es schon, aber noch keine Schachprogramme."

Stattdessen beginnt er ein neues Leben und studiert wieder. "Ich gebe mein Bestes, um meine körperliche Verfassung zu verbessern und meine berufliche Laufbahn wieder aufzunehmen. Nach so vielen Jahren der Abwesenheit kann ich mich nicht mehr als Arzt bezeichnen, aber jetzt gebe ich mein Bestes, um wiederzukommen. Zunächst muss ich mich aber verändern." Meine Spezialisierung als medizinischer Administrator. Mein sowjetisches Diplom aus den 1980er Jahren wird zwar noch anerkannt, aber ich muss einige Prüfungen ablegen. Die Prüfung über Kenntnisse der lettischen Sprache auf höchstem Niveau habe ich bereits bestanden."

Kasimi trainiert noch einige Kinder in Riga und hat auch wieder Fernschach gespielt. Seine Rückkehr in die Schacharena am vergangenen Samstag zeigte aber eines: Nach allem, was passiert ist, hat er seine Liebe zum Spiel immer noch nicht verloren.


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