Chess.com stellt vor: WGM Hanna Marie Klek

Chess.com stellt vor: WGM Hanna Marie Klek

Merlin2017
Merlin2017
|
3 | Schachspieler

Hanna Marie Klek ist sowohl im deutschen, als auch im bayerischen Schachverband Referentin für Mädchenschach. Zu dem noch Psychologiestudentin, engagierte Jugendleiterin beim Schachclub Erlangen 48/88 und "ganz nebenbei" auch Damen-Großmeisterin im Schach. Und wenn Sie dann mal ein paar freie Tage hat, dann ist sie für die Baden Baden Snowballs in der PRO Chess League im Einsatz, oder reist spontan zu Schachturnieren, wie letzte Woche zum Dolomitenbank Open in Lienz, und versucht ihrem nächsten sportlichen Zwischenziel, einer Elo von 2400, einen Schritt näherzukommen.

Für Chess.com was das natürlich ein glücklicher Zufall, denn somit bekamen wir die Chance, Hanna Marie etwas besser kennenzulernen und sie um ein Interview zu bitten, zu dem die 24-jährige Erlangerin auch sofort zusagte.

Chess.com: Servus Hanna Marie. Als erstes interessiert es uns natürlich, wie Du zum Schach gekommen bist. Kannst Du uns etwas darüber erzählen?

Hanna Marie: Ich hatte schon als Kind eine Art "Allergie gegen Pech". Wenn ich bei Kartenspielen oder Brettspielen nur wegen Pech verloren habe, dann hat mich das immer wahnsinnig aufgeregt. Irgendwann fiel meiner Mutter dann ein, dass ihr Großvater, also mein Ur-Großvater, immer Schach gespielt hat und dieses Spiel angeblich nichts mit Glück zu tun hatte. Also hat sie es mir gezeigt und es hat mir sofort gefallen.

Chess.com: Und dann bist Du sofort durchgestartet?

Hanna Marie: Nein, nicht sofort. In Erlangen gab es eine Kunstschule für Jugendliche wo Fächer wie Malen, Töpfern und auch Schach angeboten wurden. Ich habe mich dort gleich für einen Kurs angemeldet aber der Kurs war ab 8 Jahren und ich war erst 7 und wurde deshalb nicht aufgenommen. Die Kurse gingen immer ein halbes Jahr und als ich dann 6 Monate später wieder vor der Tür stand war ich zwar immer noch 7, aber meine Hartnäckigkeit hat sie wohl überzeugt und ich durfte den Kurs belegen. Am Ende des Kurses hat dann unser Trainer dann ein Simultanturnier gegen alle Kinder gespielt und ich war die einzige, die ihn besiegen konnte. Dafür habe ich dann sogar eine Siegesprämie von einem Euro bekommen. Mein erstes Preisgeld! (lacht)

Chess.com: Du hast ja Mathematik studiert und studierst jetzt Psychologie. Von welchem dieser beiden Studiengänge konntest Du denn schachlich mehr profitieren?

Hanna Marie: Als Jugendtrainerin profitiere ich natürlich mehr von meinem Psychologiestudium.

Chess.com: Und als Spielerin?

Hanna Marie: Da eigentlich auch. Wir haben erst eine sehr interessante Studie durchgenommen. Da wurde Männer zum Teil auf der Straße von einer Frau angesprochen und zum Teil beim Überqueren einer wackeligen Hängebrücke. Die Frau hat den Männern dann ihre Telefonnummer gegeben und es meldeten sich deutlich mehr Männer bei ihr, die auf der Hängebrücke angesprochen wurden. Das hat mit dem erhöhten Erregungszustand zu tun. Das Gehirn kann in so einem Moment nicht unterscheiden, was die Erregung ausgelöst hat - also die Gefahr beim Überqueren der Brücke oder die Attraktivität der Frau - und speicherte nur "Frau = Erregung".

Dasselbe passiert ja auch oft auf dem Schachbrett. Wenn man dieselbe Stellung einmal gegen einen Amateur und ein anderes Mal gegen einen Großmeister hat, dann fühlt man sich einmal total wohl und das andere Mal suggeriert einem das Gehirn "Achtung! Gefahr!". Das hat aber gar nichts mit der Stellung zu tun, sondern nur mit der Tatsache, dass man gegen einen Großmeister spielt und das Psychologiestudium hat mich auf jeden Fall gelehrt, die Stellungen neutral zu beurteilen, unabhängig davon, wer mir gerade gegenüber sitzt.

Chess.com: Apropos Großmeister. Konntest Du schon gegen einen gewinnen?

Hanna Marie: Ja, bei den offenen bayerischen Meisterschaften 2013 habe ich gegen den 2600 Großmeister Igor Khenkin gewonnen. Das ist auch bis heute mein größter Skalp.

Hanna Maries Sieg gegen Igor Khenkin

Chess.com: Du bist ja sehr beschäftigt. Wie viele Turniere spielst Du denn im Jahr?

Hanna Marie: Leider habe ich wirklich viel weniger Zeit als ich gerne hätte und komme nur auf 4-5 Turniere pro Jahr. Da ich aber auch in der Damen-Bundesliga und der 2. Herren Bundesliga spiele, bin ich letztes Jahr trotzdem auf fast 90 Partien gekommen.

Chess.com: Und analysierst Du auch alle dieser Partien?

Hanna Marie: Klar. Alle. Am meisten Spaß macht es mir, mich direkt nach der Partie mit meinem Gegner zusammenzusetzen und Varianten auszuprobieren oder sich die gegenseitigen Ideen aufzuzeigen. Zu Hause gehe ich die Partien dann mit dem Computer durch und wenn ich eine Stellung wirklich nicht durchblicke, dann frage ich meinen Trainer Michael Prusikin.

Chess.com: Du analysierst also nicht alle Partien zusammen mit Deinem Trainer?

Hanna Marie: Nein, nicht alle. Nur die interessanten und die interessanten Stellungen. Die meisten analysiere ich für mich alleine. Mit Michael arbeite ich zurzeit an einem breiteren Eröffnungsrepertoire und auch an allgemeinen Strategien.

Chess.com: Gewinnst Du eigentlich lieber gegen Männer oder gegen Frauen?

Hanna Marie: Das Geschlecht ist mir völlig egal, aber prinzipiell gewinne ich schon gegen unsympathische Gegner lieber, als gegen sympathische.

Chess.com: In Deiner Karriere hast Du sicher auch schon einige lustige oder kuriose Sachen erlebt, oder?

Hanna Marie: Einmal fuhren wir zu einem Auswärtsspiel und die gegnerische Mannschaft hatte ihr Spiellokal im 1. Stock eines Feuerwehrgebäudes. Leider gingen aber dort die Toiletten nicht, weil im Feuerwehrgebäude die Wasserleitung kaputt war. Das war schon ziemlich paradox.

Chess.com: Ist Schach Sport?

Hanna Marie: Schach ist ein Denksport und da steckt das Wort Sport ja schon im Namen, oder?

Chess.com: Interessierst Du Dich auch für Fußball?

Hanna Marie: Ich war schon als Kind Fan des F.C. Bayern und bin es bis heute. Wenn Bayern eine konkurrenzfähige Damenmannschaft hätte, könnte ich mir auch durchaus vorstellen, für Bayern zu spielen. Vielleicht hätte ich dann ja auch die Chance, mir einmal ein Champions League Spiel in der Allianz Arena anzusehen


Das könnte Euch auch interessierten:

Chess.com stellt vor: Großmeister Noël Studer

Chess.com stellt vor: Großmeister Mathias Womacka

Mehr von Merlin2017
In Bayern fand das erste Puzzle-Rush Turnier statt

In Bayern fand das erste Puzzle-Rush Turnier statt

Chess.com stellt vor: Großmeister Noël Studer

Chess.com stellt vor: Großmeister Noël Studer