Nakamura schlägt So und steht im Finale der Speed Chess Championship

Nakamura schlägt So und steht im Finale der Speed Chess Championship

PeterDoggers
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0 | Berichterstattung von einem Schach-Event

An seinem 33. Geburtstag gewann Hikaru Nakamura mit 13.5 : 12.5 gegen Wesley So und qualifizierte sich damit für das Finale von Onjuno gesponserten Speed Chess Championship 2020. Am Freitag stehen sich Magnus Carlsen und Maxime Vachier-Lagrave im zweiten Halbfinale gegenüber.

So könnt Ihr zusehen!
Das Halbfinale und das Finale der von Onjuno gesponserten Speed Chess Championship wird auf dem Chess.com Live Server gespielt. Die Partien könnt Ihr aber auch auf Chess.com/de/events und auf unseren Apps unter "Zusehen" verfolgen. IM Steve Berger kommentiert alle Partien live auf Twitch.


Die Live-Übertragung des ersten Halbfinales.

Das Halbfinale zwischen Nakamura und So war eine Neuauflage des Finales der letzten beiden Jahre. Aber auch beim kürzlich ausgetragenen Skilling Open lieferten sich die beiden ein hartes Duell.

Nakamura hatte beim Skilling Open das nachsehen und kündigte bereits nach seinem Sieg im Viertelfinale an, dass er auf eine Revanche hoffte: "Es ist Zeit für eine Revanche und ich will Blut sehen! Mehr sage ich nicht!"

Das Duell war dann das engste im bisherigen Turnier und nach zwei Dritteln stand es noch Unentschieden. Die 1+1 Bedenkzeit machte aber dann den Unterschied aus und Nakamura konnte mit einem hauchdünnen Vorsprung von einem Punkt gewinnen.

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Es war aber So, der den besseren Start erwischte. Nach zwei Remis konnte er zwei Partien in Serie gewinnen. Hier ist die vierte Partie, die Wesley mit einem tollen Trick für sich entscheiden konnte:

Daraufhin entschied sich Nakamura schärfer zu spielen. In einer Italienischen Eröffnung wählte er den seltenen Plan einer langen Rochade und er Plan ging voll auf:

Nakamura gewann dann auch die siebte und die achte Partie und lag damit nach dem ersten Drittel mit 5 : 4 in Führung. So konnte aber gleich in der ersten 3+1 Partie ausgleichen, denn Nakamura hatte in einer weiteren Italienischen Eröffnung die Zugfolge verwechselt:

Jetzt hatte So das Momentum auf seiner Seite und gewann auch gleich noch die nächste Partie. Und in der dritten Partie hätte er eigentlich ein Remis halten sollen, aber durch einen riesigen Patzer blieb das Halbfinale weiter spannend:

In der vorletzten Partie des zweiten Drittels schlug So Nakamura mit seinen eigenen Waffen: Er rochierte in der Italienischen Eröffnung auf den Damenflügel und überrollte seinen Landsmann:

Nach dem Halbfinale sagte So, dass seine Niederlage in der letzten 3+1 Partie, die er aus einer absolut soliden Stellung heraus verlor, wohl entscheidend war, denn damit hatte er in seiner Lieblings-Bedenkzeit nur mit 4.5 : 3.5 gewonnen.

"Wenn ich diese Partie gewonnen hätte, hätte ich vor dem Bullet einen zwei Punkte Vorsprung gehabt. Ich hätte im Bullet zwar wahrscheinlich verloren, aber ich hätte zumindest ein kleines Polster gehabt. Dass ich diese Partie verloren habe war ein schwerer Schlag, denn dass ich im Bullet mit Hikaru nicht mithalten kann, wusste ich schon vor dem Duell."

So war aber im Bullet kaum schlechter als sein Gegner. Nakamura gewann das letzte Drittel mit nur 5:4.

Die Tatsache, dass er dieses theoretisch Remise Turmendspiel gewinnen konnte, spricht für Nakamuras unglaubliche Erfahrung. So spielte die letzten 20 Züge mit nur zwei oder drei Sekunden auf der Uhr, während Nakamura die ganze Zeit ungefähr sechs oder sieben Sekunden hatte. Und als So ein Fehler unterlief, ergriff Nakamura die Chance beim Schopf:

Nakamura hatte die Bullet-Sektion aber mehr unter Kontrolle, als das Endergebnis vermuten lässt. Nach Partie Nummer 24 führte er mit 13.5 : 10.5 und es waren nur noch viereinhalb Minuten zu spielen. In diesem Zeitraum würde er niemals drei Partien verlieren. Schon allein deshalb, weil er im richtigen Moment immer die Zeit verzögern konnte. Partie Nummer 25 ging jedoch an So und der Vorsprung schmolz auf zwei Punkte zusammen:

Wie eben erwähnt hatte So aber einfach nicht mehr genügend Zeit, um das Blatt noch einmal zu wenden. Als Partie Nummer 26 begann, zeigte die Spieluhr gerade noch eine Minute und 49 Sekunden an. Nakamura schien überhaupt nichts gegen eine Niederlage zu haben - er wollte nur sicherstellen, dass er so viel Zeit von der Uhr nahm, dass keine weitere Partie gestartet werden konnte. Diese Strategie gehört zur Speed Chess Championship einfach dazu.

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"Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg, aber im Ernst, Wesley gebührt viel Anerkennung. Er hat ein sehr gutes Match gespielt", sagte ein sehr gut gelaunter Nakamura nach seinem Sieg. "Ich denke, in vielerlei Hinsicht war er der bessere Spieler. Es ist nur so, dass er in den ersten beiden Dritteln einige Chancen liegengelassen hat und in der Bullet-Sektion war ich auch nur geringfügig besser. Ich finde, dass er im Bullet großartig gespielt hat."

Ich denke, in vielerlei Hinsicht war er der bessere Spieler.
—Hikaru Nakamura

So zeigte sich nach seiner Niederlage als guter Sportsmann: "Zuerst möchte ich Hikaru alles Gute zum Geburtstag wünschen. Und mich dafür bedanken, dass er Schach durch seine großartige Arbeit bei Twitch so populär gemacht hat. Schach-Streaming ist jetzt und durch ihn eine große Sache. Ich hoffe, das wird ein großartiges Jahr für Dich und wünsche Dir, dass noch viele weitere folgen werden!"

Über das Match sagte So: "Am Anfang hatte ich eine wirklich gute Chance. Da gab es zwei Situationen, in denen ich die Initiative übernehmen hätte können. Die eine war, als ich in der 3+1 Sektion die Führung übernommen hatte. Die hätte ich nie abgeben dürfen, aber dann habe ich zwei Partien in Serie verloren. Und dass ich die 5+1 Sektion verloren habe, war natürlich eine Katastrophe."

So wurde für seine Siege mit $2,884.62 entlohnt; Nakamura bekam $6,000 für seinen Sieg und $3,115.38 für die erspielten Punkte. Insgesamt also $9,115.38. Im Finale wird Nakamura auf Magnus Carlsen oder Maxime Vachier-Lagrave treffen.

Offensichtlich schätzt er die Chancen von MVL nicht besonders hoch ein, denn er sprach bereits vom Finale gegen Carlsen: "Gegen Magnus zu spielen wird ein großer Spaß und ich freue mich bereits darauf. Ich muss aber viel besser spielen als heute. Heute war ich nicht besonders gut."

Alle Partien

Speed Chess bracket
Die Speed Chess Championship ist ein mit $100.000 dotiertes KO-Turnier für 16 Spieler. Alle Informationen über die Speed Chess Championship findet Ihr hier.


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