GM Alexander Grischuk

Vollständiger Name
Alexander Grischuk
Geboren
Oct 31, 1983 (Alter 36)‎
Geburtsort
Moskau, UdSSR
Föderation
Russland
Profile

Rating

Bio

Alexander Grischuk ist ein russischer Supergroßmeister, der seit langem zu den besten Spielern der Welt gehört. Auch im Blitzschach ist Grischuk als einer der besten Spieler der Welt bekannt. Er ist dreimaliger Blitz-Weltmeister und damit nur einer von nur zwei Spielern, die mehrmals Weltmeister im Blitzschach werden konnten. Der zweite Spieler ist Magnus Carlsen (mit vier Titeln), der weithin als einer der besten Schachspieler aller Zeiten anerkannt ist.

Grischuk ist aber absolut kein Blitzspezialist ist. Er stieg 2002 in die Top 20 der Welt ein und ist seitdem fast die ganze Zeit dort geblieben. Tatsächlich war er die meiste Zeit in den Top 10 und 2014 konnte er sogar die 2800-Rating-Schwelle überschreiten und wurde dadurch die Nummer 3 der Welt. Grischuk hat an vier Kandidatenturnieren teilgenommen und 2000 das Halbfinale der FIDE-Schachweltmeisterschaft erreicht. 2009 gewann er die russische Schachmeisterschaft. Für Russland hat er sechs Medaillen bei Schach-Olympiaden (2 davon Gold) und fünf Medaillen bei Schachweltmeisterschaften (4 davon Gold) gewonnen.

Die Anfänge seiner Karriere (1987 bis 1999)

Mit vier Jahren lernte Grischuk von seinem Vater Schach spielen. Danach wurde er von Michail Godwinski, Maxim Blokh (1990-1994) und Anatoly Bykhovsky (seit 1995) trainiert.

Grischuk machte das Beste aus seinem frühen Training. Bei der U10-Weltmeisterschaft 1992 wurde er geteilter erster, musste sich aber mit dem zweiten Platz begnügen und bei den russischen Meisterschaften in den neunziger Jahren dominierte Grischuk seine Altersgruppe und gewann die Titel in den Altersklassen U10, U12, U14 und U16.

Grischuk at U10 World Youth Chess Championship in 1992
Grischuk bei der U10 Weltmeisterschaft. Foto: G. Hund, CC 3.0.

1998 spielte Grischuk als FM im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal bei der russischen Schachmeisterschaft mit. Er erzielte dort 5 von 10 möglichen Punkten und belegte den 44. Platz. Im selben Jahr wurde er IM und war der bestbewertete Spieler bei der U16 Weltmeisterschaft. Im Laufe des Turniers feierte er seinen 15. Geburtstag und der IM mit einer Elo von 2490 belegte den achten Platz.

Beim Chigorin-Memorial 1999 in St. Petersburg teilte sich Grischuk mit GM Sergey Volkov den ersten Platz. Das Feld umfasste 39 GMs und Volkov wurde im nächsten Jahr russischer Meister, was Grischuks Leistung im Jahr 1999 noch beeindruckender macht. Der 16-Jährige erbrachte bei diesem Turnier eine Leistung von 2701. Im selben Jahr nahm Grischuk an der russischen Meisterschaft teil und erreichte das Viertelfinale.

Der Durchbruch in die Weltspitze (2000 bis 2005)

Im Jahr 2000 erreichte Grischuk im Alter von 16 Jahren die Top 100 der Welt, wo er seitdem geblieben ist. In diesem Jahr besiegte er den zukünftigen Weltmeister Ruslan Ponomariov im Tiebreak des 3. Tórshavn International und gewann damit das Turnier mit einer Leistung von 2821 (im nächsten Jahr sollte er seinen Titel verteidigen). Im Finale des Lausanne Young Masters konnte er Ponomariov erneut besiegen. Am Ende des Jahres 2000 spielte er dann erstmals für Russland bei einer Schach-Olympiade und gewann mit der Mannschaft Gold, sowie eine Bronzemedaille im Einzel.

Die größte Geschichte in diesem Jahr war aber Grischuks Leistung bei der FIDE-Schachweltmeisterschaft 2000. Mit einer Elo von 2606 und auf Platz 46 gesetzt schaffte es Grischuk ins Halbfinale des Turniers, bevor er von dem an Nummer 4 gesetzten Alexei Shirov eliminiert wurde (Shirov verlor dann gegen den top-gesetzten Viswanathan Anand das Finale). Diese Leistung festigte seinen Status als einen der zukünftigen Stars im Schachsport.

Damit war Grischuks Erfolgshunger aber noch nicht gestillt. Bei der Schnellschach-Weltmeisterschaft 2001 erreichte das 17-jährige Phänomen ebenfalls bis ins Halbfinale, wo gegen die damalige Nummer 1 der Welt und den vielleicht besten Spieler aller Zeiten, Garry Kasparov, ausschied. Bei der Schnellschach-Weltmeisterschaft 2003 spielte sich Grischuk, der mittlerweile eine Elo von 2732 hatte, wieder bis ins Halbfinale und verlor diese gegen den damals amtierenden Weltmeister Vladimir Kramnik.

In dieser Phase seiner Karriere zeigte Grischuk aber noch mehr bemerkenswerte Leistungen. Beim Elite Turnier von Linares 2001 war Grischuk die Nummer 28 der Welt und stellte sich 5 Spielern, die allesamt höher platziert waren als er: Neben der Nummer 1 der Welt, Garry Kasparov, spielten dort auch die Nummer 5, Peter Leko, die Nummer 7 Shirov, Ex-Weltmeister Anatoly Karpov (20) und Judit Polgár (23) mit. Kasparov gewann das Turnier überlegen mit 7.5 von 10 möglichen Punkten und Grischuk kam genau wie alle anderen Spieler auf 4.5 Punkte.

2002 wurde er beim Elite-Turnier in Wijk aan Zee Zweiter. Beim Aeroflot Open 2002 teilte er sich mit dem späteren Turniersieger Gregory Kaidanov den ersten Platz und bei der 35. Schach-Olympiade, bei der er hinter Kasparov an Brett 2 eingesetzt wurde, gewann Grischuk seine zweite Mannschafts-Goldmedaille. 2003 und 2004 gewann Grischuk das Ordix Open und das 5. Karpov Turnier. 2005 gewann Grischuk dann erstmals mit Russland die Mannschafts-Weltmeisterschaft.

World Blitz Chess Champion (2006 bis 2019)

2006 gewann Grischuk mit 10.5 von 15 möglichen Punkten die FIDE Blitz-Weltmeisterschaft. Peter Svidler hatte dieselbe Punktzahl erreicht, aber Grischuk gewann das Armageddon mit Schwarz und damit auch den Titel. Bei diesem Turnier waren 7 Spieler der Top 20 der Welt und ein aufstrebender Nachwuchsspieler namens Magnus Carlsen angetreten.

Dies sollte aber nicht Grischuks letzter Titel bei einer Blitzweltmeisterschaft bleiben. 2012 hatte die FIDE den Modus geändert und jetzt wurde die Blitz- zusammen mit der Schnellschach-Weltmeisterschaft gespielt. Grischuk gewann dann auch die Blitzweltmeisterschaft 2012 mit einem halben Punkt Vorsprung auf Carlsen und konnte sich den Titel dann drei Jahre später ein drittes Mal sichern. Damit liegt Grischuk in der ewigen Tabelle der Blitzweltmeister auf Platz 2. Nur Carlsen konnte sich diesen Titel einmal öfter sichern und keinem anderen Spieler ist es jemals gelungen, den Titel zweimal zu gewinnen.

2009 war für Grischuk ein bahnbrechendes Jahr. Beim Turnier von Linares nahmen fünf Spieler mit einer Bewertung von 2750 und mehr teil und Grischuk war der Spieler mit der zweitniedrigsten Bewertung (2733). Er beendete das Turnier aber vor Vassily Ivanchuk, Carlsen und Viswanathan Anand und erspielte sich eine Leistung von 2809. Im selben Jahr gewann Grischuk vor Svidler, Nikita Vitiugov und Evgeny Tomashevsky ungeschlagen die russische Meisterschaft. Das sollte aber bis heute sein einziger nationaler Titel bleiben. Obwohl er von 2004 bis 2016 regelmäßig an diesem Turnier teilnahm, sprangen außer dem eben erwähnten Titel nur noch drei Silber- und zwei Bronzemedaillen für ihn heraus.

2011 ersetzte Grischuk Carlsen beim Kandidatenturnier. Der Ersatzspieler sorgte aber für viele Schlagezeilen, als er die Nummer 3 der Welt Levon Aronian im Viertelfinale und die Nummer 2 Vladimir Kramnik im Halbfinale besiegen konnte und erst im Finale von Boris Gelfand gestoppt wurde. Bemerkenswerterweise kamen beide Siege von Grischuk erst im Tiebreak zustande, bei dem er sich auf seine Schnellschach und Blitzfähigkeiten verlassen und damit zwei Favoriten mit einer Elo von über 2780 ausschalten konnte. Später im selben Jahr besiegte Grischuk Alexander Morozevich, Vladimir Potkin, David Navara und Ivanchuk und erreichte damit das Finale des FIDE-Weltcups, das er dann gegen Peter Svidler verlor. Das war bis heute sein bestes Ergebnis bei einem Weltcup und er qualifizierte sich damit für das Kandidatenturnier 2013, das er auf dem geteilten 5. Platz abschloss.

2014 konnte Grischuk vor Kramnik, Gelfand und Aronian das Petrosian Memorial Turnier gewinnen und durchbrach damit die 2800-Schallmauer. Seine beste Elo erreichte er im Dezember dieses Jahres mit 2810. Er beendete das Jahr als Nummer 3 der Welt.

2017 qualifizierten sich Grischuk und Shakhriyar Mamedyarov über den FIDE Grand Prix für das Kandidatenturnier 2018, das er aber auf dem für ihn enttäuschenden sechsten Platz beendete.

Gegenwart und Zukunft

Für das Kandidatenturnier 2020 qualifizierte sich Grischuk durch den Gewinn des FIDE Grand Prix 2019. Am 26. März 2020 wurde das Kandidatenturnier aber wegen der Coronaepidemie abgebrochen. Grischuk lag zu diesem Zeitpunkt mit 3.5 von 7 möglichen Punkten einen Punkt hinter den Führenden.

Kasparov and Grischuk at 2019 Paris Rapid & Blitz
Kasparov und Grischuk 2019. Foto: M. Emelianova.

Grischuk gehört seit über 20 Jahren zu den besten Spielern der Welt und gehört bei jedem großen Turnier zum Kreis der Favoriten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn bei Gleichstand Entscheidungen im Blitz- oder Armageddon gespielt werden. Grischuk hat auf seiner Visitenkarte bereits drei Weltmeistertitel im Blitzschach, elf Teammedaillen bei Olympiaden und Schachweltmeisterschaften, vier Auftritte bei Kandidatenturnieren und mehrere Siege bei Elite-Turnieren stehen und vieles spricht dafür, dass er diese Liste noch verlängern wird.

Grischuk ist mit der Vize-Weltmeisterin Kateryna Lagno verheiratet und somit ein Teil des wohl stärksten Schach-Ehepaares aller Zeiten. Die beiden haben 3 gemeinsame Kinder.

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