Der große Siegbert Tarrasch: Seine besten Partien
Siegbert Tarrasch. Photo: Wikimedia.

Der große Siegbert Tarrasch: Seine besten Partien‎

Silman
IM Silman
|
45 | Andere

Siegbert Tarrasch wurde am 5. März 1862 in Preussen geboren. Alle Eltern träumen immer davon, dass ihre Kinder etwas ganz Besonderes sein werden und Siegbert ließ diesen Traum seiner Eltern wahr werden! Er war ein hervorragender Schüler, zog danach (1880) nach Halle um Medizin zu studieren und eröffnete nach dem Studium seine eigene florierende Arztpraxis. Er liebte Medizin. Er liebte es, seinen Patienten zu helfen. Aber er hatte noch eine zweite Liebe: Schach.

Natürlich haben die meisten Leute einen Job und spielen nur in Ihrer Freizeit Schach. Aber Tarrasch war keiner dieser Menschen, sondern einer der besten Schachspieler der Welt. Um das Jahr 1889 herum, war Tarrasch sogar der beste Spieler der Welt! Er dominierte das Schach und gewann die stark besetzten Turniere in Breslau 1889, Manchester 1890, Dresden 1892 und Leipzig 1894. Aber gerade als alle dachten, dass der nächste Weltmeister Tarrasch heißen würde, stellte ein bestimmter Mann namens Emanuel Lasker die Schachwelt auf den Kopf und besiegte 1894 Wilhelm Steinitz, um der zweite Weltmeister der Schachgeschichte zu werden.

Lasker Steinitz Chess
Lasker undSteinitz kämpfen um die Schachweltmeisterschaft Foto: Wikimedia.

Tarrasch war aber trotzdem außergewöhnlich: Er war der zweitbeste Spieler der Welt (Okay, Tarrasch selbst war davon überzeugt, dass er der beste der Welt sei) und er war ein großartiger Schachautor, der zwar die Ideen von Steinitz wie die Kontrolle des Zentrums, die Kraft des Läuferpaars und die Bedeutung von Raum und Mobilität, übernahm, sie aber den Massen verständlich machen konnte.

Aber die Jahre zogen ins Land und im 20. Jahrhundert übernahmen neue Spieler wie GM Akiba Rubinstein, Aron Nimzowitsch, Jose Raul Capablanca und Alexander Aljechin das Ruder.

Beim legendären St. Petersburger Turnier von 1914 hat Tarrasch aber noch einmal sehr gut abgeschnitten. Nach der Vorrunde führte Capablanca mit 8 Punkten vor den punktgleichen Lasker und Tarrasch. Dahinter folgten Aljechin und Marshall.

St. Petersburg, 1914 chess
Lasker und Tarrasch spielen beim Turniern von St. Petersburg 1914. Aljechin, Capablanca und Marshall sehen zu. Foto: Wikimedia.

Am Ende konnte Lasker das Turnier mit 13.5 Punkten gewinnen. Capablanca wurde mit einem halben Punkt Rückstand Zweiter, Aljechin Dritter (10), Tarrasch Vierter (8.5) und Marshall Fünfter (8).

Tarrasch spielte noch bis ins Jahr 1932 relativ erfolgreich bei verschiedenen Turnieren, war den oben erwähnten jungen Spielern aber nicht mehr gewachsen. 1934 starb Tarrasch im München.

Partie 1

In seiner Blütezeit hatte Tarrasch einfach alles: Eine großartige Taktik, Positionsverständnis und überragende Angriffsfähigkeiten.

Partie 2

Partie 3

Diese Partie zeigt Tarraschs taktische und Endspiel-Fähigkeiten:

Partie 4

Partie 5

Bis jetzt haben wir hauptsächlich Tarraschs taktische Fähigkeiten gesehen. Jetzt sehen wir uns seine positionellen Fähigkeiten an.

Partie 6

Partie 7

Jetzt sehen wir uns einen wahren positionellen kill an. Beachtet, wie das schwarze Läuferpaar bald den kompletten Damenflügel kontrolliert.

Partie 8

Partie 9

Von dieser Partie könnt Ihr eine Menge lernen!

Partie 10

Partie 11

Was ist der beste Zug für Weiß? Steht Weiß hier auf Gewinn oder nur etwas besser? Oder steht Schwarz besser oder ist Schwarz in Schwierigkeiten? Viel Glück

Partie 12

Partie 13

Partie 14

Bei der Eröffnungsfeier der Weltmeisterschaft 1908 schlug Tarrasch die Fersen aneinander, verbeugte sich steif und sagte zu Lasker: "Für Sie, Dr. Lasker, habe ich nur drei Worte: Schach und Matt". Dann verließ er den Raum!

Tarrasch Lasker World Championship
Tarrasch bei der Weltmeisterschaft 1908 gegen Emanuel Lasker. Lasker gewann 8:3 bei 5 Remis. Foto: Wikimedia.

Obwohl Tarrasch einige Jahre lang der beste Spieler der Welt war (und eine viel längere Zeit der Zweitbeste), hat auch seine Karriere die Zeit nicht überdauert. Irgendwo gibt es immer einen jungen, energischen Spieler, der die Schachwelt regiert, bis der nächste Schachgott erscheint.

Mehr von IM Silman
Die Hochs und Tiefs von GM Elmars Zemgalis (Silmans letzter Artikel)

Die Hochs und Tiefs von GM Elmars Zemgalis (Silmans letzter Artikel)

Wie erspielt man sich Gewinnstellungen?

Wie erspielt man sich Gewinnstellungen?