Anish Giri gewinnt das Magnus Carlsen Invitational
Anish Giri. Foto: Peter Doggers/Chess.com.

Anish Giri gewinnt das Magnus Carlsen Invitational

PeterDoggers
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Nachdem auch das zweite Duell 2:2 Unentschieden geendet war, gewann Anish Giri das Playoff gegen Ian Nepomniachtchi und sicherte sich damit den Titel und $60.000 beim Magnus Carlsen Invitational. Magnus Carlsen sicherte sich im kleinen Finale gegen  Wesley So den dritten Platz.

Wo kann ich die Partien sehen?
Alle Partien des Magnus Carlsen Invitationals findet Ihr hier auf unserer Live Events Plattform.

Magnus Carlsen Invitational 2021 results

Giri gegen Nepomniachtchi 2-2 / 2-0

"Es war eine Lotterie und mein Gegner hat das Gewinnlos gezogen," fasste Nepomniachtchi das Finale zusammen. Das war auch durchaus zutreffend, denn er hatte klare Chancen, um das Finale zu gewinnen. Allerdings erst, nachdem Giri die ersten 3 Partien dominiert hatte.

Es war eine Lotterie und mein Gegner hat das Gewinnlos gezogen.
—Ian Nepomniachtchi

Er übernahm mit dem wunderbaren, dynamischen Schach, das Giri schon während des gesamten Turniers gezeigt hatte, in der zweiten Partie die Führung. Wie sich gezeigt hatte, kann man den Keres-Angriff auch gegen die Taimanov-Eröffnung spielen!

Giris Najdorf hat in beiden Partien gehalten. Hier ist Partie drei:

So weit lief für die niederländische Nummer eins alles nach Plan. In der vierten Partie, die Nepomniachtchi zwingend gewinnen musste, änderten sich die Dinge jedoch völlig.

"Diese Partien, die man unbedingt gewinnen muss, sind für beide Seiten sehr nervenaufreibend", sagte Carlsen neulich. Der Effekt auf Giri war, dass er sich entschied, sich von seinem dynamischen Schach zu verabschieden und auf Sicherheit zu spielen.

Konkret bedeutete dies, dass sich Giri für den Zug 3.Lb5 anstelle des offenen Sizilianers entschied. Im Nachhinein ist es leicht zu kritisieren, aber es scheint, dass dieser Ansatz nach hinten losging - nicht weil Giri aus der Eröffnung heraus schlechter stand (im Gegenteil), sondern weil er irgendwie schlechter spielte als in den vorherigen Partien.

"Das war natürlich eine schlechte Partie. Ich bin auch enttäuscht darüber, wie ich in dieser Partie gespielt habe," sagte Giri, bevor er seinen Gegner für die Umgruppierung von Dame und Läufer lobte: "Das war wirklich beeindruckend."

Es wird ja oft behauptet, dass der Spieler, der einen Rückstand aufgeholt hat, mit einem psychologischen Vorteil in ein Playoff geht. Wie hat sich also Giri so gut von seiner Niederlage erholt?

"Was mir wirklich geholfen hat, war Ians Match gegen Magnus. Dort hatte Ian zweimal die Chance das Duell zu gewinnen und hat es beide male verbockt und dann trotzdem gewonnen," sagte Giri. "Er hat es also vor 2 Tagen schon geschafft und ich wusste, dass das Match nicht vorbei war, als es in den Tiebreak ging."

In der ersten Partie wählte Giri mit Weiß wieder die Alapin-Eröffnung, aber Nepomniachitch lenkte die Partie in eine französische Verteidigung. Im falschen Moment opferte Giri eine Figur und bekam dafür nicht viel Kompensation. Da Nepomniachtchi im 25. Zug einen furchtbaren Fehler machte, gewann Giri aber dann trotzdem.

"Angesichts meines Comebacks in der vierten Partie und der komplett gewonnen Stellung in der ersten Blitzpartie, könnte man schon sage, dass ich etwas mehr verdient gehabt hätte," sagte Nepomniachtchi. "Aber wenn man eine Minute über 25…Th7 nachdenkt und sieht, dass der Zug falsch ist und dann trotzdem 25...Th7 spielt, dann war es wohl Schicksal. Vielleicht hatte er den Sieg einfach mehr verdient, oder ich hätte einfach besser spielen sollen."

Ian Nepomniachtchi Magnus Invitational
Nepomniachtchi: "Ich dachte, ich hätte mehr verdient gehabt." Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Nepo begann die zweite Blitzpartie mit 1.b3, aber erreichte mit seiner Eröffnung so gut wie nichts. Dann beging er einen positionellen Fehler und seine Chancen auf einen Sieg waren Geschichte.

Giri war von dem Zug 1.b3 überrascht: "Normalerweise spielen die Leute ja 1.b3 und interessante Stellungen zu bekommen und weil sie keine langweiligen Eröffnungen spielen wollen. Aber ich spiele ja Najdorf und ich verstehe nicht, warum man Najdorf vermeiden will, wenn man unter Siegzwang steht. Ich kann mir nur vorstellen, dass er dachte, dass ich bestens vorbereitet wäre und wollte mir nicht in eine Vorbereitung laufen. Er wollte es wohl Mann gegen Mann austragen und das ist sein gutes Recht."

Wie so oft ging es in den Playoffs hauptsächlich um Nerven und deshalb war dieser Sieg für Giri so wichtig. Vor zwei Monaten war er in Wijk aan Zee unglaublich kurz davor, sein erstes Superturnier, bei dem Carlsen auf der Teilnehmerliste stand,  zu gewinnen, aber im Tiebreak gegen seinen Freund und Landsmann Jorden van Foreest versagten ihm die Nerven. Am Sonntag hatte Giri aber seine Nerven unter Kontrolle.

Es ist eine Entwicklung, die ihm sehr Willkommen sein wird. Besonders, wenn man bedenkt, dass sein nächstes großes Turnier das FIDE Kandidatenturnier sein wird, das ja am 20. April fortgesetzt werden wird. Giri sagte dazu:

"Hauptsächlich ist es gut für meine Stimmung während der Vorbereitung auf das Kandidatenturnier. Es ist auch gut, weil ich fest davon überzeugt bin, dass es so etwas wie Schicksal nicht gibt. Oder was einige Leute sagen, dass die Champions aus etwas bestehen, das ich nicht habe. Diese Art von Unsinn kaufe ich absolut niemanden ab. Es ist gut, dass ich vor dem Kandidatenturnier ein Turnier wie dieses gewinnen konnte. Sollte ich dort auch in diese Situation kommen, werde ich keine Zweifel haben und an meine Chance glauben. Ich habe noch nie daran geglaubt, dass es so etwas wie einen Fluch gibt, aber jetzt weiß ich, dass es so etwas nicht gibt."

Giri Nepomniachtchi Candidates
Beim Kandidatenturnier im letzten Jahr konnte Nepomniachtchi gegen Giri gewinnen. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Nepomniachtchi war hauptsächlich froh, dass es vorbei ist und sagte: "Die wichtigste Errungenschaft für mich ist, dass ich diese neun Tage sehr intensiven Spielens überstanden habe. Es war ein großartiges Training. Es ist ein bisschen schwierig, wenn man ohne sein gewohntes Eröffnungsrepertoire spielt, aber es war eine schöne Erfahrung."

Im nächsten Monat können sich die Spieler jetzt auf ihre Vorbereitung für das Kandidatenturnier konzentrieren. Giri sagte, dass er hierbei von der Tatsache profitiere, dass die zweite Hälfte des Turniers zweimal verschoben wurde, da er bereits mehrere Trainingslager abgehalten hat.

Gleichzeitig verneinte er aber, dass sein Turniersieg auf seiner Vorbereitung auf das Kandidatenturnier zurückzuführen sei: "Die Arbeit am Schach ist ein kontinuierlicher Prozess. Dieser Prozess dauert das ganze Leben. Es ist, als würde man immer mehr Wissen ansammeln. Ich habe angefangen, mich auf das Kandidatenturnier vorzubereiten, als ich sieben Jahre alt war."

Ich habe angefangen, mich auf das Kandidatenturnier vorzubereiten, als ich sieben Jahre alt war.
—Anish Giri

Carlsen gegen So 2-1

Da er das Duell am Samstag gewonnen hatte, benötigte Carlsen nur noch 2 Punkte, um sich den dritten Platz zu sichern. Nach 2 Remis und einem Sieg in der dritten Partie hatte er sein Ziel vorzeitig erreicht. Eigentlich lief die Eröffnung für den Amerikaner hervorragend, aber dann übersah er einen gemeinen Springerzug, der die Partie auf den Kopf stellte:

Magnus Carlsen
Magnus Carlsen wurde bei "seinem eigenen Turnier" Dritter. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Alle Partien des letzten Tages

Das Magnus Carlsen Invitational Turnier ging vom 13. bis zum 21. März und wurde auf chess24 gespielt. Das Turnier begann mit einer Vorrunde, bei der 16 Spieler ein Vollrundenturnier mit einer Bedenkzeit von 15+10 spielten. Die besten 8 Spieler qualifizierten sich für die KO-Phase. Das Turnier war mit $220,000 dortiert.


Weitere Berichte von diesem Turnier: (alle auf Englisch)

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