GM Anish Giri

Anish Giri at Tata Steel 2018. Photo: Maria Emilianova/Chess.com.
Vollständiger Name
Anish Giri
Geboren
Jun 28, 1994 (Alter 26)‎
Geburtsort
Sankt Petersburg, Russland
Föderation
Niederlande

Rating

Bio

GM Anish Giri ist ein Weltklasse-Schachspieler und viermaliger niederländischer Meister.  Am 15. Februar 2015 durchbrach er die 2800 Schallmauer und war damit die Nummer 2 der Welt. Seit 2010 vertritt Giri bei den Olympiaden die Niederlande. Er gewann das Reggio Emilia-Turnier 2012, die Reykjavik Open 2017 und im Sommer 2019 das Shenzhen Masters.


Stil

Giris Spielstil ist, wie der Stil fast aller modernen Supergroßmeister, flexibel und universell. Aufgrund seines soliden Spiels ist er sehr schwer zu schlagen. Seit er beim Kandidatenturnier 2016 alle 14 Partien Remis gespielt hat, hat er den Ruf eines Remiskönigs.

So beginnt Giri auch die folgende Angriffspartie mit einer langsamen und positionell soliden Katalanischen Eröffnung. Nachdem sein Gegner GM Alexander Morozevich beschlossen hatte, den katalanischen Gambit-Bauern zu halten, wird die Stellung allerdings scharf. Giri opfert dann gleich mehrere Figuren, um den schwarzen König in einem Mattnetz zu fangen. Giris Präzision in dieser Partie ist einfach unglaublich:

Die Anfänge

Giri lernte mit sechs Jahren Schach. Mit 11 hatte er sich bereits eine Elo von über 2100 erspielt und verbesserte sich weiter. 2007 gewann er mehrere Juniorenturniere in Russland und 2008 erspielte er sich seine ersten beiden Großmeisternormen. Von 2009 bis 2012 trainierte er bei GM Vladimir Chuchelov und zwischen 2013 und 2016 bei GM Vladimir Tukmakov.

Großmeister und holländischer Meister

Seine dritte Großmeisternorm erspielte sich Giri 2009 im Alter von 14 Jahren und 7 Monaten. Das machte ihn zum jüngsten amtierenden Großmeister zu dieser Zeit. Im selben Jahr gewann er dann auch zum ersten Mal die holländische Meisterschaft.

Anish Giri 2019 candidates 2020
Giri in Gedanken versunken. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

2010 gewann Giri vor so starken Spielern wie Arkadij Naiditsch, Wesley So und Pentala Harikrishna das B-Turnier der Corus Chess Group. 2011 nahm er dann erstmals bein Tata Steel Turnier teil und erspielte sich respektable 6.5 von 13 möglichen Punkten. Damit beendete er das Turnier vor Ian Nepomniachtchi, Wang Hao, Alexander Grischuk, Alexei Shirov und einigen anderen.

Hier ist sein Sieg über Weltmeister Magnus Carlsen aus diesem Turnier. Carlsen spielte eine ruhige Eröffnung in der Giri schnell und problemlos Ausgleich erzielen konnte.  Zwischen den Zügen 14 und 18 kam es zu einem kleinen taktischen Gefecht, aus dem Giri mit einem kleinen Vorteil hervorging. Dann unterlief Carlsen im 19. Zug ein Fehler und Giri fand sowohl 19...e4 als auch 20...e3 und schon war es um den Weltmeister geschehen!

Wann habt Ihr zum letzten Mal eine Partie gesehen, die Carlsen mit Weiß in 22 Zügen verloren hat?

2012 gewann Giri vor Hikaru Nakamura, Fabiano Caruana, Morozevich, Vassily Ivanchuk und Nikita Vitiugov das Reggio Emilia Turnier.

Hier ist Giris Sieg über Nakamura aus diesem Turnier. Giri gibt das Läuferpaar auf, um seinen Gegner einen Doppelbauern auf der f-Linie zu verpassen und überspielt dann den Amerikaner. Im 24. Zug etabliert er einen Springer auf dem Feld e4. Um diesen von Brett zu bekommen gibt Nakamura sein Läuferpaar, und damit jegliche Kompensation für den Doppelbauern, auf.

Nachdem im 31. Zug die Damen getauscht werden beendet Giri die Partie mit einem Qualitätsopfer, nach welchem sein Turm, sein sehr starker Läufer und ein weit vorgerückter Freibauer den beiden Türmen von Nakamura klar überlegen sind.

2014 belegte Giri beim Tata Steel Turnier gemeinsam mit Sergey Karjakin den zweiten Platz. Besser war nur Levon Aronian und die Großmeister Caruana, Lenier Dominguez Perez, So, Harikrishna und viele weitere hatten das Nachsehen. Auch beim Katar Masters 2014 belegte er hinter Turniersieger Yu Yangyi den geteilten zweiten Platz. Diesmal stand er gemeinsam mit Vladimir Kramnik auf dem Podium.

Bei den London Chess Classics 2015 teilte er sich dann mit Carlsen und Maxime Vachier-Lagrave den ersten Platz (auch wenn er das Playoff gegen Vachier-Lagrave verlor). Aronian, Grischuk, Michael Adams, Caruana, Nakamura, Viswanathan Anand und Veselin Topalov waren bei der Siegerehrung nur Zuschauer.

Anish Giri

Anish Giri beim Tata Steel Turnier 2018. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Kandidatenturnier

2016 nahm Giri erstmals bei einem Kandidatenturnier teil und verblüffte die gesamte Schachwelt, indem er alle 14 Partien Remis spielte. Seine Leistung gegen die besten Spieler der Welt sollte man aber nicht voreilig kritisieren und seinen Startplatz hat er mit seiner Leistung mehr als nur gerechtfertigt.

Im Jahr darauf gewann Giri das Reykjavik Open vor 263 anderen Spielern und 2018 erreichte er zusammen mit Carlsen den geteilten ersten Platz beim Tata Steel Turnier (Carlsen gewann den Blitz-Entscheid).

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Giri beim Norway Chess. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

2019 wurde er beim Tata Steel Turnier dann wieder Zweiter (erneut hinter Carlsen) und verwies die Großmeister Nepomniachtchi, Ding Liren, Anand, Teimour Radjabov, Vladimir Fedoseev, Shakhriyar Mamedyarov, Kramnik und weitere auf die Plätze. 2019 gewann er das Shenzen Masters vor Harikrishna, Ding, Richard Rapport, Dmitry Jakovenko und Yu.

Für das Kandidatenturnier 2020 qualifizierte sich Giri aufgrund der besten Durchschnitts-Elo im Jahr 2019. Leider wurde das Kandidatenturnier am 26. März 2020 wegen der Corona-Epidemie unterbrochen. Zum Zeitpunkt der Unterbrechung lag Giri mit 3.5 von 7 möglichen Punkten einen Punkt hinter den Führenden.

Giri wird von der Handelsfirma Optiver gesponsert und ist bekannt für seine witzigen Kommentare sowohl in Interviews als auch in sozialen Medien. Obwohl er in letzter Zeit auf Instagram aktiver war, liefert er sich auf Twitter regelmäßig Sticheleien mit seiner "Nemesis" Carlsen (darüber spricht er auch in einem Interview mit Chess.com und GM Serper widmete diesem Thema einen ganzen Artikel). Seit 2015 ist er mit der Schachspielerin Sopiko Guramishvili (Elo 2383) verheiratet und seit 2016 stolzer Vater seines Sohns Daniel.

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