GM Ian Nepomniachtchi

Photo: Maria Emelianova/Chess.com.
Vollständiger Name
Ian Nepomniachtchi
Geboren
Jul 14, 1990 (Alter 30)‎
Geburtsort
Bryansk, Russland
Föderation
Russland
Profile

Rating

Bio

GM Ian Nepomniachtchi (oder kurzgesagt “Nepo”) ist ein russischer Supergroßmeister der 2020 im Kandidatenturnier für die Weltmeisterschaft spielt. Durch seine Erfolge bei der ersten Hälfte dieses Turniers spielte er sich auf den vierten Platz der Weltrangliste.

Nepomniachtchi Bilanz gegen amtierende und ehemalige Weltmeister ist außergewöhnlich gut. In der klassischen Bedenkzeit hat er gegen GM Vladimir Kramnik (5 Siege, 4 Niederlagen, 4 Remis), GM Viswanathan Anand (3 Siege, 2 Niederlagen, 5 Remis) aud GM Magnus Carlsen (4 Siege, 1 Niederlage, 6 Remis) eine positive Bilanz. Gegen GM Anatoly Karpov (2 Siege 2013) und GM Garry Kasparov (1 Sieg und 2 Remis 2017) hat er zwar nur Schnellschach bwz. Blitz gespielt, aber auch hier ist seine Bilanz positiv.

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Die Anfänge seiner Karriere

Nepomniachtchi wurde in Brjansk, Russland, einer Stadt mit etwa einer halben Million Einwohnern, etwa 400 km südwestlich von Moskau, geboren. Er spielte schon im Alter von etwa vier Jahren Schach und gewann von 2000 bis 2002 drei Europameisterschaften in seiner Altersgruppe in Folge.

Im Jahr 2002 gewann er auch die u12-Weltmeisterschaft vor Carlsen, dem er in diesem Alter klar überlegen war. Falls Nepomniachtchi auch das Kandidatenturnier 2020 gewinnen sollte, wäre er nach
GM Sergey Karjakin der zweite Spieler, der diese beiden Turnier gewinnt. 

Nepomniachtchi verbesserte sich weiter und legte regelmäßig alle zwei Jahre 100 Elo-Punkte zu. Im wahrsten Sinne des Wortes alle zwei Jahre: Im April 2003 erspielte er sich zum ersten Mal 2400, im April 2005 2500 und im April 2007 knackte er die 2600. 2007 erspielte er sich auch alle drei GM-Normen und wurde anschließend Großmeister, nachdem er bereits 2004 IM geworden war. IM April 2008 erreichte er dann die Top 100 der Welt. 3 Monate später feierte er seinen 18. Geburtstag.

Die 2010er Jahre

2010 gewann Nepomniachtchi zum ersten Mal die russische Meisterschaft. Im Finale hatte er Karjakin durch ein Remis mit den schwarzen Figuren im Armageddon besiegt. Bis heute ist dies sein einziger nationaler Titel geblieben. 2013 verlor er ein Playoff gegen GM Peter Svidler und seit 2014 hat er nur noch einmal teilgenommen. Das war 2018 und er belegte einen geteilten vierten Platz.

Die russische Meisterschaft sollte aber nicht Nepomniachtchis einziger Erfolg im Jahr 2010 bleiben, denn im selben Jahr gewann er auch die Einzel-Europameisterschaft. Dank seiner Erfolge im Jahr 2010 wurde Nepomniachtchi im Juli dieses Jahres auch Mitglied im erlesenen Club der 2700-Großmeister.

Ian Nepomniachtchi, 2010
Nepomniachtchi im Jahr 2010 bei der Einzel-Europameisterschaft. Wikipedia, public domain.

2010 spielte Nepomniachtchi erstmals bei einer Schacholympiade für Russland und seit 2014 ist er aus der russischen Mannschaft nicht mehr wegzudenken, wobei er bei jeder Olympiade ein Brett nach vorne rückte. 2010 trat Russland noch mit 2 Mannschaften an und Nepomniachtchi führte das “B-Team” auf den sechsten Platz (das "A-Team" wurde Zweiter). 2014 spielte er an Brett 5, 2016 an 4 und 2018 an Brett 2. Russland belegte bei diesen Olympiaden die Plätze 4, 3 und 3. Die Schacholympiade 2020 hätte eigentlich im August in Moskau stattfinden sollen, wurde aber wegen des Corona-Virus auf ein späteres Datum verschoben.

Weitere Erfolge feierte Nepomniachtchi bei den Aeroflot Open 2008 und 2015 und beim Tal Memorial, das er 2016 gewinnen konnte. 2019 sollte aber dann das bislang beste Jahr seiner Karriere werden.

Chancen auf die Weltmeisterschaft

Beim FIDE Grand Prix 2019 verdrängte Nepomniachtchi durch seinen Sieg in Jerusalem GM Maxime Vachier-Lagrave vom zweiten Platz in der Gesamtwertung und hatte sich damit einen Startplatz im Kandidatenturnier 2020 gesichert. Ausschlaggebend dafür war sein Sieg über GM Wei Yi in einer 96-Züge-Marathonpartie.

Zuvor hatte Nepomniachtchi schon mehrere Chancen auf eine Teilnahme beim Kandidatenturnier liegengelassen. Beim Weltcup 2011 war er an 25 gesetzt und verlor in der dritten Runde gegen Gata Kamsky. 2013 war er an 24 gesetzt und schied bereits in der ersten Runde gegen Wei Yi aus. 2015 war in der Setzliste auf Platz 34 abgerutscht und verlor in der dritten Runde äußerst knapp mit 5 : 4 gegen den an zwei gesetzten GM Hikaru Nakamura. 2017 war er zwar in der Setzliste auf Position 15 aufgestiegen, musste sich aber trotzdem in der zweiten Runde dem an 47 gesetzten GM Baadur Jobava geschlagen geben. 2019 war er schließlich auf Platz 5 gesetzt, verlor aber abermals in der vierten Runde. Diesmal gegen den an 12 gesetzten GM Yu Yangyi.

Ian Nepomniachtchi, 2019
Nepomniachtchi beim Tata Steel Turnier 2019. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Da beim Grand Prix weniger Spieler spielen, musste Nepomniachtchi auf seine erste Teilnahme bei einem Grand Prix bis 2017 warten und beendete die Turnierserie bei seinem Debüt auf dem neunten Platz der Gesamtwertung. Beim Grand Prix 2019 kam er aber dann ins Rollen und konnte die Turniere in Moskau und Jerusalem gewinnen, was ihm den zweiten Platz in der Gesamtwertung und einen Startplatz beim Kandidatenturnier 2020 einbrachte.

Am 26. März 2020 wurde das Kandidatenturnier dann aufgrund des Corona-Virus unterbrochen. Nepomniachtchi lag sechs Runden lang souverän in Führung, musste sich aber in der siebten Runde Vachier-Lagrave geschlagen geben. Die beiden führen die Tabelle jetzt gemeinsam, mit jeweils 4.5 von 7 möglichen Punkten, an.

Stil

In der Eröffnung beginnt Nepomniachtchi fast immer mit 1.e4 und experimentiert nur gelegentlich mit 1.c4. Als Schwarzer spielt er gegen 1.e4 meistens Sizilianisch und selten die Französische Verteidigung und gegen 1.d4 verlässt er sich auf die Grünfeld-Indische Verteidigung.

Sein Mittelspiel ist von seinem Angriffsstil geprägt, den er in dieser Partie aus dem Jahre 2017 beim Grand Prix in Sharjah hervorragend demonstriert.

Nepomniachtchi ist auch im Blitz- und Schnellschach ein sehr starker Spieler. Hier kommt ihm seine Fähigkeit, seinen Gegner anzugreifen und vor schwierige Entscheidungen zu stellen, sehr entgegen.

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