Strategie

Strategie

Wusstest Du, dass sehr gute Schachspieler einen Blick auf eine Stellung werfen und schnell beurteilen können, welcher Spieler gewinnt? Darüber hinaus können sie schnell für jeden Spieler die besten Züge und Ideen entwickeln.

Möchtest Du diese Fähigkeit auch haben? Dann musst Du die Konzepte der Schachstrategie lernen.


Was bedeutet Schachstrategie?

Unter Strategie versteht man im Schach den gezielten Versuch, sich einen Vorteil gegenüber seinem Gegner zu verschaffen. Im Gegensatz zur Taktik geht es bei der Strategie um langfristige Ziele, die normalerweise mit der Sicherheit des Königs, der Bauernstruktur, dem Raum, der Aktivität der Figuren usw. zusammenhängen.

Chess strategy.
Anatoly Karpov gegen Garry Kasparov, 1984. Karpov ist in dieser Stellung strategisch am Gewinnen. Kasparov gab auf.

Warum ist Strategie wichtig?

Eine bekannte Redewendung sagt: "Schach ist zu 99% Taktik." Wenn das stimmt, warum ist dann Strategie so wichtig?

Obwohl die meisten Partien wirklich durch Taktiken entschieden werden, benötigt man eine gute Strategie, um überhaupt eine Stellung zu bekommen, in der taktische Einschläge möglich sind. Die Strategie ist also praktisch der Nährboden für Taktiken.

Laut dem bekannten chinesischen General Sun Tzu ist "Strategie ohne Taktik der langsamste Weg zum Sieg. Taktik ohne Strategie ist jedoch der Anfang vom Ende." In der Tat kann es für Anfänger gut funktionieren, sich nur darauf zu verlassen, dass der Gegner auf eine Taktik hereinfällt. Fortgeschrittene Spieler werden damit jedoch keinen Erfolg haben.

Strategie ohne Taktik der langsamste Weg zum Sieg. Taktik ohne Strategie ist der Anfang vom Ende.
— Sun Tzu

Frühere Weltmeister wie Jose Raul Capablanca, Tigran Petrosian und Anatoly Karpov waren alle hervorragende Schachstrategen und gegen einen strategisch soliden Spieler zu spielen ist eine schwierige Aufgabe, die nur wenige Spieler gerne übernehmen.

Anatoly KarpowAnatoly Karpov war einer der größten Schachstrategen aller Zeiten

Strategische Konzepte

Schachstrategie ist ein sehr komplexes Thema, das viele Jahre Studium und harte Arbeit erfordert, um es zu meistern. Das Erlernen einiger dieser Prinzipien wird jedoch Dein Spiel verbessern und Dir helfen, mehr Partien zu gewinnen. Dies sind Material, Figurenaktivität, die Beweglichkeit der Figuren, die Bauernstruktur, Raum und Königssicherheit.

Material

Festzustellen, welcher Spieler einen materiellen Vorteil hat, ist das am einfachsten zu verstehende strategische Konzept, da es auch das konkreteste ist. Wenn ein Spieler den Wert der einzelnen Figuren kennt, kann er leicht herausfinden, wer einen materiellen Vorteil hat.

Chess strategy: material count.
Weiß hat einen klaren materiellen Vorteil.

Der Spieler, der einen materiellen Vorteil hat, kann die Partie normalerweise gewinnen, indem er Figuren tauscht, um die Stellung zu vereinfachen und ein gewonnenes Endspiel zu erhalten. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die materielle Überlegenheit zu nutzen, um die Verteidigung des anderen Spielers zu überwältigen und den König zu Schachmatt zu setzen.

Figurenaktivität

Anders als beim Material ist die Figurenaktivität ein eher abstraktes Konzept. Ein Spieler kann zwar weniger Material als sein Gegner haben, dafür aber die aktiveren Figuren und deshalb die Partie gewinnen.

Chess strategy: piece activity.
Weiß hat zwar weniger Material, aber dafür die viel aktiveren Figuren.

Diese Stellung stammt aus der berühmten Partie zwischen Paul Morphy und Karl von Braunschweig und Graf Isouard. Weiß hat zwar viel weniger Material, aber alle seine Figuren sind aktiv. Andererseits spielen die schwarzen Figuren am Königsflügel überhaupt nicht mit. Morphy hat diese Partie in wenigen Zügen gewonnen:

Wenn Du mehr über Figruenaktivität erfahen möchtest, kannst Du Dir gerne diese interaktive Lektion ansehen.

Bauernstruktur

Die Bauernstruktur bezieht sich auf die Art und Weise, wie die Bauern auf dem Schachbrett platziert sind. Die Platzierung der anderen Figuren wird dabei außer Acht gelassen. Das Verständnis der Bauernstrukturen ist für jeden ernsthaften Schachspieler von entscheidender Bedeutung, da es viele andere strategische Konzepte beeinflusst. Angriffspläne, Figurenaktivität und Löcher in der Stellung sind nur einige Beispiele für wichtige strategische Ideen, die von der Bauernstruktur beeinflusst werden.

Die folgende Stellung stammt aus einer Partie zwischen Victor Korchnoi und Anatoly Karpov. Karpov hatte es geschafft, dass Korchnoi auf d4 einen isolierten Bauern bekommen hat.

Chess strategy: pawn structure.
Karpov hat Korchnois Bauernstruktur geschwächt.

Karpov konzentrierte sein Spiel dann auf diese Schwäche in der weißen Bauernstruktur. Er gewann die Partie, indem er die weiße Armee an die Verteidigung des isolierten Bauern band und andere Schwächen in Korchnois Stellung verursachte.

Wenn Du mehr über Bauernstrukturen wissen möchtest, kannst Du Dir diese interaktive Lektion von Großmeister Aman Hambleton ansehen.

Raum

Mit Raum bezeichnet man im Schach die Anzahl der Felder, die ein Spieler hinter seinen Bauern zur Verfügung hat, um seine Figuren zu ziehen. Ein Spieler kann im Zentrum, am Königsflügel oder am Damenflügel mehr Raum zur Verfügung haben. Manchmal auch sogar auf dem gesamten Schachbrett.

Chess strategy: space.
Weiß hat mehr Raum als Schwarz, denn Weiß kontrolliert mehr Felder und hat mehr Platz für seine eigenen Figuren.

Der Spieler mit einem Raumvorteil kontrolliert mehr Felder und genießt mehr Freiheit, um seine Figuren zu bewegen. Umgekehrt fällt es Spielern, denen Raum fehlt, sehr schwer, einen Angriff zu starten oder mit ihren Figuren den eigenen König zu verteidigen.

Königssicherheit

Die Sicherheit der Könige ist eines der wichtigsten strategischen Konzepte im Schach. Ein unsicherer König ist ein Nachteil, da man ständig darauf achten muss, nicht Schachmatt gesetzt zu werden.

Chess strategy: king safety.
Dass man eine Figur opfert, um den König des Gegners offenzulegen, ist im Schach nichts Ungewöhnliches.

Das obige Beispiel zeigt ein bekanntes Opfer, das "Greek Gift (griechisches Geschenk)" genannt wird. Weiß opfert seinen Läufer, um den König des Gegners offenzulegen. Der materielle Nachteil spielt keine Rolle, da der Angriff zu Schachmatt führt.

Fazit

Du weißt jetzt, was Schachstrategie ist und wie sie Dir helfen kann, besser zu spielen und mehr Partien zu gewinnen. Geh doch am besten jetzt gleich zu unseren Lektionen, um noch mehr über strategische Konzepte zu erfahren.

Zugehörige Schachbegriffe