Die 10 besten Schachzüge aller Zeiten
Das Chess.com Team hat die besten 10 Züge aller Zeiten ausgewählt

Die 10 besten Schachzüge aller Zeiten‎

ColinStapczynski
ColinStapczynski
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Die Anzahl der Schachzüge, die in der Geschichte des königlichen Spiels gespielt worden sind, ist unkalkulierbar. In der MegaBase 2015 (eine Datenbank mit über 4,5 Millionen Partien) zeigen, dass eine durchschnittliche Schachpartie ungefähr 38 Züge lang dauert. Alleine in dieser einen Datenbank befinden sich also über 170 Millionen Züge.

Es gibt aber viele Datenbanken mit Schachpartien und die meisten davon beinhalten ausschließlich Turnierpartien. Daher enthalten sie von Natur aus und absichtlich nicht die überwiegende Mehrheit der Online-Partien, geschweige denn Freundschafts- oder Gelegenheitspartien. Wie kann man da nur die 10 besten Schachzüge aller Zeiten auswählen?

Wir haben auf ähnliche Weise begonnen, wie ein Spieler einen Schachzug auswählt: Die Mitarbeiter von Chess.com haben eine lange Liste von Kandidatenzügen erstellt. Sie haben dafür Büchern durchsucht, Artikel gelesen und Expertisen analysiert. Dann haben wir Züge aus neueren Partien hinzugefügt und auf Überlappungen mit alten Partien untersucht. Als Nächstes haben wir angefangen, die lange Liste zu kürzen - immer und immer wieder. Schließlich hatten wir eine immer noch lange aber jetzt überschaubare Liste an Kandidatenzügen erlangt und dann hat das Chess.com-Team abgestimmt.

Hier ist das Ergebnis: Die 10 besten Schachzüge aller Zeiten:


#10 Kholmovs Kombination gegen Bronstein 

Auf Platz 10 steht ein Zug, der vom ChessKids Boss, FM Mike Klein (a.k.a. FunMasterMike) sogar auf Platz 1 gewählt wurde. Bei der UdSSR-Meisterschaft 1964 hatte GM Ratmir Kholmov gegen die Schachlegende David Bronstein eine schwierige Stellung und nicht einmal Stockfish findet den Zug, der Weiß nach Bronsteins Zug 17...De7 einen Vorteil bringt:

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Mit welchem Zug hat Kholmov Bronstein überrascht?

Der Springer auf c3 ist angegriffen und Schwarz benötigt nur noch einen Zug, um sich mit 18...Lb7 zu konsolidieren. Kholmov hatte also keine Zeit zu verschwenden. Zum Glück für die Schachwelt fand er eine erstaunliche Kombination!

#9 Das Endspiel-Opfer von Sanz

Das erste Endspiel in dieser Liste wurde 1933 in Madrid gespielt. Jose Sanz Aguado hatte zwar mit Schwarz gegen Martin Ortueta Estaban bereits einen klaren materiellen Vorteil erspielt, aber wie er die Stellung gewinnen kann, ist ziemlich unklar. Sein Läufer ist nicht mehr als ein Großbauer und seine Bauernstruktur ist völlig zerstört.

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Welche Idee hatte Sanz in dieser Stellung?

In dieser Stellung fand Sanz das unglaubliche Turmopfer 31...Txb2!! Da benötigt sogar Stockfish eine ganze Weile um zu realisieren, dass dieser Zug für Schwarz gewinnt. Der Clou ist, dass der Freibauer auf der c-Linie nicht mehr aufgehalten werden kann!

#8 Edward Laskers Damenopfer

IM Edward Lasker (der fünfmalige U.S. Open Champion und entfernte Verwandte des Weltmeisters Emanuel Lasker) spielte 1912 diese berühmte Partie gegen George Alan Thomas. Die legendäre Königsjadt beginnt nach Thomas Fehler 10...De7:

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Welchen Zug hat Lasker hier gespielt?

Lasker ist besser entwickelt und seine Leichtfiguren kontrollieren das Zentrum. Noch dazu hat Schwarz seinen Königsflügel geschwächt. Lasker fand hier ein wunderbares Damenopfer, das zu einem zwingenden Matt in sieben Zügen führt. 

#7 Ein tierisches Läuferendspiel

Dieses Läuferendspiel ist auf dieser Liste einzigartig, denn die Stellung stammt nicht aus einer Partie, die von zwei Spielern gespielt wurde, sondern es ist eine Studie. Laut der Harold van der Heijden Endgame-Studiendatenbank IV wurde diese Studie 1930 von P. Heuacker verfasst und in der Neuen Freien Presse Nr. 44 veröffentlicht.

Wie hat jetzt diese 90-Jahre alte Studie in der Liste der 10 besten Züge aller Zeiten zu suchen? Sehen wir sie uns einfach an.

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Stockfish denkt zunächst, dass diese Stellung ausgeglichen ist.

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass dies ein todlangweiliges Läuferendspiel ist. Schwarz kann doch einfach seinen e-Bauern ziehen und dann für alle Zeiten das Umwandlungsfeld h8 kontrollieren. Das ist auch der erste Gedanke von Stockfish, der die Stellung zunächst mit 0.00 bewertet.

Das Problem ist aber, dass Weiß am Zug ist. Der erste Zug ist noch nicht besonders schwer zu finden. Es ist dann der vierte Zug, der diese Studie in diese Liste gebracht hat.

Eine wirklich schöne Endspielidee, die zeigt, dass selbst in den langweiligsten Stellungen Leben steckt. Die gleichzeitige Einfachheit und Komplexität machen dies zu meiner Lieblingsstudie und für mich ist es das i-Tüpfelchen, dass die Stellung immer noch leistungsstarke Engines verwirrt.

#6 Das Desperado Opfer von Bura

In dieser Partie, die 1982 in Jugoslawien gespielt wurde, spielte Bura mit Weiß gegen Paric. Bura hatte bereits zwei Bauern weniger und sowohl seine Dame, als auch sein Turm waren angegriffen:

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Könnt Ihr Buras unglaublichen Zug finden?

Die Damen mit 1.Txa1 Sxd4 zu tauschen sieht nicht gerade nach einer Gewinnidee aus. Aber hat man überhaupt eine andere Option? Bura fand eine!

Dass man seine Dame auf einem leeren Feld opfert ist sehr selten. Dass ein solches Opfer gewinnt noch seltener!

#5 Gellers Turmendspiel

Der Lieblingszug von IM Danny Rensch landete auf Platz 5. Inn der UdSSR Meisterschaft von 1949 spielte GM Efim Geller mit Schwarz gegen GM Salo Flohr und erreichte das folgende Turmendspiel:

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Wie kommt Schwarz voran?

Geller hat zwar einen Bauern mehr, aber sein Turm ist angegriffen und wenn er zulässt, dass Weiß seinen Bauern auf e5 mit Schach schlägt, fällt wohl auch sein wertvoller a-Bauer und die Partie würde mit einem Remis enden. Welchen spektakulären Zug hat Geller hier gefunden?

#4 Vladimirovs Blitz aus heiterem Himmel

GM Evgeny Vladimirov, der zu seiner Glanzzeit selbst zur Weltelite gehörte, war bei der Weltmeisterschaft 1986 in Garry Kasparov's Team und bereitete ihn auf die Partien gegen Anatoly Karpov vor. Er sollte aber eigentlich für seinen genialen Zug bekannt sein, den er 1987 in einer Partie gegen GM Vladimir Epishin gefunden hat. Nachdem Epishin mit Schwarz 25.Dxb3 gespielt hatte, hatten wir die folgende Stellung auf dem Brett:

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Vladimirovs Dame wurde gerade geschlagen—Weiß am Zug gewinnt.

99.99999% aller Schachspieler würden natürlich sofort die Dame zurückschlagen. Stockfish bewertet 26.cxb3 als in etwa ausgeglichen, während er Weiß nach 26.axb3 einen kleinen Vorteil gibt. Vladimirov hatte aber ganz andere Pläne und fand einen Zug, der auf der Stelle gewinnt.

Es braucht schon sehr viel mehr als nur Mut und Rechenkünste, um einen Zug wie 26.Lh6 zu finden und zu spielen! Es erfordert Kreativität und Weitblick, die über einen messbaren Rahmen hinausgehen. Züge wie dieser sind aber der Grund, warum manche Leute Schach spielen.

#3 Marshalls legendärer Zug

Frank Marshall ist bis heute für seine brillanten Angriffe und Taktiken bekannt. Der Zug, den er in dieser Partie spielte, ist aber definitiv der beste Zug, den er jemals gespielt hat. Marshall spielte beim Breslauer Turnier 1912 mit Schwarz gegen Stefan Levitsky und nach Levitskys Zug 23.Tc5 war die folgende Stellung auf dem Brett:

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Wie hat Marshall diese Partie mit Schwarz gewonnen?

Schwarz steht bereits auf Gewinn und es gibt mehrere Züge, die seinen Vorteil aufrechterhalten. Ein Zug führt aber zur sofortigen Vernichtung von Weiß. Wer kann ihn finden?

Marshalls Zug 23...Dg3!! ist einer dieser Züge, von denen noch in 100 Jahren gesprochen werden wird. Es ist einfach nur genial, seine Dame auf ein Feld zu spielen, auf dem sie auf so viele Weisen geschlagen werden kann und Schwarz trotzdem nach jedem Zug gewinnt.

#2 Meiers spektakuläres Opfer

Auf Platz zwei haben wir die erste von zwei einstimmigen Entscheidungen. Das ist richtig. Das gesamte Chess.com-Team hat diesen unglaublichen Zug gewählt. Meier spielte 1994 mit Weiß gegen Müller und erreichte folgende Gewinnstellung:

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Weiß dominiert die Stellung.

Weiß hat hier viele gute Züge zur Auswahl, aber Meier fand den mit Abstand spektakulärsten! Findet Ihr ihn auch?

Der Zug sieht wie ein Upgrade von Marshalls legendären Zug aus! Ein Upgrade, weil:

  • Es sind aber mehr Figuren auf dem Brett, was die Situation noch unübersichtlicher macht.
  • Das erzwungene Schachmatt erfordert eine noch längere Berechnung.
  • Im Gegensatz zu Mashalls Zug, den Stockfish sofort findet, schlägt Stockfish diesen Zug nicht einmal vor!

#1 Shirovs Läuferopfer

Der erste Platz auf der Liste wird diejenigen, die schon lange Schach spielen oder diesen Zug schon einmal gesehen haben, nicht überraschen. Er wird von fast allen Schachspielern als der beste Zug aller Zeiten angesehen.

Auch dieser Zug war bei ausnahmslos allen Mitgliedern des Chess.com-Teams auf der Liste und unter anderem Chess.com Schachjournalist Peter Doggers; der Lehrplanleiter NM Jeremy Kane und der für Chess.com Indien verantwortliche IM Rakesh Kulkarni hatten diesen Zug ganz oben auf ihrer Liste.

Da Großmeister Alexei Shirov als großartiger Angriffsspieler bekannt ist, werden diejenigen die den Zug noch nicht kennen sicher überrascht sein, dass er in einem Endspiel stattfand. Obwohl er in der Weltrangliste klar hinter Magnus Carlsen und Fabiano Caruana steht, hat sich Shirov in der Rangliste der besten Züge aller Zeiten den Platz an der Sonne redlich verdient.

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Caruana (links) spielte beim FIDE Chess.com Grand Swiss 2019 gegen Shirov (rechts). Carlsen (stehend) sah interessiert zu. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Shirov spielte diesen brillanten Zug 1988 in Linares gegen Veselin Topalov. Nach Topalovs Zug 47.Kg1 war die folgende Stellung auf dem Brett:

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Schwarz hat zwar zwei Bauern mehr, aber wie soll er dieses Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern gewinnen?

Ungleichfarbige Läuferendspiele sind als notorisch remisträchtig bekannt. Obwohl er zwei Bauern mehr hat, ist nicht klar, wie Schwarz dieses Endspiel gewinnen kann. Wenn Weiß seinen König nach e3 oder d4 bringen kann, gibt es keine Möglichkeit für einen Durchbruch für Schwarz. Was diesen Zug noch erstaunlicher macht, ist die Tatsache, dass es wirklich der einzige Gewinnzug war!

Wie schon einige andere Züge auf dieser Liste findet auch hier Stockfish keinen Gewinn. So. Jetzt haben wir Euch aber lange genug auf die Folter gespannt. Hier ist Shirovs brillanter Zug mit Erklärungen von Großmeister Daniel Naroditsky

Das waren sie - die 10 besten Züge aller Zeiten. Wir hoffen, diese Auflistung hat Euch gut unterhalten. Wenn Ihr noch andere unglaublich gute Züge kennt, könnt Ihr uns im Kommentarfeld gerne auf Eure Favoriten aufmerksam machen

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