Carlsen läuft Gefahr die Nummer 1 zu verlieren.

Carlsen läuft Gefahr die Nummer 1 zu verlieren.

Durch seinen Sieg gegen Magnus Carlsen beim Altibox Norway Chess Turnier liegt Vladimir Kramnik in der Live-Weltrangliste nur noch 6.4 Punkte hinter der Nummer 1 der Welt zurück. Derweil übernahm Levon Aronian durch seinen Sieg gegen Sergey Karjakin die Tabellenführung.

Carlsen war es heute nicht nach Interviews zumute. | Foto: Maria Emelianova.

Der neue Tabellenführer beim Altibox Norway Chess Turnier, Levon Aronian, ist nicht das Stadtgespräch in Stavanger. Zumindest noch nicht. Wir wissen alle wie gut der Armenier spielen kann. Er gewann gerade erst das Grenke Turnier und jetzt zeigt er schon wieder eine großartige Leistung. Aber die Schlagzeilen gehören momentan Magnus Carlsen, denn der Weltmeister steckt in einer Krise.

Und die ist ziemlich ernst.

Durch den Sieg im heutigen Duell der Nummer 2 der Welt gegen die Nummer 1 liegt Vladimir Kramnik nur noch 6.4 Elo Punkte hinter Carlsen zurück, und plötzlich läuft der Weltmeister Gefahr, die Führung der Weltrangliste, die er seit Juli 2011 innehat, zu verlieren.

Wird Carlsen das Turnier ohne einen einzigen Sieg beenden? Das letzt mal, dass dies geschach war vor 10 Jahren in Dortmund, und dort wurden nur sieben Runden gespielt. Damals erzielte er sechs Remis bei einer Niederlage.

Ein kleines Video über eine große Partie.

Kramnik entschied sich für 1.e4 und erwartete von seinem Gegner nicht die übliche Erwiderung 1...e5. "Da Magnus in keiner guten Ausgangslage war, dachte ich, er würde etwas ungewöhnliches, etwas scharfes, spielen."

Der russische Großmeister sagte, dass er sich überhaupt nicht auf eine italienische Eröffnung vorbereitet hatte. "Ich hatte diesen Zug 12.Ld3 im Kopf, der sehr interessant für Weiß ist. Das war alles."

Es war gut genug, damit er nach der Eröffnung zufrieden war, wie er in einem Live-Interview während der Partie sagte:

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Kramnik hatte nach der Eröffnung eine gute Stellung. | Foto: Maria Emelianova.

Besonders Kramnik's 22.Da1 war ein wirklich schöner Zug, den Carlsen schnell und überraschend mit 22...Dc7 beantwortete. Nach der Partie gab Carlsen zu, dass er 23.Lxh6 einfach nicht gesehen hatte.

Es war der Anfang vom Ende. Carlsen schlug mit der falschen Figur auf f2, teilweise, weil er die alternative als "hoffnungslos" einschätze und teilweise, weil er auch Kramnik´s 29. Zug nicht kommen sah. Der weiße Angriff war daraufhin verheerend und Kramink spielte ihn humorlos zu Ende — sein erster Sieg gegen Carlsen in einer Turnierpartie seit sieben Jahren!

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Carlsen trat während der letzten Runden schon nicht mehr vor die internationalen Kameras und heute verweigerte er sogar dem norwegischen Sender TV2 ein Interview. Beides verstößt gegen seinen Vertrag, aber die Turnierorganisatoren haben nicht vor, ihm die $100 Strafe aufzuerlegen, die dieser Vertrag in diesem Fall vorsieht.
Kramnik sprach jedoch ausführlich mit der Presse. Hier ist sein Interview mit Chess.com:

Zur Tatsache, dass er eventuell die Nummer 1 der Welt werden könnte, sagte Kramnik: "Es wäre schon schön, für einen Tag der Held zu sein, aber es bedeutet nicht wirklich viel.."

Er denkt, dass Carlsen nur eine schlechte Phase habe, aber auch an seinem Eröffnungsrepertoire mit Schwarz arbeiten müsste.

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Kramnik und Carlsen sahen sich kurz einige Variationen an. | Foto: Maria Emelianova.

Trotzdem glaubt Kramnik, dass Carlsen seine Form bald wieder finden wird: "Er ist total unterbewertet! Ich werde ihm nicht auf Dauer so nahe stehen, und auch sonst niemand. Ich bin mir sicher, dass er wieder in Form kommen und den anderen Spielern wieder enteilen wird. Da habe ich überhaupt keine Zweifel."

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Kramnik wird interviewt und Nakamura´s Sekundant, Kris Littlejohn, hört überhaupt nicht zu! | Foto: Maria Emelianova.

Die heutige Runde wurde in der Konzerthalle von Stavanger gespielt, wo auch die letzten beiden Runden stattfinden werden. Anish Giri entschied sich für eine sizilianische Drachenvariante, die auch Boris Gelfand kürzlich in Moskau gewählt hatte. Eine weise Entscheidung, denn er gewann damit gegen Maxime Vachier-Lagrave die schnellste Partie des Tages.

"Ich hatte diese Variante schon vor langer Zeit vorbereitet, konnte sie aber nie anwenden, weil keine meiner Partien in diese Richtung lief. Aber heute war es endlich soweit," sagte Giri.

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Vachier-Lagrave sah heute nicht besonders fit aus. | Foto: Maria Emelianova.

Bei der Pressekonfernz zeigte Giri lange Varianten auf, die er Vorbereitet hatte. MVL war auf diese Varianten überhaupt nicht vorbereitet. "Das Problem ist, dass ich diese Varianten alle schon mal gesehen habe, aber nicht heute."

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"Das war eine komische Partie," sagte Nakamura über MVL-Giri. "Ich hab da überhaupt nichts verstanden." | Foto: Maria Emelianova.

In den Live-Ratings haben momentan sechs Spieler eine ELO von über 2800, aber einer von ihnen spielt auf einem Level von 3000: Levon Aronian. Heute besiegte der armenische Großmeister Sergey Karjakin und übernahm damit, 2 Runden vor Turnierende, die alleinige Tabellenführung.

Die Partie war eine von 3 italienischen Partien dieser Runde. Anand findet diese Eröffnung faszinierend: "Die Computer haben die Italienische Eröffnung neu Erfunden. Es scheint, dass wir sie viel zu früh abgehakt hatten."

Aronian entschied sich für den aggressiven Plan ...h6, ...Kh8, ...Nh7 und ...f5, aber Karjakin lies sich nicht aus der Ruhe bringen und machte keinen Fehler. Erst als er sich für das Turmmanöver Te1-e6-g6 entschied, ging es für Weiß abwärts, obwohl die Computer sagen, dass die Stellung noch in etwa ausgeglichen wäre. Aber f4-f3 zuzulassen war definitiv ein Fehler.

Aronian gab dann noch einen Teil seines Erfolgsrezeptes Preis: "Ich glaube, ich kämpfe einfach gut. Ich spiele nicht besser als sonst auch aber ich kämpfe. Vor dem Turnier habe ich mit Freunden Poker gespielt und das lies mich aggressiver werden!"

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Levon Aronian führt das Turnier nach 7 Runden an. | Foto: Maria Emelianova.

Wie Vishy Anand hervorhab, ist Italienisch nicht einfach eine Anti-Berlin Variante. Es ist eine Eröffnung, die zu sehr interessanten Partien führen kann. Hier ist seine Partie gegen Hikaru Nakamura, die tolle Analysen von beiden Spielern enthält:

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Der Beginn der siebten Runde. | Foto: Maria Emelianova. 

2017 Altibox Norway Chess | Round 7 Standings

# Land Name ELO Leistung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Aronian,Levon 2793 2956 ½ 1 ½ 1 ½ 1 ½ 5.0/7
2 Nakamura,Hikaru 2785 2897 ½ ½ 1 ½ ½ ½ 1 4.5/7
3 Kramnik,Vladimir 2808 2849 0 ½ ½ ½ ½ 1 1 4.0/7 12.50
4 Giri,Anish 2771 2847 ½ 0 ½ ½ 1 ½ 1 4.0/7 12.50
5 So,Wesley 2812 2798 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 3.5/7
6 Karjakin,Sergey 2781 2745 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 3.0/7 11.00
7 Caruana,Fabiano 2808 2752 ½ ½ ½ ½ 0 ½ ½ 3.0/7 10.25
8 Anand,Viswanathan 2786 2745 ½ 0 0 ½ ½ 1 ½ 3.0/7 9.75
9 Carlsen,Magnus 2832 2695 0 ½ 0 ½ ½ ½ ½ 2.5/7 8.75
10 Vachier-Lagrave,Maxime 2796 2697 ½ 0 0 ½ ½ ½ ½ 2.5/7 8.50

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Das TV2 Studio liegt am Hafen von Stavanger. Hier verlässt ein Kreuzfahrtschiff die Stadt. | Foto: Maria Emelianova.

Die Paarungen der achten Runde lauten: Carlsen-Karjakin, Aronian-Anand, MVL-Kramnik, Nakamura-So und Giri-Caruana.

Ihr könnt die Partien auf unserem Live Server jeden Tag um 16.00 Uhr verfolgen. Berichte über das Turnier findet ihr hier auf Chess.com/News und auf unseren Twitter, Facebook und YouTube Kanälen.

 


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