Carlsen gewinnt das Grenke Chess Classics
Magnus Carlsen besiegte in der letzten Runde auch noch Maxime Vachier-Lagrave und gewann die Grenke Chess Classics mit 1.5 Punkten Vorsprung vor Fabiano Caruana, der in der letzten Runde gegen Levon Aronian remisierte.
Da war sogar der Server von 2700chess.com einige Minuten überlastet - und das nicht zum ersten Mal in dieser Woche - denn so viele Schachfans wollten die aktuelle Elo des Weltmeisters sehen. Als Peter Leko seine Online-Fangemeinde erwähnte, konnte der Turniersieger sein Lächeln nicht verbergen.
Für alle, die es noch nicht selbst überprüft haben, ist hier die Antwort: Carlsen wird im Mai eine Elo von 2875 haben und liegt damit nur noch 7 Punkte hinter seinem eigenen Rekord von vor 5 Jahren.
Das wirft jetzt natürlich erneut die Frage auf, die in den letzten Jahren nur wenige zu stellen wagten. Wird er jemals 2900 erreichen?
Carlsen: "Ich weiß es nicht. Im Moment bin ich einfach glücklich, viel besser zu spielen als in den letzten Jahren. Ehrlich gesagt haben mich einige Leute in den letzten Jahren privat gefragt, ob ich jemals über 2900 komme und meine Antwort war immer ein klares "Nein, ich glaube nicht, dass ich das schaffe." Ich glaube immer noch nicht daran, aber es ist jetzt zumindest ein vielleicht erreichbares Ziel. Es ist etwas, das ich im Blick habe. Viel wichtiger ist es aber, weiterhin gut zu spielen."
2900 is again within reach for Carlsen. He only needs to score 8,5/9 in #NorwayChess to break it. 6,5/9 will likely be enough to break his 2882 record. #GrenkeChess
— Tarjei J. Svensen (@TarjeiJS) April 29, 2019
Carlsen ist wieder in Schlagdistanz zu den 2900. Er muss nur 8.5/9 im NorwayChess erreichen. Mit 6.5/9 würde er wahrscheinlich schon seinen eigenen Rekord von 2882 brechen.
Carlsen führt nun mit 56 Punkten Vorsprung vor Fabiano Caruana, den man wohl als "Best of the Rest" bezeichnen kann.
"Ich denke nicht, dass er ein herausragendes Turnier gespielt hat, aber er ist trotzdem Zweiter geworden und deshalb ist er für mich einfach ein sehr guter Spieler," sagte Carlsen.
Carlsens Dominanz war aber im Mai 2014, als er mit 67 Punkten Vorsprung vor Aronian die Weltrangliste anführte, noch größer.
Nur Garry Kasparov hatte jemals einen noch größeren Vorsprung. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte er eine Elo von 2851 (Carlsen war damals 9 Jahre alt) und der zweitplatzierte Viswanathan Anand lag 82 Punkte hinter ihm. Lustigerweise hatte Anand damals genau einen Punkt mehr als heute.
Die Elo-Zahlen vom Jänner 2000 (Top 10)
| # | Land | Name | Elo |
| 1 | Kasparov, Garry | 2851 | |
| 2 | Anand, Viswanathan | 2769 | |
| 3 | Kramnik, Vladimir | 2758 | |
| 4 | Shirov, Alexei | 2751 | |
| 5 | Morozevich, Alexander | 2748 | |
| 6 | Leko, Peter | 2725 | |
| 7 | Adams, Michael | 2715 | |
| 8 | Ivanchuk, Vassily | 2709 | |
| 9 | Bareev, Evgeny | 2709 | |
| 10 | Topalov, Veselin | 2702 |
In seiner heutigen Partie gegen Vachier-Lagrave gab es eigentlich nur einen Schlüsselmoment, als der Franzose im 10. Zug im Stil des Benko Gambits einen Bauern opferte. Carlsen war von diesem Opfer aber nicht begeistert.
"Ich hatte heute nicht so viel Energie, aber zum Glück hat er mir diesen Bauern geschenkt", sagte Carlsen. "Manchmal macht er das; er trifft diese impulsiven Entscheidungen. Er gibt sehr gern Bauern für die Initiative auf, aber das Problem ist, dass es hier keine Initiative gibt. Es ist nur ein geschenkter Bauer. Danach steht er deutlich schlechter."

Die andere große Geschichte des Turniers war natürlich der 14-jährige IM Vincent Keymer, der unbezahlbare Erfahrungen in einem Feld von Elite-Großmeistern sammeln konnte. Letztendlich gelang es ihm zwar nur 2 Punkte zu erzielen, aber die Tatsache, dass er damit trotzdem Ratingpunkte dazugewann zeigt, wie stark diese Superturniere sind.
Heute schien er seine Hauptschwäche, das Zeitmanagement, verbessern zu wollen und spielte in der Eröffnung viel schneller. Diesesmal hätte sein Trainer Leko jedoch gerne gesehen, dass er für seine Züge 11, 15 und 19 etwas mehr Zeit aufgewendet hätte, denn sie waren alle etwas zweifelhaft.
Die Partie wurde dann sehr kompliziert und nach Paco Vallejos Zug 20...f5 war es für Keymer schon sehr schwierig.
In der letzten Runde kam es noch zu einem dritten Sieg (die Remisquote war bei diesem Turnier mit 51,2 Prozent angenehm niedrig!). Arkadij Naiditsch konnte gegen Georg Meier gewinnen. Der in Lettland geborene Großmeister Naiditsch, der Aserbaidschan vertritt, belegte dadurch gemeinsam mit Vachier-Lagrave den dritten Platz.
Das Spiel war absolut wild und passt in die Kategorie Kaffeehaus-Schach:
Die anderen beiden Partien waren eher unbedeutend. Das Remis von Anand und Peter Svidler kommentierte Carlsen mit dem Satz: "Ich glaube nicht, dass es vorab vereinbart wurde, wahrscheinlich nicht, aber jeder kennt diese bestimmte Variante."
Caruana schien an seine theoretische Chance auf den Turniersieg, der ja nur noch möglich gewesen wäre wenn Carlsen verliert, nicht wirklich geglaubt zu haben. Er beschloss, die gleiche Remisvariante gegen Aronians Marshall zu spielen, die schon Teimour Radjabov in diesem Jahr in Shamkir gegen Ding Liren gespielt hatte.
Grenke Chess Classics 2019 | Abschlusstabelle
| # | Land | Name | ELO | Leistung | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 0 | Punkte | SB |
| 1 | Carlsen,Magnus | 2845 | 2992 | ½ | ½ | 1 | ½ | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 7.5 | |||
| 2 | Caruana,Fabiano | 2828 | 2835 | ½ | 1 | ½ | ½ | ½ | ½ | ½ | 1 | 1 | 6.0 | |||
| 3 | Naiditsch,Arkadij | 2710 | 2766 | ½ | 0 | ½ | 1 | ½ | 0 | ½ | 1 | 1 | 5.0 | 19 | ||
| 4 | Vachier-Lagrave,Maxime | 2775 | 2760 | 0 | ½ | ½ | ½ | ½ | ½ | ½ | 1 | 1 | 5.0 | 18.25 | ||
| 5 | Anand,Viswanathan | 2779 | 2721 | ½ | ½ | 0 | ½ | ½ | ½ | 1 | 0 | 1 | 4.5 | 19.75 | ||
| 6 | Aronian,Levon | 2761 | 2723 | 0 | ½ | ½ | ½ | ½ | 1 | ½ | ½ | ½ | 4.5 | 18.75 | ||
| 7 | Svidler,Peter | 2737 | 2726 | 0 | ½ | 1 | ½ | ½ | 0 | ½ | 1 | ½ | 4.5 | 17.75 | ||
| 8 | Vallejo Pons,Francisco | 2698 | 2691 | 0 | ½ | ½ | ½ | 0 | ½ | ½ | ½ | 1 | 4.0 | |||
| 9 | Meier,Georg | 2621 | 2521 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 | ½ | 0 | ½ | 0 | 2.0 | 8.75 | ||
| 10 | Keymer,Vincent | 2509 | 2532 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ½ | ½ | 0 | 1 | 2.0 | 6.5 |
Very tough games, and at least managed to win the last one, I felt I was not very lucky in the important moments, let´s see if I can come back to my best level in the following months. Congrats to @MagnusCarlsen who won his own tournament! #GrenkeChess
— Paco Vallejo (@Chessidharta) April 29, 2019
Wonderful to see @MagnusCarlsen in his absolutely top shape, crushing carefree and relaxed. I guess knowing that he is free from the World Championship match torture for a year gives wings! ⚔👏 #GrenkeChess
— Anish Giri (@anishgiri) April 29, 2019
It has to be admitted that my fellow FIDE Presidential Board Member, @MagnusCarlsen , certainly knows how to play chess #awestruck
— Nigel Short (@nigelshortchess) April 29, 2019
So, here is the list of my top 3 favorite chess players of all time: 1. Carlsen (2014) 2. Carlsen (2019) 3. Carlsen (2013) @TarjeiJS @GRENKEChess #shamkirchess #Worldchampions #chess
— Elshan Moradiabadi (@eli_1985_mor) April 29, 2019
Two exceptional players, they do it because they love what they do, and that’s why they are the best and will break all the records!! #Magnus#Messi pic.twitter.com/cXL3J3MY4Y
— Mohamed Al-Mudahka (@almodiahki) April 29, 2019
If he keeps going at this rate he might win a game during the next world championship!
— Jon (@Jon__Zachary) April 29, 2019
Carlsens nächstes Turnier wird der Opener der Grand Chess Tour 2019 sein. Das Schnellschach und Blitzturnier in Abidjan, an der Elfenbeinküste, das vom 6. bis zu 13. Mai stattfindet.
"Ich freue mich schon darauf," sagte Carlsen. "Das ist wahrscheinlich meine einzige Möglichkeit an die Elfenbeinküste zu Reisen. Das wird sicher exotisch. Es ist das erste Mal, dass ein Weltmeister in Afrika spielen wird. Ich wollte dort unbedingt antreten.
"Ich spiele gerne Schnellschach und Blitz. Es ist schon lange her, dass ich bei der Grand Chess Tour mitgespielt habe. Auch wenn es im klassischen Schach gerade so gut für mich läuft, mag ich die anderen Disziplinen auch," sagte er.
Alle weiteren Top-Veranstaltungen findet Ihr im Chess.com Turnierkalender
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