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Tata Steel Runde 11: Dubov positiv getestet
Carlsen sieht sich die Partie zwischen Van Foreest (rechts) und Giri an. Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess.

Tata Steel Runde 11: Dubov positiv getestet

PeterDoggers
| 1 | Chess.com Nachrichten

Obwohl er in der 11. Runde des Tata Steel Turniers 2022 einen Sieg gegen Vidit Gujrathi verpasste, führt Magnus Carlsen weiterhin die Tabelle an. GM Richard Rapport liegt nach seinem kampflosen Sieg Daniil Dubov auf dem zweiten Platz. Der Russe musste das Turnier nach einem positiven Corona-Test verlassen.

Anish Giri verlor nach der Niederlage gegen seinen Landsmann Jorden van Foreest, der mit einem Qualitätsopfer Erfolg hatte, an Boden und Fabiano Caruana konnte mit Schwarz gegen Praggnanandhaa R. gewinnen.

So könnt Ihr das Turnier live verfolgen:
Chess.com überträgt das Turnier live und in voller Länge, mit Kommentaren von IM Steve Berger und IM Elisabeth Pähtz auf Twitch, YouTube, ChessTV und Chess.com/Events.
Alle Partien findet Ihr auf unserer Event-Seite: Masters | Challenger
Die englischsprachige Übertragung findet Ihr auf dem YouTube Kanal Chess.com Live und hier könnt Ihr Euch die Aufzeichnung der englischsprachigen Übertragung der 11. Runde ansehen:


Zweieinhalb Stunden vor Beginn der Runde verschickten die Organisatoren von Tata Steel eine Pressemitteilung mit der Nachricht, dass Dubov das Turnier verlassen musste, nachdem er am Donnerstag mit einem PCR-Test positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Turnierdirektor Jeroen van den Berg wurde folgendermaßen zitiert: "Es tut mir leid für Daniil, dass er unser Turnier jetzt verlassen muss. Die gesamte Organisation des Tata Steel Turniers fühlt mit ihm, wünscht ihm in diesen schwierigen Zeiten alles Gute und hofft, dass der im Rest des Jahres noch große sportliche Erfolge erringen kann."

Diese Nachricht war vielleicht keine große Überraschung, wenn man bedenkt, dass jemand aus Dubovs engem Umfeld Anfang dieser Woche positiv getestet worden war. Daraufhin war der russische GM aufgefordert worden, bei seiner nächsten Partie eine Gesichtsmaske zu tragen, was er jedoch prinzipiell abgelehnt hatte. Er verlor dann seine Partie gegen Giri kampflos. Nach negativen Tests konnte Dubov aber zur Normalität zurückzukehren und wie zuvor ohne Maske spielen. Dann aber fiel der Test am Donnerstag positiv aus.

A forfeit win for Rapport vs. Dubov Tata 2022
Rapport gewann seine Partie gegen Dubov kampflos. Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess.

Da Dubov schon mehr als die Hälfte der Partien gespielt hat, bleiben die Ergebnisse seiner bisherigen Partien und seine restlichen drei Partien werden als kampflose Niederlagen gewertet. Das sind neben der heutigen Partie gegen Rapport auch die morgige Partie gegen Praggnanandhaa R. und die letzte Partie am Sonntag gegen Carlsen. Und damit sind Carlsens Chancen auf seinen achten Titel in Wijk aan Zee drastisch gestiegen.

Carlsen hätte seine Ausgangslage aber sogar noch weiter verbessern können, wenn er heute nicht seine Gewinnstellung in einem Turmendspiel verspielt hätte. Das passiert dem Norweger, den viele für den besten Endspielspieler in der Geschichte des Spiels halten, nun wirklich selten, aber es muss auch gesagt werden, dass der Gewinn alles andere als trivial war.

Carlsen Vidit Tata 2022 press room
Carlsen und Vidit überprüfen ihre Partie auf einem Laptop im Pressezentrum. Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess.

"Es war nicht sehr offensichtlich. Ich denke, das war der Moment, in dem ich mir mehr Zeit zum Nachdenken nehmen hätte sollen, aber es war nicht einfach", sagte Carlsen, nachdem er die Fortsetzung der Engine auf einem Laptop im Pressezentrum gesehen hatte. "Ich versuche immer noch, die Computervariante nachzuvollziehen."

Eigentlich hatten die Experten ein schnelleres Remis erwartet, da Vidit eine ganze Weile sehr gut spielte und die Spieler ein sehr ausgeglichenes Endspiel erreicht hatten. In leichter Zeitnot liquidierte der Inder aber in ein ungünstiges Turmendspiel, in dem er tatsächlich für einige Züge lang auf Verlust stand.

Carlsen Vidit Tata 2022
Carlsen und Vidit erreichten ein unglaublich kompliziertes Turmendspiel. Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess.

Carlsen machte jedoch den "übereilten" Zug 36.d7, woraufhin die Bewertung der Engines wieder auf 0,00 fiel. Dann machte Vidit keine Fehler mehr und hielt das Remis, was bedeutet, dass er gegen Carlsen im klassischen Schach weiterhin ungeschlagen ist, denn alle drei bisherigen Partien zwischen den beiden endeten ebenfalls Remis.

Für sein Interview hatte er einige lustige Sätze vorbereitet. "Ich hätte auch ein leichteres Remis erreichen können, aber was hätte das gebracht?" begann Vidit. "Es gibt so viele Remis und die Leute wollen ja eine Show sehen. Deshalb habe ich besonders lange gespielt. Und Magnus kann ja am letzten Tag überhaupt nicht spielen, obwohl er doch so gerne Schach spielt und deshalb dachte ich mir: Ok, machen wir es etwas interessanter."

Vidit Gujrathi Tata Steel Chess 2022
Vidit: "Ich hätte auch ein leichteres Remis erreichen können, aber was hätte das gebracht?" Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess.

Van Foreest konnte zum ersten Mal überhaupt eine klassische Partie gegen Giri gewinnen und hat mit diesem Sieg seine Bilanz gegen seinen Landsmann ausgeglichen. Die erste Partie zwischen den beiden Holländern konnte Giri 2017 in Reykjavik gewinnen. Die nächsten drei endeten Remis.

Es ist auch das zweite Jahr in Folge, dass Van Foreest Giris Träume vom Turniersieg platzen ließ, denn schließlich hatte er ja schon im vergangenen Jahr überraschend das Playoff gegen Giri um den Turniersieg gewonnen.

Giri Van Foreest Tata 2022
Der Handschlag vor der Partie. Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess.

In einem klassischen Nimzo-Inder konzentrierte Giri sein Spiel auf den Damenflügel und setzte den Doppelbauern von Weiß auf der c-Linie unter Druck. Wie es sich herausstellte, hatte er aber seinen König zu sehr im Stich gelassen und Van Foreest bekam die Chance auf ein vielversprechendes Qualitätsopfer.

In dieser Stellung spielte Van Foreest 16.Txf6!

Daraufhin musste Giri seine Pläne auf die Verteidigung seines Königs umstellen, aber er fand nicht die besten Züge und wurde am Königsflügel überrannt.

"Ich bin sehr glücklich und zufrieden mit der Partie", sagte Van Foreest. "Nach meiner Niederlage vor zwei Tagen wollte ich heute kämpfen, also dachte ich, lass es uns versuchen. Ich habe eine sehr riskante Variante gespielt, aber ich dachte, dass ich dadurch gute Chancen auf einen echten Kampf bekommen sollte."

Giri chess knight Tata 2022
Giri spielt mit einem Springer herum, während der nachdenkt. Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess.

Bei der Chess.com-Übertragung kam man zu dem Schluss, dass das Qualitätsopfer einen Zug früher vielleicht sogar noch stärker gewesen wäre. Van Foreest sah sich das an und argumentierte: "Ich dachte, mit seinem Bauern auf c5 bekomme ich diese schöne Blockade, weil all seine Bauern im Zentrum stehen. Wenn sein Bauer dagegen auf c7 steht, kann er seinen Springer schnell von b7 nach c5 überführen und deshalb dachte ich, dass es dort nicht so klar war. Ich bin mir ja nicht einmal sicher, wie klar es in der Partie war, aber wie sich herausstellte, stand Weiß immer sehr gut."

Giri Van Foreest Wijk aan Zee press room
Giri und Van Foreest sahen sich ihre Partie ebenfalls im Pressezentrum an. Foto: Lennart Ootes/Tata Steel Chess.

Wie das Schicksal es wollte, hat Carlsen heute von gleich zwei seiner Sekundanten bei der letzten WM eine große Hilfe erhalten: Von Dubov, weil er am Sonntag einen kampflosen Punkt bekommen wird und von Van Foreest, weil er seinen Hauptkonkurrenten um den Turniersieg besiegt hatte.

Carlsen lobte Van Foreest: "Ich muss sagen, er hat, soweit ich das beurteilen kann, eine sehr gute Partie gespielt. Es zeigt, dass sein Level wirklich sehr hoch ist. Er kann großartige Partien spielen und ich freue mich für ihn."

He can play some awesome games, and I am happy for him.
—Magnus Carlsen

In ihrer allerersten Partie überhaupt kam Caruana zwar etwas schlechter aus der Eröffnung, konnte Praggnanandhaa dann in einer ziemlich guten Partie besiegen. Besonders schön war die Schlussphase, die Kommentatorin Fiona Steil-Antoni als "ein Meisterwerk" bezeichnete.

Wie Caruana erklärte, war Praggs großer Fehler der Zug 23.Sd4, nachdem Weiß überraschend schnell in Schwierigkeiten gerät. "Das Endspiel danach ist wohl verloren. Der Vorteil von Schwarz ist zwar nur gering, aber sehr konkret", sagte Caruana, der am Ende ein Mattnetz um den König seines Gegners gesponnen hatte.

Carlsen hat nur noch eine Partie vor sich, aber das ist eine große: Morgen mit Schwarz gegen Caruana. Der zweitplatzierter Rapport muss ebenfalls mit Schwarz gegen Andrey Esipenko spielen. Gelingt es dem Weltmeister, seinen Vorsprung von einem halben Punkt zu halten, wäre das Turnier entschieden, denn am Sonntag ist ihm der volle Punkt sicher.

"Ehrlich gesagt mache ich mir mehr Sorgen um meine eigene Leistung", sagte Carlsen über diese Ausgangslage. "Heute war ja nicht so toll. Aber ja, offensichtlich habe ich großes Glück mit den Umständen, die außerhalb meiner Kontrolle liegen. Ich hoffe vor allem, dass es Daniil gut geht. Heute Morgen schien es ihm gut gegangen zu sein und ich hoffe wirklich, dass er es zum Grand Prix nach Berlin schaffen kann. Dieses Turnier war für ihn ja sowieso schon irgendwie ruiniert, also denk ich, dass das jetzt seine größte Priorität sein wird. Und natürlich, relativ gesund zu bleiben.

Tabelle nach der 11. Runde - Masters

# Land Name Elo Lstg. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Punkte SB
1 Carlsen 2865 2855 1 1 1 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 7.5
2 Rapport 2763 2830 0 ½ ½ ½ 1 1 0 ½ 1 1 1 7.0
3 Giri 2772 2801 0 ½ 1 ½ ½ 1 0 ½ 1 1 ½ 6.5 33.5
4 Mamedyarov 2767 2793 0 ½ ½ ½ ½ 1 1 ½ ½ ½ 1 6.5 32.5
5 Esipenko 2714 2779 ½ 0 ½ 1 ½ ½ 1 ½ ½ ½ ½ 6.0 32.75
6 Karjakin 2743 2771 ½ ½ ½ ½ 0 ½ 1 ½ ½ ½ 1 6.0 31.75
7 Vidit 2727 2766 ½ ½ ½ ½ ½ 0 ½ 1 1 1 0 6.0 30.5
8 Caruana 2792 2750 0 0 ½ ½ ½ ½ 1 ½ ½ 1 1 6.0 27.75
9 Van Foreest 2702 2740 ½ 0 1 0 0 0 1 ½ ½ 1 1 5.5
10 Duda 2760 2713 ½ 1 ½ 0 ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ 5.0
11 Shankland 2708 2679 ½ ½ 0 ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ 4.5
12 Dubov 2720 2606 0 0 ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ 0 3.5 19.75
13 Grandelius 2672 2606 ½ 0 ½ ½ ½ 0 0 0 ½ 1 0 3.5 18.75
14 Praggnanandhaa 2612 2619 0 0 ½ 0 0 1 0 0 ½ ½ 1 3.5 17.5

Arjun Erigaisi hat in der 11. Runde des Challenger Turniers schnell remisiert, aber den Turniersieg noch nicht ganz unter Dach und Fach gebracht, denn sowohl Thai Dai Van Nguyen als auch Jonas Buhl Bjerre konnten ihre Partien gewinnen und damit ihren Rückstand auf 1.5 Punkte verkürzen. In der 12. Runde kommt es dann zum großen Duell zwischen Nguyen und Erigaisi. Wie sehr diese Partie davon beeinflusst werden wird, dass der Tscheche heute fast sieben Stunden brauchte, um den deutschen IM Roven Vogel zu besiegen, wird sich zeigen:

Nguyen Vogel Wijk aan Zee 2022
Nguyen gegen Vogel. Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess.

Bjerre hat wieder gewonnen, aber nicht ohne etwas Glück:

Bjerre vs. Murzin Tata 2022
Bjerre gegen Murzin. Foto: Jurriaan Hoefsmit/Tata Steel Chess.

Tabelle nach der 11. Runde - Challenger

# Land Name Elo Lstg. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Punkte SB
1 Erigaisi 2632 2816 1 ½ 1 ½ 1 ½ 1 1 ½ 1 1 9.0
2 Bjerre 2586 2702 0 0 1 ½ ½ 1 1 1 ½ 1 1 7.5 38
3 Nguyen 2613 2676 1 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 1 7.5 36.25
4 Jumabayev 2631 2618 ½ 0 ½ ½ 1 ½ 1 1 ½ ½ ½ 6.5
5 Warmerdam 2607 2596 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 6.0
6 Van Foreest 2539 2575 ½ ½ ½ 0 ½ ½ 1 ½ 0 1 ½ 5.5 31.5
7 Murzin 2519 2568 0 0 ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 ½ 5.5 27.25
8 L'Ami 2622 2544 ½ 0 ½ ½ 0 ½ ½ ½ 1 ½ 1 5.5 26.75
9 Gangul 2627 2545 0 0 0 ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 1 5.5 22.75
10 Dardha 2532 2498 0 ½ ½ 0 0 ½ ½ 0 1 ½ 1 4.5
11 Maurizzi 2502 2473 0 0 ½ ½ 1 ½ ½ 0 1 0 0 4.0 21.75
12 Shuvalova 2516 2460 ½ ½ 0 0 0 0 ½ 0 1 ½ 1 4.0 19.5
13 Vogel 2452 2409 0 0 0 ½ ½ ½ ½ 0 ½ ½ 0 3.0 16
14 Zhu 2478 2400 0 0 ½ 0 ½ 0 0 0 1 0 1 3.0 13

Alle Partien der 11. Runde




Weitere Berichte vom Tata Steel Turnier:

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Peter Doggers

Peter Doggers joined a chess club a month before turning 15 and still plays for it. He used to be an active tournament player and holds two IM norms.

Peter has a Master of Arts degree in Dutch Language & Literature. He briefly worked at New in Chess, then as a Dutch teacher and then in a project for improving safety and security in Amsterdam schools.

Between 2007 and 2013 Peter was running ChessVibes, a major source for chess news and videos acquired by Chess.com in October 2013.

As our Director News & Events, Peter writes many of our news reports. In the summer of 2022, The Guardian’s Leonard Barden described him as “widely regarded as the world’s best chess journalist.”

In October, Peter's first book The Chess Revolution will be published!


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