Carlsen und MVL gewinnen ihre ersten Partien

Carlsen und MVL gewinnen ihre ersten Partien

Eine ganze Nation atmet auf. Magnus Carlsen gewann beim Altibox Norway Chess Turnier endlich seine erste Partie. Nach seinem Sieg gegen Sergey Karjakin bekam er im Konserthus von Stavanger stehenden Applaus. Und auch Maxime Vachier-Lagrave konnte gegen Vladimir Kramnik seine erste Partie des Turniers gewinnen.

Carlsen und MVL haben endlich gewonnen. | Foto: Maria Emelianova.

"Ich bin erleichtert."

Nach der Partie war Magnus Carlsen wieder im TV2 Studio, und alle Norweger waren beruhigt. Er kann noch spielen und der kann noch gewinnen.

Durch seinen Sieg gegen Sergey Karjakin vermied der Weltmeister zwei Sachen: Zum ersten mal in einer Dekade ein Turnier ohne einen Sieg zu beenden und seinen Platz an der Spitze der Weltrangliste zu verlieren.

"Beides freut mich gleichermaßen, denn beide Serien sind mir wichtig," sagte Carlsen. Seine Partie sah er aber trotzdem kritisch.

"Wenn ich eine Krankheit gehabt hätte, dann wäre diese jetzt noch nicht geheilt. Es war nur eine Partie. Aber der Sieg fühlt sich gut an."

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Der Start einer sehr wichtigen Partie für Carlsen. | Foto: Maria Emelianova.

Nach einer Nimzo-Indischen Eröffnung hatte Carlsen einen leichten Vorteil, aber Karjakin fand gute Züge wie 21...Te6 und 22...La4.

Nach einem spekulativen Bauernopfer fingen die Computer an, Karjakins Stellung zu mögen, aber dann gerieten beide Spieler in ernsthafte Zeitnot und alles konnte passieren. Karjakin machten seinen 40. Zug mit 2 Sekunden auf der Uhr und die Stellung war immer noch unklar.

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Einen Cent für seine Gedanken. | Foto: Maria Emelianova.

Carlsen dachte dann 11.5 Minuten nach und fand einen wirklich starken Zug (41.Dc3). Daraufhin dachte Karjakin 27 Minuten nach und spielte...... einen schlechten Zug.

"Sobald dieser Zug auf dem Brett war wusste ich, dass ich gewinnen werde," sagte Carlsen.

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Carlsen kann jetzt wieder 50% erreichen. | Foto: Maria Emelianova.

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Eine tolle Partie wurde durch einen groben Patzer entschieden. | Foto: Maria Emelianova.

Nach der Partie sprach Chess.com noch kurz mit Carlsens ehemaligen Trainer, GM Simen Agdestein. Er hatte zwar keine Erklärung für das Formtief seines ehemaligen Schützlings, aber bemerkte einen interessanten psychologischen Effekt:

"Jeder hat mal ein Formtief, aber Magnus hatte noch nie eines. Es zeigt, dass er menschlich ist und das ist eigentlich ein schlechtes Zeichen, denn wenn alle seine Gegner denken, dass er genau dies nicht ist, kann er daraus einen Vorteil ziehen. Dies könnte anderen Spielern zum Durchbruch verhelfen, denn sie dachten bis jetzt, dass Magnus unantastbar wäre, aber jetzt werden sie ihn jagen."

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Zurück im TV2 Studio und Carlsen konnte sogar wieder lächeln. | Foto: Maria Emelianova.

Die Frage, welchen Ratschlag der Carlsen geben würde, wenn er noch sein Trainer wäre, beantwortete Agdestein auch: "Magnus weis sehr gut, was gut für ihn ist. Er braucht keine Ratschläge. Der beste Ratschlag, den mann ihm geben kann ist: "Folge Deinen eigenen Gefühlen"."

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Carlsen verläßt mit seinem Sekundanten Peter Heine Nielsen und einem Sieg in der Tasche den Spielort. | Foto: Maria Emelianova.

Wie Carlsen, gewann auch Maxime Vachier-Lagrave heute seine erste Partie dieses Turniers. Dieser ging auf Kosten von Vladimir Kramnik, der nun wieder 15.9 ELO Punkte hinter Carlsen zurückliegt.

Und wie Carlsen, war auch MVL zwar mit seinem Ergebnis, aber nicht mit seinem Spiel zufrieden. Aus der Eröffnung konnte er überhaupt keinen Vorteil herausholen, weil er seine Vorbereitung durcheinander brachte.

Es war erst die dritte Berliner Mauer des Turniers und die Spieler verließen im 12. Zug die Theorie, aber blitzen froh und munter bis zum 19. Zug weiter. Der 20. Zug von Weiß (20.Te2) war noch gut, aber 21.Sd2 erwies sich als ungenau.

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Der 14. Weltmeister wünscht seinem Kontrahenten einen fairen Spielverlauf. | Foto: Maria Emelianova.

Im 28. Zug hätte Kramnik ein Remis erzwingen können, aber "offensichtlich wollte Vlady geweinnen" sagte die Nummer 1 Frankreichs.

Kurz vor der Zeitkontrolle drehte sich die Partie und Weiß erreichte ein Turmendspiel mit einem Mehrbauern. Auch dieses Endspiel hätte noch in einem Remis enden können, aber Kramnik fand heute einfach nicht die besten Züge.

"Natürlich bin ich erleichtert, aber auch heute konnte ich nicht so spielen, wie ich es mir vorgenommen hatte. Es ist klar, dass bei diesem Turnier irgendetwas schief läuft für mich," sagte Vachier-Lagrave. "Klar belastet mich das."

Gestern sagte Kramnik noch, dass ihn die Live-Weltrangliste nicht besonders interessieren würde, aber die heutige Niederlage muss ihn doch schwer getroffen haben, denn er erschien nicht zur Pressekonferenz.

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Kramnik massiert seine Augenbrauen während er versucht, sich an seine Vorbereitung zu erinnern. | Foto: Maria Emelianova.

Durch diese Niederlage fiel Kramnik sogar auf den vierten Platz zurück. Wesley So, der heute seine achte (!) Partie remisierte (gegen Hikaru Nakamura), ist nun zurück auf dem 2. Platz in der Live Weltrangliste.

Als er nach seinen vielen Remis gefragt wurde, machte So einen beachtenswerten Vorschlag:

"Mir wäre es lieber, wenn es beim Schach kein Unentschieden geben würde. Wir spielen ja Schach für die Zuschauer. Für die Fans. Ich glaube, dass es mit einer kürzeren Zeitkontrolle weniger Remis geben würde, und wenn dann doch eine Partie Remis endet sollte sofort eine neue gestartet werden. Mit noch kürzerer Bedenkzeit und umgedrehten Farben. Wenn dann auch diese Partie wieder Remis endet dann folgt eben eine noch kürzere, bis hin zum Armageddon."

Wesley So schlug 60 Minuten pro Partie und Spieler für die erste Partie und 25 Minuten für die zweite vor. Seine Idee deckt sich weitestgehend mit dem Vorschlag von Rustam Kasimdzhanov, den der heutige Sekundant von Fabiano Caruana bereits vor 6 Jahren gemacht hatte.

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Mir wäre es lieber, wenn es im Schach keine Remis geben würde." | Foto: Maria Emelianova.

Die neue Nummer 3 der Welt ist Levon Aronian, der heute gegen Vishy Anand eine sehr vorteilhafte Stellung nicht in einen Sieg ummünzen konnte. "Irgendwie hat es nicht funktioniert," sagte der Armenier. "Es hat eigentlich ganz vielversprechend ausgesehen."

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Aronian liegt eine Runde vor Schluß weiterhin in Führung. | Foto: Maria Emelianova.

Als alle anderen Partien beendet waren, spielten Anish Giri und Fabiano Caruana immer noch. Der Amerikaner nahm das Damengambit zum zweiten Mal in Folge an, und konnte das leicht schlechtere Endspiel, das in der 7.dxc5 Variante entsteht, erneut Remis halten.

Kurz vor der Zeitkontrolle gewann Giri mit einer Taktik einen Bauern, aber im nachhinein waren sich die beiden Kontrahenten gar nicht sicher, ob das die beste Option gewesen war, denn Schwarz hatte immer die Möglichkeit, in dem Läufer gegen Springer Endspiel eine uneinnehmbare Festung zu bauen.

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Giri setzte seinen Gegner die ganze Partie unter Druck. | Foto: Maria Emelianova.

2017 Altibox Norway Chess | Tabelle nach der 8. Runde

# Land Name ELO Leistung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Punkte SB
1 Aronian,Levon 2793 2932 ½ ½ 1 ½ ½ ½ 1 1 5.5/8
2 Nakamura,Hikaru 2785 2886 ½ 1 ½ ½ 1 ½ ½ ½ 5.0/8
3 Giri,Anish 2771 2842 ½ 0 ½ ½ 1 1 ½ ½ 4.5/8
4 So,Wesley 2812 2796 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 4.0/8 15.25
5 Kramnik,Vladimir 2808 2800 0 ½ ½ ½ 0 1 1 ½ 4.0/8 14.75
6 Caruana,Fabiano 2808 2754 ½ ½ ½ ½ ½ 0 ½ ½ 3.5/8 14.00
7 Vachier-Lagrave,Maxime 2796 2756 ½ 0 0 ½ 1 ½ ½ ½ 3.5/8 14.00
8 Anand,Viswanathan 2786 2751 ½ ½ 0 ½ 0 1 ½ ½ 3.5/8 14.00
9 Carlsen,Magnus 2832 2751 0 ½ ½ ½ 0 ½ ½ 1 3.5/8 13.25
10 Karjakin,Sergey 2781 2711 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 3.0/8


Die Paarungen der neunten Runde lauten: Karjakin-MVL, Caruana-Nakamura, So-Aronian, Kramnik-Giri und Anand-Carlsen.

Ihr könnt die Partien auf unserem Live Server jeden Tag um 16.00 Uhr verfolgen. Berichte über das Turnier findet ihr hier auf Chess.com/News und auf unseren Twitter, Facebook und YouTube Kanälen.

 


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