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Schnellschach-WM Tag 1: Duda, Carlsen und Jobava liegen in Führung
Duda startete mit 4 Siegen und spielte die fünfte Partie Remis. Foto: Mark Livshitz/FIDE.

Schnellschach-WM Tag 1: Duda, Carlsen und Jobava liegen in Führung

AnthonyLevin
| 0 | Berichterstattung von einem Schach-Event

Nach dem ersten Tag der Weltmeisterschaft im Schnellschach liegen Jan-Krzysztof Duda, Magnus Carlsen und Baadur Jobava gemeinsam mit 4.5 Punkten in Führung. Lokalmatador Duda startete genau wie Baadur Jobava mit 4 Siegen in das Turnier, aber da die beiden in der fünften Runde gegeneinander Remis spielen, ergab sich für Carlsen, der in der zweiten Runde Remis gespielt hatte, die Chance, mit den beiden gleichzuziehen und er hat sie genutzt.

Bei den Damen wurden am ersten Tag nur vier Runden gespielt und die beiden Russinnen Valentina Gunina und Alexandra Kosteniuk konnten alle vier Partien gewinnen. Die beiden Top-Favoritinnen Kateryna Lagno und Aleksandra Goryachkina, beide ebenfalls aus Russland, mussten hingegen schon am ersten Tag schwere Verluste verkraften.

Beide Turniere werden heute am Montag, dem 27. Dezember um 15 Uhr fortgesetzt. 

So könnt Ihr die FIDE Schnellschach- und Blitz-WM live ansehen
Wir übertragen die FIDE Schnellschach- und Blitz-WM 2021 live auf Chess.com/TV, Twitch und YouTube. Alle Partien der Damen findet Ihr hier und alles des Opens hier auf unserer Live Events Plattform.
Für die Live-Übertragung auf YouTube haben wir jetzt auch einen separaten Kanal: youtube.com/chesscomlive


Das prestigeträchtigste Schnellschach- und Blitzturnier des Jahres, das 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht stattfinden konnte, wurde von allen Zuschauern und Spielern schon lange erwartet. Und die globale Pandemie inkl. der Omikron-Variante hätte auch dieses Turnier fast verhindert.

Im letzten Moment musste das Turnier von Kasachstan nach Polen verlegt werden. Hätte das nicht geklappt, hätten wir schon das zweite Jahr in Folge keine Schnellschach- und Blitz-WM erleben dürfen.

Da mit Warschau aber ein neuer Austragungsort gefunden wurde, können wir vielleicht sogar ein direktes Aufeinandertreffen der Nummer 1 und der Nummer 2 der Welt im klassischen Schach zu sehen bekommen. Dieses Duell hätte natürlich eine ganz besondere Brisanz, denn der Weltmeister hatte ja angekündigt, dass es unwahrscheinlich ist, dass er seinen Titel gegen jemand anderen als Firouzja verteidigen würde. Und da Firouzja seine Einladung für das Tata Steel Chess Masters 2022 nach der Kontroverse im vorigen Jahr ausgeschlagen hat, werden wir so bald kein anderes Duell zwischen den beiden zu sehen bekommen.

Firouzja erspielte sich am ersten Tag 4 Punkte. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

Kommen wir aber zurück zu Duda. Er hatte ja in den vergangenen Monaten gleich zweimal Schlagzeilen gemacht. Zum einen hat er beim Altibox Norway Chess Turnier Carlsens Serie von 125 klassischen Partien ohne Niederlage beendet und zum anderen hat er den FIDE Weltcup gewonnen. Der polnische Großmeister ist also ein weiterer vielversprechender Spieler der aufstrebenden Generation und seine Leistung von heute beweist, dass Firouzja nicht der einzige Youngster ist, der Carlsens Aufmerksamkeit verdient.

Duda führt das Turnier in seinem Heimatland an. Foto: Anna Shtourman/FIDE.

Weitere herausragende Spieler bei diesem Turnier sind Carlsens WM-Herausforderer Ian Nepomniachtchi (2021), Fabiano Caruana (2018) und Sergey Karjakin (2016). Und auch Hikaru Nakamura (3.5 Punkte) und der dreifache Blitz-Weltmeister Alexander Grischuk (4 Punkte) sind nach Warschau gereist.

"Online-Spezialist" Nakamura spielt bei diesem Turnier zum ersten Mal sein langem wieder an einem echten Schachbrett. Foto: Mark Livshitz/FIDE.
Alexander Grischuk. Foto: Lennart Ootes/FIDE.

Carlsen hält derzeit die Weltmeistertitel in allen drei Kategorien (Klassisch, Schnellschach und Blitz) und hofft natürlich, dass sich daran nichts ändern wird.

Aber auch das Damenturnier ist mit ehemaligen Weltmeisterinnen gespickt: Anna Muzychuk, Antoaneta Stefanova, Alexandra Kosteniuk, Valentina Gunina und Nana Dzagnidze. An Nummer 2 der Setzliste stand aber die erst 23 Jahre alte Aleksandra Goryachkina, die als sechste Frau der Geschichte die 2600 Elo Schallmauer durchbrechen konnte. Die junge Russin fand in ihrer zweiten Partie ein brillantes Damenopfer, musste sich aber in der vierten Runde gegen IM Anastasia Bodnaruk geschlagen geben.

Das Turnier begann erwartungsgemäß mit vielen Siegen der Favoriten. Allerdings setzten sich nicht alle Elite-Großmeister durch.

GM Merab Gagunashvili versuchte sein Glück gegen Carlsen mit einem Anti-Marshall mit 8...Tb8, das der Weltmeister erst kürzlich selbst bei seiner Titelverteidigung gespielt hatte! Nachdem der georgische Großmeister gegen den Weltmeister die gesamte Partie ausgeglichen gestalten konnte, tauschte er in ein Endspiel mit Turm gegen Turm und Läufer ab. Das war zwar ein theoretisches Remis, aber im 103. Zug stellte der Georgier seinen Turm ein

Carlsens typischer Stil, Wasser aus einem Stein zu pressen, erwies sich in der schnellen Zeitkontrolle, bei der die Spieler nicht so viel Zeit zum Nachdenken haben, als besonders gefährlich.

Gagunashvili lieferte dem Weltmeister einen harten Kampf. Foto: Anna Shtourman/FIDE.

Nepomniachtchi, der ja dafür bekannt ist, sehr schnell zu spielen und seine Gegner auf der Uhr unter Druck zu setzen, war einer der ersten Spieler, die die Runde beendete. Er gewann ein schönes Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern und ließ es sogar noch einfach aussehen.

Nepo wartet auf den "Startschuss". Foto: Anna Shtourman/FIDE.

Duda gewann seine erste Partie überzeugend, indem er einen Bauern opferte, um das Zentrum zu sprengen. Danach konnte er dank seiner Initiative einen vollen Punkt verbuchen.

Nodirbek Abdusattorov, der kürzlich das starke Sunway Sitges International Chess Festival gewinnen konnte, holte in seiner ersten Runde mit dem schicken Opfer 18.Lxh6!? den vollen Punkt.

In der zweiten Runde mussten sich die beiden Favoriten auf den Turniersieg, Carlsen (gegen Jorden Van Foreest) und Nakamura (gegen Samvel Ter-Sahakyan), mit Remis begnügen. Andere Elite-Großmeister produzierten aber faszinierende Partien.

Duda opferte mit 15...Txe5 eine Qualität, um das weiße Zentrum zu zerstören und seine eigenen Leichtfiguren zu aktivieren. Das war einfach eine großartige Partie des jungen Polen:

Zu beginn der dritten Runde umfasste die Liste der Spieler mit 2 Punkten noch Namen wie Caruana, Nepomniachtchi, Duda und Grischuk. Insgesamt hatten aber 20 Spieler beide Auftaktpartien gewonnen.

Es sollte erwähnt werden, dass sich die Startzeiten der Runden häufig um einige Minuten verzögerten. Auf den Beginn der dritten Runde mussten die Spieler über 15 Minuten warten, weil Carlsens Brett für ein besseres Licht für die Übertragung des norwegischen Fernsehens verschoben werden musste. Die anderen Spieler sahen etwas unruhig aus, als sie gespannt auf den Beginn der Runde warteten.

Als die dritte Runde dann endlich begonnen hatte, spielte Carlsen gegen Aleksey Dreev wieder die katalanische Eröffnung, die ja in einigen WM-Partien, besonders in der Zweiten, zu sehr chaotischen Partien geführt hatte. Nach 8.b3 entschied sich der Weltmeister für ein Bauernopfer und lies mit 10.d5! gleich ein zweites folgen! Man kann sich durchaus fragen, wie viel davon Vorbereitung war. Auf jeden Fall konnte Carlsen dann ein Turmendspiel mit Mehrbauern gewinnen. 


In der Zwischenzeit hatte Duda seine dritte Partie in Folge gewonnen. Unser Kommentator Jon Ludvig Hammer sagte dazu in der Chess.com Übertragung: "Er spielt vor seinem Publikum. Er ist die große Hoffnung des polnischen Schachs. Er steht unter einem wahnsinnigen Druck und trotzdem hat er einen fantastischen Start hingelegt und die Erwartungen der polnischen Fans sogar übertroffen."

Jobava gelang ebenfalls ein perfekter Start in das Turnier. In seiner dritten Partie fand er die genialen Züge 18. a5 und 19.Sxe6.

Zu einer mit Spannung erwarteten Partie kam es in der dritten Runde zwischen Jorden Van Foreest und Daniil Dubov. Schließlich hatten ja beide noch vor wenigen Wochen bei der Weltmeisterschaft für Carlsen als Sekundanten gearbeitet.

Dubov musste in der vierten Runde gegen seinen ehemaligen Kollegen antreten. Foto: Lennart Ootes/FIDE.

In der Zwischenzeit zeigte Levon Aronian mit Schwarz eine vorbereitete Variante im angenommenen Damengambit. Er erlaubte 8.Lxg8 Tgx8 9. Dh5+. Aber nach dem Zug 10.Dxh7?? ist die h-Linie für den Angriff geöffnet und Schwarz gewinnt entscheidendes Material.

Aronian zeigte in der dritten Runde eine beeindruckende Eröffnungsvorbereitung. Foto: Maria Emelianova/Chess.com.

In der vierten Runde waren die Top-Paarungen Duda gegen Alekseenko und Nepomniachtchi gegen Abdusattorov. All diese Spieler hatte ihre ersten drei Partien gewonnen. In der Partie Nepo gegen Abdusattorov konnte sich kein Spieler in der Spanischen Eröffnung einen Vorteil erspielen und sie einigten sich bereits im 33. Zug auf ein Remis. Die andere Partie konnte aber Duda gewinnen, nachdem er mit dem Zug 24...c4! einen gefährlichen Freibauern geschaffen hatte.

In der vierten Runde kam es auch zu einem unglaublichen Comeback. Rasmus Svane war so darauf konzentriert, ein Damenendspiel mit zwei Mehrbauern zu gewinnen, dass er ein gemeines Schach übersehen hatte, nach welchem Anish Giri nicht nur Remis halten, sondern Svane sogar Schachmatt setzen konnte:

In der fünften Runde kam es schließlich zum Duell der beiden einzig verbliebenen Spieler mit einem perfekten Ergebnis von 4 aus 4: Duda und Jobava. Jobava hatte seine vier Siege gegen Gegner mit einer Durchschitts-Elo von 2560 geholt. Dudas Gegner hatten einen Schnitt von 2628. Da diese Partie dann Remis endete, konnte Carlsen zu den beiden aufschließen.

Bemerkenswert ist, dass Timur Gareyev, der in der Runde zuvor Richard Rapport besiegt hatte, fast gegen Caruana gewonnen hätte und somit Carlsen gefolgt wäre. Irgendwie konnte sich die Nummer 4 der Welt aber in ein Remis retten.

Gareyev war kurz davor, gegen Caruana zu gewinnen. Foto: Anna Shtourman/FIDE.

Für Alexei Shirov endete die Runde mit einer Tragödie, denn er verlor gegen Carlsen in einer absolut ausgeglichenen Stellung auf Zeit. Durch diesen etwas glücklichen Sieg konnte der Weltmeister zu den beiden Führenden aufschließen.

Schnellschach Weltmeisterschaft | Tabelle nach der 5. Runde (Top 20)

Platz Gesetzt Land Name Elo Punkte TB1 TB2 TB3
1 3 GM Duda Jan-Krzysztof 2801 4,5 13,0 15,0 2628
2 1 GM Carlsen Magnus 2842 4,5 12,0 13,5 2609
3 27 GM Jobava Baadur 2679 4,5 11,5 13,5 2560
4 4 GM Nepomniachtchi Ian 2798 4,0 14,5 17,0 2618
5 59 GM Abdusattorov Nodirbek 2593 4,0 14,5 16,0 2674
6 8 GM Grischuk Alexander 2763 4,0 14,0 16,5 2575
7 62 GM Gareyev Timur 2578 4,0 14,0 15,0 2657
8 45 GM Anton Guijarro David 2627 4,0 13,5 15,5 2354
9 154 GM Niemann Hans Moke 2327 4,0 13,0 16,0 2633
10 35 GM Gelfand Boris 2648 4,0 13,0 13,5 2611
11 7 GM Giri Anish 2767 4,0 12,5 14,5 2619
12 23 GM Korobov Anton 2689 4,0 12,0 14,5 2574
13 33 GM Firouzja Alireza 2656 4,0 11,5 13,0 2518
14 47 GM Cheparinov Ivan 2621 4,0 11,0 12,5 2554
15 21 GM Fedoseev Vladimir 2692 4,0 11,0 12,5 2539
16 49 GM Petrosian Tigran L. 2621 4,0 10,0 12,0 2499
17 110 GM Harsha Bharathakoti 2484 3,5 13,5 15,5 2722
18 19 GM Shirov Alexei 2702 3,5 13,5 15,0 2617
19 10 GM Rapport Richard 2750 3,5 13,0 15,0 2551
20 6 GM Caruana Fabiano 2770 3,5 13,0 14,5 2577

(Die gesamte Tabelle findet Ihr hier.)

Alle Partien der ersten 5 Runden