GM Teimour Radjabov

Teimur Radjabov at the 2017 Geneva Chess Tournament. | Photo: Valera Belobeev for WorldChess.
Vollständiger Name
Teymur Rəcəbov
Geboren
Mar 12, 1987 (Alter 33)‎
Geburtsort
Baku, UdSSR (heute Aserbaidschan)
Föderation
Aserbaidschan
Profile

Rating

Bio

Teimur Radjabov wurde am 12. März 1987 in Baku, der gleichen Stadt wie Garry Kasparov, geboren. Radjabov hatte eine vielversprechende Jugendkarriere und gute Ergebnisse bei der FIDE- FIDE-Weltmeisterschaft 2004 und beim FIDE Grand Prix 2010. Danach durchlief Radjabovs Karriere eine gewisse Flaute. Im November 2016 war seine Elo sogar unter 2700 gefallen, aber danach hat er sich wieder in die Top 15 der Welt zurückgearbeitet. Zusammen mit seinem aserbaidschanischen Landsmann Shakhriyar Mamedyarov führte er seine Nation zu Gold bei den Europameisterschaften 2013 und 2017.

Jugend

Radjabov begann bereits im Alter von drei Jahren Schach zu spielen und nahm Ende der 90er Jahre regelmäßig an Junioren-Europameisterschaften und Weltmeisterschaften teil.1996 spielte er bei der U10-Weltmeisterschaft, die der zukünftige indische Großmeister Pentala Harikrishna gewann.

Bei europäischen Jugendturnieren war Radjabov jedoch eine Klasse für sich. Er gewann 1996 und 1997 die U10-Europameisterschaft und 1998 die U12. 1999 spielte er im Alter von 12 Jahren schon bei den U18-Junioren und gewann auch hier den Titel.

Obwohl er in diesem Jahr die Junioren-Weltmeisterschaft nicht gewann, war er inzwischen ein Internationaler Meister. Gegen Kinder in seinem Alter hatte er nichts mehr zu beweisen und so spielte er im Jahr 2000 bei der U20 Weltmeisterschaft. Bis 2001 hatte er sich seine Großmeister-Normen verdient und nahm an der Gruppe B des Corus-Turniers in Wijk aan Zee teil, wo er mit 6 Siegen, 2 Niederlagen und 3 Remis Zweiter wurde.

 

Erwähnenswerte Turniere

2003 war Radjabov einer von sieben Teilnehmern beim Linares Turnier und belegte mit nur einem Sieg, vier Niederlagen und 7 Remis den letzten Platz. Sein einziger Sieg war jedoch vielleicht der berühmteste seiner noch jungen Karriere: Mit den schwarzen Figuren besiegte er seinen Landsmann Garry Kasparov aus Baku in 39 Zügen. Die Partie wurde, sehr zum Ärger Kasparovs, zur besten Partie des Turniers gewählt. Radjabov wurde für seine Widerstandsfähigkeit gelobt und insbesondere für den Zug 21…Sgxe5. Kasparov hatte das Gefühl, einen einfachen taktischen Fehler gemacht zu haben und war der Meinung, dass die Partie keine besondere Anerkennung verdient hätte. Trotzdem war es ein großer Sieg für Radjabov.

Später im Jahr 2003 gewann Radjabov dann auch gegen den zukünftigen Weltmeister Viswanathan Anand. Die Partie fand beim Dortmunder Sparkassen Turnier statt, bei dem Radjabov nach 2 Siegen, 2 Niederlagen und 6 Remis Vierter von sechs Teilnehmern wurde. Radjabov opferte im 22. Zug seine Dame und schon bald darauf fand Anand kein Mittel mehr, um die zentralen Freibauern Radjabovs aufzuhalten.

Im Jahr 2005 gewann Radjabov nach 2 Siegen, 0 Niederlagen und 7 Remis das 13. Dos Hermanas-Turnier gegen ein Feld, zu dem Harikrishna, Alexey Dreev und der damals 15-jährige Sergey Karjakin gehörten. Im Oktober dieses Jahres überschritt Radjabov auch erstmals die Elo-Schallmauer von 2700.

Radjabovs beeindruckendstes Einzelturnier war möglicherweise das Turnier in Wijk aan Zee 2007, bei der er gemeinsam mit Levon Aronian und Veselin Topalov den ersten Platz belgte. Radjabov gewann dort 5 seiner 13 Partien und nur eine Niederlage gegen Aronian in der achten Runde verhinderte, dass er das Turnier alleine gewinnen konnte. Immerhin konnte er aber Spieler wie Anand, Vladimir Kramnik, Peter Svidler und einen 17-jährigen Norweger namens Magnus Carlsen in der Tabelle hinter sich lassen.

2017 gewann Radjabov den FIDE Grand-Prix in Genf, wurde aber in der Gesamtwertung des Grand Prix nur Dritter und verpasste somit haarscharf die Qualifikation für das Kandidatenturnier 2018 in Berlin.

Radjabov 2017 nach seinem Sieg in Genf

Weltmeisterschaften

Radjabovs erste Chance auf den Weltmeistertitel bot sich 2001, als er einer von 128 Teilnehmern des Ko-Turniers der FIDE war. An Nummer 86. gesetzt unterlag er in der Eröffnungsrunde dem estnischen (jetzt amerikanischen) GM Jaan Ehlvest mit 3½ : 2½. Das Turnier wurde letztendlich von dem Ukrainer Ruslan Ponomariov gewonnen.

Im Jahr 2003 hatte sich Radjabov bereits auf Platz 18 der Setzliste vorgearbeitet und spielte ein viel besseres Turnier. Er besiegte den polnischen GM Mateusz Bartel mit 2:0, den dänischen GM Peter Heine Nielsen mit 4:3, den französischen GM Etienne Bacrot mit 2½ : 1½ und den russischen GM Pavel Smirnov mit 3½ : 2½, um das Viertelfinale zu erreichen. Dort spielte er gegen den kubanischen (heute ebenfalls amerikanischen) GM Leinier Dominguez 3½ : 3½ Unentschieden und erreichte in einer Armageddon-Partie mit Schwarz ein Remis, was den Einzug ins Halbfinale bedeutete. Im Halbfinale gegen den an Nummer 3 gesetzten Michael Adams war für Radjabov aber Endstation. Er verlor die erste Partie und konnte Adams im weiteren Verlauf des Duells nicht besiegen. Adams verlor dann das Finale gegen den Usbeken Rustam Kasimdzhanov.

Hier seht Ihr die letztlich schon entscheidende Niederlage gegen Adams in der ersten Runde des Halbfinales:


Zum Glück sollte die Weltmeisterschaft aber nie wieder im KO-Format gespielt werden. Für die WM 2005, die in einem kleineren Format gespielt wurde, konnte sich Radjabov jedoch nicht qualifizieren..

Seit der Wiedervereinigung der Schachverbände im Jahr 2007 hat Radjabov zweimal am Kandidatenturnier teilgenommen. 2011 qualifizierte er sich durch den Gewinn des FIDE Grand Prix und 2013 bekam er vom Veranstalter eine Wildcard. Das Kandiadatenturnier 2011 war eine Ko-Serie von Matches, ähnlich wie die Weltmeisterschaften 2002 und 2004. Radjabov scheiterte in der Eröffnungsrunde, die zugleich das Viertelfinale war, an Kramnik. Das Turnier 2013 folgte dem aktuellen Format, einem Double Round Robin, bei dem Radjabov aber nur einen Sieg erzielen konnte und sieben Partien verlor. Seitdem konnte sich Radjabov nicht mehr für das Kandidatenturnier qualifizieren.

Olympiaden und Nationalmannschaft

Radjabov spielte bei der Team-Schach-Europameisterschaft 2007, 2009 und 2011 an Brett 1 für Aserbaidschan und gewann 2007 den dritten, 2009 den ersten und 2011 den zweiten Platz. Ab 2013 spielte er dann hinter seinem Landsmann Mamedyarov an Brett 2 und gewann 2013 und 2017 Gold. Radjabov spielt damit seit über 10 Jahren eine Schlüsselrolle für eine der erfolgreichsten Nationen bei der Team-Schach-Europameisterschaft.

Bei den Schacholympiaden hatte das aserbaidschanische Team allerdings weniger Glück und konnte sich nie in den Top 3 platzieren. Selbst bei der 42. Schacholympiade, die 2016 in Baku stattfand, schaffte es Aserbaidschan nicht unter die Top Ten und musste zusehen, wie das US-amerikanische Team um Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura und Wesley So das erste Gold für die USA seit 1976 gewann. Radjabov spielte bei dieser Olympiade wieder an Brett ein und erzielte 3 Siege, 2 Niederlagen und 5 Remis.

Gegenwart und Zukunft

Radjabov beim Tata Steel Turnier, 2019.

Im Juli 2019 lag Radjabov mit einer Elo von 2759 auf Platz 13 der FIDE-Weltrangliste. Die Abstände der Top-Spieler zueinander waren aber sehr gering und Radjabov lag nur sieben Punkte hinter dem siebten Alexander Grischuk. Die Top 6 der Welt vom Juli 2019 sind jedoch alle mindestens drei Jahre jünger als Radjabov. Die Rückkehr zur absoluten Weltspitze wird also ein harter Kampf werden.

Wie man es von einem Spieler seiner Qualität erwarten würde, ist Radjabov auch im aktuellen Kandidatenzyklus aktiv. Beim FIDE Grand Prix 2019-20 verlor Radjabov jedoch in der ersten Runde des ersten Turniers in Moskau gegen Nakamura und nahm am zweiten Turnier in Riga nicht teil. Damit war die Qualifikation über den Grand Prix gegessen aber schließlich konnte Radjabov den Weltcup 2019 gewinnen und sich damit für das Kandidatenturnier 2020 in Jekaterinburg qualifizieren.
Aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, hat Radjabov jedoch seine Teilnahme am Kandidatenturnier abgesagt.

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