Aronian, Ding Liren und Ivanchuk stehen im Viertelfinale

Aronian, Ding Liren und Ivanchuk stehen im Viertelfinale

Levon Aronian, Ding Liren und Vassily Ivanchuk haben sich bereits nach den klassischen Partien für das Viertelfinale des FIDE World Cup´s qualifiziert. Ivanchuk erzwang gegen Anish Giri in Gewinnstellung ein Remis, Ding Liren bremste seinen Landsmann Wang Hao aus und Aronian gewann nach 97 Zügen ein schwieriges Endspiel gegens Daniil Dubov.

Levon Aronian war sich nicht sicher of er das Endspiel gewinnen könnte, also hat er es einfach Versucht. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

3 der 8 Achtelfinals sind bereits nach den klassischen Partien entschieden. Aronian, Ding und Ivanchuk können jetzt einen freien Tag genießen und sich vielleicht in aller Ruhe die Tiebreaks der anderen 5 Duelle ansehen. 

Aronian und Ivanchuk müssen im Viertelfinale gegeneinander antreten, während Ding gegen den Gewinner des Duells Najer-Rapport spielen wird.

World Cup 2017 | Runde 4, Ergebnisse

Land Spieler Land Spieler Klassisch Schnellschach Blitz Gesamt
Svidler (2756) Bu Xiangzhi (2714) ½-½, ½-½ 1-1
Vachier-Lagrave (2804) Grischuk (2788) ½-½, ½-½ 1-1
Ivanchuk (2727) Giri (2777) 1-0, ½-½ 1½-½
Dubov (2666) Aronian (2802) ½-½, 0-1 ½-1½
So (2792) Jobava (2702) ½-½, ½-½ 1-1
Rodshtein (2695) Fedoseev (2731) 0-1, 1-0 1-1
Rapport (2675) Najer (2694) ½-½, ½-½ 1-1
Wang Hao (2701) Ding Liren (2771) ½-½, 0-1 ½-1½

Nach deren fantastischen Kampf in der ersten Partie hatten Alexander Grischuk und Maxime Vachier-Lagrave wohl keine Lust auf ein weiteres Gemetzel und einigten sich bereits im 13. Zug auf ein Remis. Grischuk hatte aber eine Stunde über seine Züge 11, 12 und 13 nachgedacht, woraus wir schließen, dass er sich in der Stellung nicht besonders wohl gefühlt haben wird.

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Grischuk fühlte sich in der Stellung nicht wohl, aber dann bot ihm sein Gegner Remis an. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Kurz darauf remisierten Bu Xiangzhi und Peter Svidler denn der Russe hatte problemlos Ausgleich erlangt. Die beiden zogen immerhin 17 Züge. Diese 4 Spieler sehen sich also morgen in den Tiebreaks wieder und die jeweiligen Sieger treffen im Viertelfinale aufeinander.

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"Wer will die Farbe für die erste Tiebreakpartie ziehen?" "Lass ihn!" "Nein, lass ihn!" | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Die Remis zwischen Jobava und So und Najer und Rapport boten etwas mehr Unterhaltung, denn Jobava war wieder mal im Angriff und Rapport hatte zeitweise einen netten Vorteil.

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Jobava hinterlies gegen Wesley So einen hervorragenden Eindruck. Er spielt beim Weltcup so viel besser als beim Grand Prix in Löwen! | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Eine Partie, die Remis endete, hätte eingentlich mit einem Sieg enden sollen, aber Vassily Ivanchuk benötigte gegen Anish Giri einfach nur ein Remis um sich fürs Viertelfinale zu qualifizieren. Chucky erspielte sich mit den schwarzen Figuren schnell einen Vorteil und gerade als alle dachten, er würde der erste Spieler werden, der heute gewinnt, sah Ivanchuk ein Dauerschach und nutzt diese Gelegenheit um seinen Einzug ins Viertelfinale perfekt zu machen.

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Die Computer schrien bereits "Schwarz gewinnt!" aber Ivanchuk sah ein Dauerschach und das genügte ihm vollkommen. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

"Ich kann meine Stellung nach der Eröffnung nur schwer beurteilen, aber er hat 35...b4 übersehen," sagte Ivanchuk zu Chess.com. "Er hat sich aber toll verteidigt und am Ende war ich froh das Dauerschach gefunden zu haben! Ich dachte, diese Stellung könnte noch sehr gefährlich werden, denn er hat einen aktiven König und den starken Bauern auf d5..."

Chess.com's Interview mit Ivanchuk.

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Sein Sekundant Erwin l'Ami reist noch heute ab. Giri bleibt in Georgien und besucht die Familie seiner Ehefrau. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Obwohl der seine Leistung in beiden Partien als "unterirdisch" beschrieb, zieht Levon Aronian ins Viertelfinale ein. Während er gestern einen klaren Gewinn übersehen hatte ("Ich hatte Te8 total vergessen"), "übersah" er heute einen Gewinn in 10 Zügen. Aber darauf kommen wir später noch zurück.

"Zum einen hat mein Gegner heute eine sehr seltsame Variante in der Eröffnung gespielt und anstatt solide zu spielen hatte ich irgendwie die Idee auf Matt zu spielen," sagte Aronian über die Eröffnungsphase. "Zum anderen habe ich habe einige Fehler gemacht. Als erstes habe ich übersehen dass er die Möglichkeit zu einem Damentausch hatte und dann habe ich 17...f6 nicht gesehen."

Aronian, der dachte, dass er in Schwierigkeiten war, bot seinem Gegner ein Remis an, aber Dubov lehnte dies ab, und machte sofort einen Fehler. Laut Aronian wäre 19...Tac8 der beste Zug gewesen und nicht den Bauern zu schlagen. Nach 23...g5 24.f4! war es dann Aronian, der ein Remisgebot ablehnte.

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Beide Spieler boten einmal Remis und beide lehnten das Gebot einmal ab. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Aronian gewann dann eine Qualität und auf dem Brett entstand ein kompliziertes Endspiel: Turm gegen Läufer und beide hatten einen Bauern auf der g-Linie. Es war der Blitzpartie zwischen Aronian und Navara letzten Monat in St. Louis nicht unähnlich, aber dort standen sich die Bauern auf h4 und h5 gegenüber und wie Navara aufzeigte, war diese Stellung ein Remis.

Aber in dieser Stellung war sich Aronian nicht sicher, ob das Endspiel Remis oder Gewonnen wäre. Wir Dejan Bojkov in seiner Analyse schreibt, waren sich nicht einmal Live Kommentatoren wie GM Ivan Sokolov oder GM Vassily Ivanchuk sicher, wie die Stellung zu bewerten sei. Beide dachten dann aber, dass es ein Remis wäre!

"Ich habe mir die Stellung lange angesehen und nicht herausgefunden, wie ich sie gewinnen soll. Das war so ärgerlich," sagte der Sieger. "Wahrscheinlich sitzen die Leute daheim an den Datenbanken und lachen über mich!"

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Dubov gibt die Partie auf. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Er hatte eine sehr glaubhafte Erklärung für die Tatsache, dass er und sein Gegner 10 Fehler im Endspiel unterliefen. "In diesem Turnier spielt niemand sein bestes Schach, denn hier ist jeder so sehr unter Druck. Speziell ich selbst, weil ich mich ja für das Kandidatenturnier qualifizieren will. Das ist purer Stress."

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Egal ob müde oder nicht. Aronian findet nach jedem Sieg ein Lächeln. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Fast unbeobachtet, gelang Ding Liren eine wahre Meisterpartie. Der Chinese überspielte seinen Landsmann Wang Hao und gewann die Partie durch seine großartige Technik. Der berühmte Grundsatz "nichts überstürzen" (dem in Mikhail Shereshevsky's Klassiker "Endgame Strategy" ein ganzes Kapitel gewidmet ist) wurde von Ding perfekt umgesetzt.

"Eine schwierige Partie," sagte Ding. "Ich habe die ganze Zeit gepresst. Ich glaube ich habe gut gespielt. Ich bin mit meiner Leistung sehr zufrieden."

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Manchmal findet man die ultimative Konzentration nur in absoluter Dunkelheit. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Maxim Rodshtein gelang auch etwas, was nicht jeden Tag passiert: Er gewann eine Partie die er gewinnen musste mit den schwarzen Figuren gegen Vladimir Fedoseev. Seine "ich habe nichts zu verlieren" Strategie, ging voll auf: "Natürlich war das sehr schwierig aber ich habe gar nicht so sehr auf das Resultat gespielt. Ich wollte einfach nur mein bestes geben. Ich wollte aggressiv spielen und dann mal sehen was dabei herauskommt. Wenn es nicht geklappt hätte, dann ok. Dann hätte es eben nicht geklappt."

Chess.com's Interview mit Rodshtein.

Rodshtein nannte seinen Mix aus Königs- und Damenindisch "ziemlich schlecht", aber so könnte man auch das Spiel seines Gegners bezeichnen. "Ich habe relativ leicht Ausgleichen können aber dann habe ich gemerkt, dass ich ein gewisses Risiko eingehen muss."

Der israelische Großmeister war sich nicht sicher ab wann die Stellung gewonnen war. "Das ganze Endspiel hat ziemlich wackelig ausgesehen."

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Maxim Rodshtein analysiert nach seinem Sieg noch kurz die Partie. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Am Ende des Tages wurde noch eine tolle Nachricht bestätigt. Viele Spieler, die beim Weltcup schon ausgeschieden sind, haben jetzt für das Isle of Men Turnier gemeldet!

Games von TWIC.

Der Weltcup findet vom 3. bis zum 27. September in der georgischen Hauptstadt Tiflis statt. Jede Runde besteht aus 2 klassischen Partien (nur im Finale sind es 4) und danach folgt, je nach Bedarf, ein Tiebreak im Schnell- und Blitzschach. Das Preisgeld bei diesem Turnier beträgt $1.600.000 und der Sieger bekommt mit $120.000 den Löwenanteil davon. Zusätzlich qualifizieren sich die beiden Finalisten für das Kandidatenturnier 2018.

Chess.com überträgt alle Partien des Weltcups live auf Chess.com/Live. Außerdem könnt ihr Live Kommentare der besten Kommentatoren der Welt, der Chessbrahs, also GM Eric Hansen, GM Robin van Kampen, GM Yasser Seirawan und IM Aman Hambleton auf  Chess.com/TV sehen.


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