Vachier-Lagrave besiegt Svidler beim Weltcup

Vachier-Lagrave besiegt Svidler beim Weltcup

Im einzigen Tiebreak des Viertelfinales eliminierte Maxime Vachier-Lagrave heute Peter Svidler. Es war der kürzeste Tag beim FIDE Weltcup in Tiflis, denn der Franzose gewann bereits die zweite Schnellschach Partie, nachdem die erste mit einem Remis geendet hatte.

MVL und Svidler unterhalten sich nach dem Tiebreak. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Mit Svidler ist zudem auch der letzte Russe beim Weltcup ausgeschieden, aber als einer der wenigen Topspieler konnte er seine ELO in Tiflis verbessern: Um ganze 3.6 Punkte.

Im Halbfinale (das nicht schon morgen, sondern erst am Dienstag beginnt) stehen damit 3 Spieler aus den Top10 der Welt: Maxime Vachier-Lagrave, Levon Aronian und Wesley So. MVL und Aronian müssen gegeneinander antreten, und kämpfen dabei einen Startplatz für das Kandidatenturnier 2018 aus. Der andere Startplatz geht entweder an Wesley So oder Ding Liren.

World Cup 2017 | Viertelfinale, Ergebnisse

Land Spieler Land Spieler Klassisch Schnellschach Blitz Gesamt
Vachier-Lagrave (2804) Svidler (2756) ½-½,½-½ ½-½, 1-0 2½-1½
Ivanchuk (2727) Aronian (2802) 0-1,½-½ ½-1½
So (2792) Fedoseev (2731) ½-½,1-0 1½-½
Ding Liren (2771) Rapport (2675) ½-½,1-0 1½-½

Es waren nur ein Tisch, ein Schachbrett und 2 Stühle im Turniersaal aufgebaut. Zwei Spieler und 6 Fotografen im Innenraum. Es fühlte sich an wie ein Finale.

Vachier-Lagrave: "Wir haben noch gewitzelt, dass wir endlich alleine wären und ich sagte: 'Zu blöd, dass es noch nicht das Finale ist!'"

Bei einer anderen Auslosung hätte das Duell zwischen Vachier-Lagrave und Svidler auch das Finale sein können. Der Franzose ist in einer herausragenden Form und gewann erst im August den Sinquefield Cup. Und Svidler hat den Weltcup schon einmal gewonnen, war beim letzten Weltcup im Finale und ist immerhin siebenfacher Russischer Meister.

Anna Rudolf twitterte, was viele Schachfans dachten:

Dieses Duell zwischen diesen beiden Spielern hätte eigentlich mehr Schach verdient gehabt... aber leider dauerte es nicht lange. Nachdem sich Svidler in der ersten Partie noch durch 76 Züge manövriert hatte und am Ende zu einem verdienten Remis kam, waren seine Reserven in der zweiten Partie aufgebraucht.

Die erste Partie war eine Fortsetzung des Theoriekampfes in der Italienischen Eröffnung, den Alexander Grischuk bei diesem Weltcup eröffnet hatte, nachdem er den tempoverlierenden Zug ...a6-a5 gespielt hatte. Svidler hatte ihn dann in der zweiten klassischen Partie gegen den Franzosen kopiert.

MVL hatte im frühen Mittelspiel einen leichten Vorteil, aber Svidler verteidigte sich glänzend und am Ende konnte er eine berühmte Festung aufbauen und dadurch ein Remis ergattern.

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Das Patt in der ersten Partie rief bei beiden Spielern ein lächeln hervor. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

"In ersten Spiel hatte ich einen wesentlichen Vorteil erlangt aber ich konnte ihn nicht verwerten. Er hat sich sehr gut verteidigt und ich übte soviel Druck aus, wie ich konnte aber habe eigentlich nichts erreicht," sagte Vachier-Lagrave.

Anmerkungen von Dejan Bojkov.

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Der Schiedsrichter Faik Gasanov schreibt die Züge mit. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Es wahr wohl keine weise Entscheidung von Svidler (auch wenn das im nachhinein leicht gesagt ist) die scharfe Englisch Variante der langen Partie im Schnellschach zu wiederholen, denn diesesmal wusste MVL genau was er zu tun hatte. "Ich war schon überrascht, dass er diese mehr oder weniger zweifelhafte Variante ein zweites Mal spielte."

Schwarz kam komportabel aus der Eröffnung aber die Stellung blieb "trickreich", wie MVL sie nannte. "Es hängt alles vom Zug 21...Kc7 ab, den ich, das muss ich gestehen, im voraus nicht gesehen hatte. Ich hatte hier etwas Glück, dass dieser Zug möglich war."

In dieser Stellung spielte MVL 21...Kc7! Er deckt damit seine Dame und entfesselt den g-Bauern. Svidler stimmt nach der Partie zu, dass dieser Zug sehr stark gewesen sei.

"Es war ein toller Zug denn ohne diesen Abzug funktioniert es für ihn, und so hat er keine Zeit mehr. Jetzt schlag ich einfach auf f5 und bekomme ein angenehmes Endspiel."

"Ich dachte dann, dass er sich im Endspiel besser verteidigen hätte können, aber es ist auch schwierig, denn ich habe ja überall Drohungen. Er kann mit seinen Türmen zwar auch Drohungen aufstellen aber insgesamt dominiere ich die Stellung mit meinem Springer auf e3 und sollte gewinnen können." 

Anmerkungen von Dejan Bojkov.

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Es war ein weiterer starker Weltcup von Svidler, der es immerhin bis ins Viertelfinale geschafft hat. | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

Svidlers Uhr tickte unaufhaltsam und nach der Partie sagte Nastja Karlovich, der Pressesprecher der FIDE, dass Svidler vielleicht etwas die Power gefehlt hat. Vachier-Lagrave dachte dies auch: "Ich glaube, das war der große Unterschied. Ich habe natürlich auch nicht gerade vor Energie gestrotzt aber ich hatte genügend Power um zu Kämpfen und ich hatte den Eindruck, als ob er mit letzter Kraft spielen würde. Er musste dann lange nachdenken und genau dann ist seine Stellung zusammengebrochen."

Gestern hatte Aronian auf die Frage, ob er lieber gegen MVL oder Svidler spielen würde, noch gewitzelt: "Ich hasse alle beide!" Heute sagte er über das Duell mit Vachier-Lagrave: "Er muss vor niemanden Angst haben. Ich aber auch nicht. Es sollte ein tolles Halbfinale werden."

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Vachier-Lagrave über sein Halbfinale gegen Aronian: "Es sollten gute Partien werden." | Foto: Chess.com/Maria Emelianova.

2017 FIDE World Cup Bracket Quarterfinals

(Für eine größere Version einfach auf das Bild klicken.)

Levon Aronian vs Maxime Vachier-Lagrave at the World Cup

Wesley So vs Ding Liren at the World Cup

Games von TWIC.

Der Weltcup findet vom 3. bis zum 27. September in der georgischen Hauptstadt Tiflis statt. Jede Runde besteht aus 2 klassischen Partien (nur im Finale sind es 4) und danach folgt, je nach Bedarf, ein Tiebreak im Schnell- und Blitzschach. Das Preisgeld bei diesem Turnier beträgt $1.600.000 und der Sieger bekommt mit $120.000 den Löwenanteil davon. Zusätzlich qualifizieren sich die beiden Finalisten für das Kandidatenturnier 2018.

Chess.com überträgt alle Partien des Weltcups live auf Chess.com/Live. Außerdem könnt ihr Live Kommentare der besten Kommentatoren der Welt, der Chessbrahs, also GM Eric Hansen, GM Robin van Kampen, GM Yasser Seirawan und IM Aman Hambleton auf  Chess.com/TV sehen.


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